Ein Haufen verwegener Hunde (Enzo G. Castellari)

[media id=77 width=640 height=320]

Man könnte sicher vortrefflich über die Qualität von Enzo G. Castellaris spätem Italowestern „Keoma“ streiten, nichts zu streiten gibt es jedoch beim Spaßfaktor von seinem „Haufen verwegener Hunde“ aus dem Jahre 1978. In diesem Exploitationkino vergehen kaum fünf Minuten, ohne das etwas in die Luft fliegt oder jemand in eine Kugel oder in ein Messer rennt. Und im Gegensatz zum Remake (wohl eher eine Anlehnung) funktioniert die erbärmliche Story tadellos um die Action irgendwie plausibel zu machen. Wo Tarantino nicht mal in der Lage war, den Titel „The Inglorious Bastards“ richtig zu schreiben, seine Verneigung vor dem Original nur mit kleinen Gesten, wie, dass Brat Pitt sich Enzo Girolami (Castellaris Geburtsnamename) nennt, ausdrücken konnte und ein Gruppe langweiliger Akteure vor die Kamera zieht, genau da kommen im Original B-Movie Schauspieler wie Bo Svenson und Raimund „Kartoffelquetsche“ Harmstorf vor die Kamera. Dreckig und sinnfrei. Und wo im Remake die „Basterds“ aus sauren Juden bestehen, da sind es in der Vorlage wirkliche Bastarde. Vergewaltiger, Mörder und Diebe fliehen auf dem Weg ins Militärgefängnis, sehen sich schon in der neutralen Schweiz, dem Paradies für Kriegsverbrecher, treffen auf nackte Nazifrauen mit Maschinenpistolen und auf französische Widerstandskämpfer. Am Ende wollen die nicht ganz so moralfreien Fünf einen Zug mit Nazis und der V2-Rakete in die Luft jagen. Klingt wie von einem 13-Jährigen geschrieben, wurde es sicher auch, funktioniert aber im Gegensatz zum Remake, da man hier auf jeglichen Anspruch bewusst verzichtet. Und als dann der komplette Bahnhof in einem Feuerball aufgeht und die ganze Szenerie so sehr wackelt, dass man die Modellbahn erkennt, spätestens dann ist einem bewusst, dass man das Hirn schon anderthalb Stunden vorher hätte ausschalten können. Purer Actionspaß. Tarantino wird sich als nächstes von Corbuccis Django „inspirieren lassen“. Man darf also gespannt sein, ob Franco Nero einmal durchs Bild rennen darf oder ob der Film genauso schlecht wird wie alles was nach 1997 kam. Die DVD von Koch Media zeigt im Gegensatz zur VHS-Kasette den ungeschnittenen Film.

André Thaetz

Ein Haufen verwegener Hunde / Quel maledetto treno blindato / The Inglorious Bastards
(Italien 1978, Regie: Enzo G. Castellari)

bei amazon kaufen


Share

Letzte Artikel von Andre Thaetz (Alle anzeigen)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere