„Picnic“- der wohl schönste Kuss der Kurzfilmgeschichte. Ich liebe diesen Film, ich verehre ihn. Deshalb habe ich gehungert um mir den viel zu teuren Import der Japan-DVD vor gut 10 Jahren leisten zu können. Und ich habe es nie bereut. Ein Auto folgt einer Spur von Rosen. Ziel ist eine Psychiatrie, in die die junge Coco (Chara) von ihren Eltern gebracht wird. Dort trifft sie auf Tsumuji (Tadanobu Asano) und Satoru (Koichi Hashizume), zwei ungleiche Zimmernachbarn. Zu den Qualen der Vergangenheit gesellt sich nun auch ein nicht gerade zimperliches Psychiatrie-Personal. Immer häufiger verlassen die Drei das Klinikgelände um dem Ganzen zu entfliehen. Tsumuji erhält auf einem ihrer ungewöhlichen Ausflüge von einem Priester eine Bibel. Mit Hilfe dieser, im Englischen verfassten Bibel, und minimalen Kentnissen dieser Sprache konstruieren er sich seine Ordnung, seinen Sinn von Gut und Böse. Und er meint das Datum des Endes der Welt zu wissen. Alle drei Charaktere definieren sich zuerst über ihr ver-rücktes Weltbild. Selbst das Leiden fängt Iwai in wunderschönen Bildern ein, denen die freie, naive Erkundung der Aussenwelt gegenüber steht. Die Bilder von „Picnic“ erinnern an Christopher Doyles Kameraführung. Umrahmt werden die 68 Minuten, wie in fast allen Iwaifilmen von seiner Hausband, den Remedios.
Darstellerin und Popstar Chara lernte Tadanobu Asano, eines der bekanntesten Gesichter des japanischen Kinos, am Set kennen. Beide sind seit 1995 miteinander verheiratet und haben zusammen zwei Kinder.

Andre Thaetz

Picnic/Pikunikku (Japan 1996, Regie:Shunji Iwai)


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