Jegliches hat seine Zeit, (auch „Die ‚belebenden‘ Wirkung des Geldes“)


Als man sie 1992, ihrem 30. Jahr an Brechts Haus, nicht mehr wollte am Berliner Ensemble, da war das ein Schmerz für sie. Gewiss war es auch eine Art von Brutalität,  doch war es auch ein Zeichen des Wechsels: Was an diesem Haus geschah, und geschieht, das hat mit der Tradition, in der Gisela May steht, nichts mehr zu tun und es gibt keinen Grund, das zu bedauern. Vielleicht lebt und erlebt eine gute Schauspielerin und eine Diseuse von internationalem Rang, die so etwas wie eine Gallionsfigur der DDR-Kultur war, den Satz des biblischen Kohelet: Jegliches hat seine Zeit.

Als sie Sechzig wurde, hielt sie die Zeit noch nicht für gekommen. Und schrieb einen Brief an die zuständige Behörde, mit der Bitte, ihren Geburtstag nicht zu erwähnen in den Blättern. So geschah es. Und auch da gilt: Jegliches hat seine Zeit.

Autor: Henryk Goldberg