I wie Ikarus (Henri Verneuil)

In einem fiktiven Staat wird der gerade wiedergewählte Präsident Opfer eines Attentates. Entgegen dem politisch gefälligen Schluss der Untersuchung des Attentats, dass es die Tat eines Einzelnen sei, erzwingt der Generalstaatsanwalt Henri Volney (brilliant gespielt von Yves Montand) eine weitere Untersuchung des Falls. Schnell wird klar, dass der mutmaßliche Schütze nicht der Täter war und das Volney sich der Tragweite  dieser Verswörung nicht bewusst ist. 
Zwar bedient sich Regisseur Henri Verneuils (Der Clan der Sizilianer) ungeniert am Mordfall Kennedy (schon der Name des angeblichen Schützen Karl Daslow ist ein Annagramm von Oswald), doch seine Motivation lag nicht in einer Aufarbeitung des offensichtlichen Vorbildes, sondern in einer Parabel auf das Marionettenspiel auf politischer Ebene und den Auswüchsen der Tätigkeit des Geheimdienstes. Eine gesichtslose Macht im Hintergrund, die die Fäden aller anderen Gewalten zieht. Der dargestellte Staat scheint eine Schablone für jeden x-beliebigen westlichen Staat (wobei das Ganze stark an die Modellstadt Brasilia erinnert). Das System von Gewaltenteilung und Einbindung des Bürgers scheint aber nur die progressive Fassade eines Geheimdienst-Staates zu sein. 
Yves Montands zurückhaltendes Schauspiel füllt die Rolle des besessenen Staatsanwaltes perfekt. Mit dieser intelligenten und packenden Inszenierung, die sich Action und Emotionen verweigert, hat Verneuil wohl einen fast perfekten Politthriller erschaffen. Wie mittelmäßig erscheint mir Oliver Stone mit den Jahren…

Andre Thaetz

I wie Ikarus / I comme Icare (Frankreich 1979, Regie: Henri Verneuil)


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