Frank Beyer - Foto: Günter Linke

Die Kraft des Hoffens

Der am 26. Mai 1932 in Nobitz, Thüringen geborene Frank Beyer hat den berühmtesten unter den verbotenen DEFA-Filmen inszeniert und den einzigen Film der DDR, der je für einen Oscar nominiert war. So etwas ist kein Zufall.

Als Frank Beyer, er hat gerade einen Film abgedreht, der später als DEFA-Klassiker gelten wird, „Karbid und Sauerampfer“, eine große Rolle für den großen Erwin Geschonneck (1964) sich nach einem neuen Stoff umschaut, werden ihm zwei Projekte angeboten. Das eine heißt „Käsebier und Friedericus Rex“, nach Egon Erwin Kisch, eine ziemlich sichere Angelegenheit. Beyer entscheidet sich gegen den vermutbaren Erfolg des Kostümfilmes. Er entscheidet sich für den anderen Film, er schien ihm interessanter. So trifft er, ohne es zu wissen, eine Lebens-Entscheidung. Der Film, den er dreht, heißt „Spur der Steine“. Und er wird noch die Geschichte der DDR repräsentieren, wenn es dieses Land nicht mehr gibt. Die Perspektive dieses Filmes war so wenig zu erwarten wie die des Landes, von dem er erzählen wollte: nicht gegen, für das Land.

Frank Beyer steht dafür, wie sehr der Stoff für einen Regisseur auch Programm ist. Und er steht dafür ein, dass einer nicht glänzen muss, um legitimen Erfolg zu haben. Beyer war nie ein Magier der Leinwand, nie einer, der mit Bildern glänzte. Nur mit Geschichten, und wenn er eine gute Geschichte hatte, dann konnte er sie erzählen bis auf ihren Grund. Dieser Regisseur, in der DDR wohl ein Antipode des expressiven Heiner Carow, verfügt kaum über das, was man eine Handschrift nennt, eine eigene Stilistik, eine erkennbare Eigentümlichkeit. Es sei denn, man rechnet ihm das sensibel-gediegene Handwerk dafür, die Stille und die Haltung. Beyer setzte auf Schauspieler und Geschichten, so verhalf er Manfred Krug und Erwin Geschonneck zu ihren besten Filmen.

„Jakob der Lügner“ (1974) war Frank Beyers erster Kinofilm nach der menschlichen wie politischen Erfahrung, wie in seinem Lande umgegangen wurde mit der Hoffnung, es wurde der einzige, je für einen Oscar nominierte DEFA-Film. Und es ist, als sähe man dem Film an, was sein Regisseur weiss von der Kraft der Hoffnung und von der tödlichen Stille nach ihr. Dann entsteht die „Geschlossene Gesellschaft“.

Diesen Film sendete das DDR-Fernsehen spät in der Nacht, ohne Ankündigung. Untergegangen ist das Land auch, weil es sich solchen Problemen nur bei Nacht und Nebel auszusetzen vermochte.


Foto via Filmmuseum Potsdam

Autor: Henryk Goldberg

geschrieben im Oktober 2006

Frank Beyer starb am 01.10.2006

Spur der Steine (DDR, 1966)

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