Frohe Ostern Euch allen! oder: Hasen braten

Nein, diesmal nicht. Nicht der Vom-Eise-befreit-sind-Strom-und-Bäche-Quark, nicht diesen holden-belebenden-Blick-Mumpitz.

Eher schon, denn Ostern und Pfingsten geht es nicht gänzlich ab ohne ihn, eher schon also das „Sie feiern die Auferstehung des Herrn“. Dabei, sie feiern sie gar nicht, wenigstens nicht so gründlich wie seine Geburt. Da gibt es Geschenke & Gefühle, zur Auferstehung aber wird nur Cholesterin in ovaler Form versteckt. Deshalb wollen wir dieses ethische und gesellschaftliche Problem heute einmal einer exakten Analyse unterziehen.

Ihren Ursprung haben Ostern, wie Weihnachten auch, im Glauben, und da haben Symbol und Ikonografie eine zentrale Rolle.

Also, es liegt an den Symbolen.

Haben Sie, außerhalb von Ereignissen, die der Freundeskreis Deutscher Rassekaninchen ausrichtet, den Osterhasen je gesehen? Sehen Sie. Aber den Weihnachtsmann? Eben. Voller Ehrfurcht, respektgesättigt und erwartungstrunken haben Sie Ihr „Lieber guter Weihnachtsmann“ vorgebracht, das war schön für das Weihnachtskind und für den Weihnachtsmann auch. Der Autor weiß, wovon er spricht, er war mehrfach Weihnachtsmann, was im Übrigen als ein weiterer Beleg für die Repräsentationskraft dieses Symbols gelten muss. Das Christkind hingegen, dieses Huschelchen, ist niedlich, aber irgendwie auch nur so ein Häschen. Auch vermag der Weihnachtsmann einen größeren Sack zu tragen. Schon deshalb wäre Weihnachten mit dem Christkind nicht diese Erfolgsgeschichte.

Was aber ist mit dem Osterhasen? Ist er Ihnen je begegnet? Nicht als Teil der Nahrungskette, nicht mit der Herstellung weiterer Osterhasen befasst, vielmehr in Ausübung seiner poetischen Bestimmung? Haben Sie je einen Nachbarn gebeten, im April wieder die langen Ohren aus dem Schrank zu kramen, so wie im Dezember den Bart? Ein Wesen, das bei Gelegenheit zerkaut und verdaut wird, will uns nicht recht zum poetischen Zentrum eines Hohen Feiertages taugen.

Haben Sie je gehört, es seien veritable Weihnachtsmänner entwendet worden, wobei noch ungeklärt sei, ob es des Verzehrs, des Verkaufs oder nur der genervten Nachbarn wegen geschah? Haben Sie je gehört, es sei ein Weihnachtsmann gebraten worden? Haben Sie je gehört, es habe ein Weihnachtsmann einen Wettlauf gegen einen Igel verloren? Haben Sie je einen Weihnachtsmann sagen hören, sein Name sei Weihnachtsmann und er wisse von nichts? Haben Sie je gehört, es habe jemand das Weihnachtsmannpanier ergriffen? Haben Sie gehört, man würde eine bedauerliche körperliche Missbildung mit dem Namen des Weihnachtsmannes belegen? So viele Scharten kann der Hase gar nicht auswetzen, wie er sich eingebrockt hat. Wer ein Wesen, das Dummheit, Angst und Schwäche symbolisiert, zum Träger des wichtigsten Festes eine Jahres erhebt, der muss in einer Zeit gewirkt haben, da Marketing nicht sonderlich in Ansehen stand.

Aber heute weiß doch jeder Pfarrer was Marketing ist, sie könnten da doch etwas unternehmen. Nämlich den nun wieder, vielleicht, gesichteten Wolf mit Migrationshintergrund unbekannterweise zum Osterwolf weihen. Schließlich, der mag auch Hasen. So würde die Auferstehung zum geschenkpolitischen Volumenmodell. Und dann lasst uns fröhlich Hasen braten.

Das war ein Beitrag unserer gesellschaftspolitischen Reihe für die gebildeten Stände „Religiöse Feste im atheistischen Umfeld des Ostens.“

Sollten Sie aber nicht an Gesellschaftskritik interessiert sein, dann gehen Sie halt zum Osterspaziergang. Und genießen Sie, sagen wir, des Frühlings holden, belebenden Blick.

Frohe Ostern, für, sozusagen, die Stadt und den ganzen Landkreis.

Henryk Goldberg-Thüringer Allgemeine

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