Abschied vom Retrorealismus (6. Bundeskongress BkF)


Ein Ausflug zum retrorealistischen Canyon und Vorschlag an die Kommunalen Kinos

6. Bundeskongress des Bundesverbandes für kommunale Filmarbeit

Grenzüberschreitungen – Neue europäische Netzwerke, digitale Vertriebswege und intermediale Communities (19. – 21. November 2010, Hamburg)

Ein Grußwort

von Robert Bramkamp

Sehr geehrter Staatsrat Dr. Hill, liebe Frau Bienenfeld, liebe Kinobetreiber und Kinobetreiberinnen, Filmfreunde, sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte mich vorab bedanken für zwei Hinweise, die Herr Staatsrat Dr. Hill in seinem Grußwort gegeben hat und die ins Zentrum dessen führen, worüber ich in meiner „Carte Blanche“ sprechen möchte.

Da ist zum einen das Problem des Generationswechsels, der für einen Blick auf die möglichen Zukünfte des Kinos ganz entscheidend ist, und zum anderen die Frage, wie man mit dem archivierbaren Erbe umgeht und wie man es digitalisieren kann. Zu diesen Fragestellungen hat es im Jahr 2010 eine erneute Kooperation der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HfbK) und dem Metropoliskino/Kinemathek Hamburg gegeben, bei der wir die fast neuwertig in Hamburg liegende 35mm-Kopie von DER TOD DES EMPEDOKLES auf der Riesenleinwand gesehen und dann mit dem in Hamburg technisch bestmöglich digitalisierten Counterpart verglichen haben.

Ein herzlicher Dank an Martin Aust für seine Gastfreundschaft und für die lange und konstante Kooperation zwischen der HfbK und dem Metropolis. Und gerade habe ich auch von neuen Entwicklungen erfahren, die damit zu tun haben, wo das Metropolis in Zukunft lokalisiert sein wird. Ich möchte jedenfalls noch einmal betonen, was für ein Glücksfall für die kommunale Filmarbeit es ist, dass das Metropolis an diesen Ort ins Savoy Kino und in dieses virulente Viertel gekommen ist: Ich sehe darin einen Glücksfall, den man nicht planen kann, der einfach so passiert. Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, das zu verlängern – ich kann das im Namen der gesamten HfbK Filmabteilung sagen – dann stehen wir gerne bereit, das Savoy zu unterstützen oder in der nötigen Weise argumentativ zu begleiten.

Ich bedanke mich auch bei Conny Klauß, der neuen Pressesprecherin des BkF für die Einladung. Wir kennen uns ja schon aus der Arbeit im Vorstand vom früheren Berliner Filmkunstkino Babylon, und auch von praktischer Filmarbeit, von den Dreharbeiten zu DER BOOTGOTT VOM SEESPORTCLUB. Bei dieser Produktion haben wir gelernt, heiter mit extremen Mangelsituationen umzugehen. Und das ist sicherlich etwas, womit man sich auch auseinandersetzen muss, wenn man über die Zukunft des Kinos redet. Ich komme noch darauf zurück, warum ich meine, dass derzeit das Umfeld in Deutschland für filmische Innovation diese Mangelsituation als Grundform hat.

Deutlicher formuliert heißt das: Wirkliche Innovationen fürs Kino werden teilweise unter Hartz-IV-Bedingungen für die Teams durchgeführt und, wenn man über den Erhalt und das Weitergeben von filmischer Kultur und vor allen Dingen auch Innovation in diesem Bereich nachdenkt, gehören diese Umstände für mich ganz entschieden zum Thema.

Zukunft des Kinos

Das Thema Zukunft des Kinos ist natürlich sehr groß und scheint sich jedes Jahr in dieser Allgemeinheit neu zu stellen. Es ist ein bisschen so wie mit dem Experimentalfilm, zu dem Ulrich Gregor letztens vorgeschlagen hat, man müsse eigentlich bei jedem Text das Wort Experimentalfilm gleich am Anfang durchstreichen, um dann wieder eine Argumentation zu erfinden, die es ermöglicht, das Wort voll ausgeschrieben ans Ende zu setzen. Der Experimentalfilm ist eine Filmform, die immer wieder und ständig neu definiert werden muss. Und das ist im Augenblick scheinbar auch die Situation im Kinobereich. Es gibt im Kontext der Kommunalen Kinos bereits weitreichende Überlegungen von Stefan Drössler, die auch in den Publikationen des BkF veröffentlicht sind und denen ich nicht viel hinzufügen kann. Es gab in den letzten zwei Jahren zwei große Symposien in Berlin in der Akademie der Künste zum Thema „Zukunft des Kinos im Kontext der Digitalisierung und im Kontext von neuen Formen der Medienbenutzung“. Auf diesen Symposien haben Leute wie Stefan Heidenreich, Georg Seeßlen, Markus Metz, Bert Rebhandl, Eckhard Knörer und viele andere zunächst polemisch das – Zitat Georg Seeßlen – „bürgerliche Kunst- und Kuschelkino“ zu Grabe getragen, um dann ein Feld von vielfach zunächst testweise vorhandenen Möglichkeiten zu skizzieren.

Bilanzierend wurde festgestellt, man müsse für die nächsten 16 Jahre davon ausgehen, dass die gesamten Koordinaten der Arbeit mit dem Bewegtbild, sowohl der künstlerischen Arbeit, als auch der industriellen, im Umbruch sind. Das heißt, es wird nach einem neuen Geschäftsmodell gesucht, doch ein solches ist noch nicht in Sicht. Angesichts des Erodierens von Urheberrechten ist ein Modell aber unbedingt nötig. Im Augenblick ist es nur eine Hoffnung, dieses neue Geschäftsmodell könne in der Lage sein, eine virulente Filmkultur und eine künstlerisch breitgefächerte und auch demokratisch zufriedenstellende Filmkultur und -arbeit mit dem Bewegtbild zu tragen. Ich glaube, dass nach Tauschbörsen wie Napster im Musikbereich, die abgelöst wurden von der Rückkehr des Live-Events, in ähnlicher Weise auch das Kino mit seinem besonderen Beharrungsvermögen ein unverzichtbarer und auch unersetzbarer Bestandteil einer zukünftigen Arbeit mit dem Bewegtbild sein wird, und zwar ganz unabhängig davon, wie breit, wie crossmedial, wie vielfältig, wie auch in den Benutzungsformen unterschiedlich sich das Leben mit dem Bewegtbild erweitert – denn diese große Leinwand und die Anwesenheit der Zuschauer, sie sind der Ernstfall.

Drei Perspektiven

Ich habe mich also gefragt, was ich aus meiner fachspezifischen Kenntnis oder aufgrund aktueller Erfahrungen grundsätzlich zum Thema „Zukunft des Kinos“ beisteuern könnte und bin auf drei Perspektiven gekommen. Diese münden in einen ganz praktischen Vorschlag an die Kommunalen Kinos, wie sie ihre ungenutzte Macht ausüben können, der näheren Zukunft des Kinos in Deutschland einen überraschenden Drall zu geben.

Die erste dieser Perspektiven ist die Ausbildung, was für mich als Professor die Frage impliziert, für welche Zukunft des Kinos unsere Studenten ausgebildet werden und wie sie eine Chance bekommen können, diese Zukunft aktiv mit zu entwickeln. Hier geht es um die Verteilung von Ressourcen und Spielräumen zwischen Generationen – und diese Verteilung liegt eindeutig im Argen.

Die zweite Perspektive ist meine Erfahrung als „Filmproduzent eigener Autorenfilme“. Früher sagte man „Filmemacher“, heute muss man es eher so ausdrücken, weil diese Autorenfilme weniger die Soloshow eines einzelnen Autors, sondern eher Bandprojekte sind. Diese Erfahrung ist wesentlich durch die Fernsehabhängigkeit der sogenannten Kinoproduktion in Deutschland bestimmt, nicht nur, was die Finanzierungswege betrifft.

Die dritte Perspektive ist bedingt durch die nötige Auseinandersetzung mit dem Retrorealismus als einer fast totalitär eingeübten Grundform des fiktionalen Fernsehkinofilms in Deutschland. Die Auseinandersetzung mit dem Retrorealismus ist meiner Ansicht nach entscheidend für die nächste Zukunft des Kinos, zumindest, wenn wir vom deutschsprachigen Raum sprechen. Als Filmemacher habe ich mit erfahrenen Kinoleuten wie Laurens Straub die Erfahrung geteilt, wie der Retrorealismus innovatives, wirkliches Kino fast unmöglich gemacht hat und die Finanzierungsversuche folglich Lebensjahre fressen. Der Retrorealismus ist nicht einfach nur eine unterkomplexe ästhetische Panne, sondern er ist eine geplante Stagnation, die von sich selbst weiß, dass sie nicht reformierbar ist, obwohl sie der nötigen Innovation den allergrößten Teil der Ressourcen entzieht – Stichwort Mangelsituation. Ich komme darauf zurück, denn einen Ausweg muss es geben.

Ein Ausweg aus dem Retrorealismus

Wie kann man also den Retrorealismus ganz knapp charakterisieren? Es handelt sich um eine fiktionale Konsensproduktion nach politisch korrekten, aus dem Meinungsjournalismus stammenden Kriterien. Das ist die Basis. Diese Kriterien werden übersetzt in Personenhandeln; dieses Personenhandeln wird mit unterkomplexem Illusionismus illustriert – und fertig ist die retrorealistische Wirklichkeit als eine absichtsvoll unterkomplexe, die Zuschauer gewissermaßen ständig abdämmernde Weltmodellierung. Dennoch suggeriert diese Weltmodellierung eine gewisse Teilhabe an der Gesellschaft oder leistet sie unter Umständen sinnvollerweise für Leute, die unter anderen Umständen ganz herausfallen würden. Sie kennen alle die Bilder, die Plots, die Wendepunkte, die Sorte von Bedeutung, die Musik, die den Retrorealismus ausmachen, vor allen Dingen die Dramaturgie, nach der man die Uhr stellen kann.

Wenn 30 Prozent der öffentlich-rechtlichen Produktion retrorealistisch wären und helfen würden, ein bestimmtes Segment der 55+-Generation und damit das hauptsächliche Publikum des ZDF anzusprechen, dann wäre das völlig in Ordnung. Das große Problem ist aber die geradezu totalitäre Durchsetzung des Retrorealismus in der Filmbranche als angeblich alternativlose und einzig gültige Form des Erzählens mit dem Bewegtbild, als ‚richtiges Erzählen’, brav gemacht. Und man könnte sagen, derzeit, 2010, ist alles, was nicht retrorealistisch ist, Experimentalfilm. Experimentalfilm dann verstanden als: ist ungefährlich, ist kein ‚richtiger Film’, findet statt jenseits der brancheninternen Geldflüsse. Umgekehrt möchte ich behaupten, hängt die Kinozukunft tatsächlich sehr stark davon ab, wie weit es dem Kino gelingt, eine nötige Forschungsabteilung wieder auszubilden, also das Experimentelle wieder zu integrieren. Dieses Experimentelle hat sich meiner Meinung nach immer auch im klassischen Kino zu bewähren und zwar unabhängig davon, wie das Bewegtbild sich künstlerisch, produktionslogisch oder in seiner Distribution weiterentwickelt.

Es wird Zeit für eine These

Es wird Zeit für eine These, und zu einer ersten möchte ich sagen: Wenn es wieder um die Zukunft des Kinos gehen soll, dann möchte ich meinen bereits genannten Perspektiven einige Vorschläge zum Abschied vom Retrorealismus folgen lassen.

Meine zweite These ist: Man sollte Erzählmodelle, in denen Nischen vorkommen, durch andere ersetzen, wenn es um Zukünfte des Bewegtbildes geht. Gerade im Kino.

Die dritte These: Die Kommunalen Kinos können für die Produktion von Kinozukunft entscheidende Impulse geben, und dazu möchte ich später einen konkreten, umsetzbaren Vorschlag an die Kommunalen Kinos formulieren.

Erzählmodelle

Zurück zur Frage der Erzählmodelle, mit denen die Kinosituation beschrieben wird. Rembert Hüser hat aus aktuellem Anlass kürzlich darauf hingewiesen, dass unser Umgang mit der Finanzkrise maßgeblich davon abhängt, in welchen Erzählmodellen wir diese Vorgänge denken. Ich persönlich kann mir für das Kino keine intensive Zukunft vorstellen, wenn ich dabei eine Nische verteidige. Die Nische gehört in ein Erzählmodell, das offenbar einen Großraum enthält und dann ein paar Nischen, und dies hat für mich nichts mit der Fähigkeit des Kinos zu tun die Realität in Möglichkeiten aufzufalten. Das Verteidigen von Nischen impliziert, dass man selbst immer kleiner wird, oder dass man die anderen kleiner machen muss. Auch sind alle Antworten auf finanzielle Forderungen, die aus der Nische heraus vorgetragen werden, schon bekannt, sind also keine Zukunft. Vor allem ist die Nische statisch, als Raum nicht beweglich, und auch ihre Schwelle zu einer größeren Welt der Möglichkeiten ist so schmal wie eine Nische eben ist.

Ausweg aus dem retrorealistischen Canyon

Also: Wenn wir über die Zukunft des Kinos reden, müssen wir das Erzählmodell ändern, indem wir diese Zukunft erdenken, wahrnehmen und kommunizieren. Nehmen wir also an, die Kinolandschaft ist nicht durch Nischen gekennzeichnet, sondern durch einen Canyon, durch einen tiefen Einschnitt, der aus der Landschaft der Möglichkeiten fast alle Ressourcen ableitet. Nehmen wir das Motto „Grenzüberschreitung“ ernst und treten also über die Schwelle der Nische in das abenteuerliche, aber spärlich besiedelte Land der Möglichkeiten. Treten wir ohne Angst vor dem Abgrund bis zur Kante heran an den retrorealistischen Canyon. Zu viele Retrorealisten sind im Gänsemarsch zu lange auf derselben Spur unterwegs gewesen, die sich so tief eingegraben hat, dass sie von da unten aus nun den Rest der Welt nicht mehr sehen können. Von ihrer Seriosität zutiefst überzeugt, wälzt sich diese retrorealistische Medienbranche immer in eine Richtung, in „europäischer Einbahnstraßenzeit“ würde Thomas Pynchon sagen. An diesem Canyon geht es schon viele Meter in die Tiefe, die Wände sind sehr steil und es führt kein Weg mehr seitlich heraus.

Wie ist er entstanden, dieser retrorealistische Canyon? – Zunächst als dramaturgischer Gänsemarsch, unausweichlich, wie auf einer mit chemischen Duftstoffen ausgelegten Ameisenspur, von Wendepunkt zu Wendepunkt, in drei Akten von einem Horizont zum anderen, immer linear, hintereinander, bis es zu viele Leute wurden, die aus den inflationär durchgeführten Dramaturgiekursen ausgespuckt wurden. Immer breiter ausgetreten wurde der Trampelpfad, immer aggressiver jede Alternative bekämpft, was eine unschöne Tradition auch beim NDR hat, bis kürzlich mal der Schlauch geplatzt ist.

Aber von anschließender Renaturierung hört man bisher nichts. Eine Renaturierung ist auch nicht einfach, denn wir stehen vor dem Grand Canyon des Retrorealismus, der hier seine größte Tiefe erreicht. Mit einem Druck von bis zu 1600 Meter Wassersäule im Schlauch wurde das Feld der Möglichkeiten trockengelegt. Entweder der ständig mit demselben Gewebe erneuerte Schlauch war irgendwann doch ausgeleiert, oder auf noch unbekannte Weise ist das schlimmste aller amerikanischen Laster, um erneut Thomas Pynchon zu zitieren, ungesund geworden, „das Laster der modularen Wiederholung.“

Wer im retrorealistischen Canyon unterwegs ist, kennt keine Alternativen. Es gibt keinerlei Seitenarme. 3sat war mal ein solcher Seitenarm, aber seit 2009 gibt es dort Produktionsstopp. Wenn es demnächst vorsichtig weitergeht, wird auch von 3sat eine „realistischere Erzählweise“ erwartet, wie Insider im Zweifelsfall verifizieren könnten.

Es gibt im Canyon nur die eine Perspektive; sich irgendwie an den anderen Gleichen vorbei durchzuquetschen. Deshalb steigt der Unmut im Canyon, es geht schon übereinander und untereinander zu, all die Stars, Creative Producers und Script-Doktoren treten sich unfreiwillig ins Gesicht. Sie schreien sich zu, wo sie die Reise des Helden kennengelernt haben und bei welchem Drehbuch-Guru sie Rabatt bekommen. Und alle hoffen, dass irgendwo hinter der dritten Biegung der sagenhafte Cashflow wartet, der aber vermutlich ausgetrocknet ist, wenn man ankommt. Die Bitterkeit und die Aggressivität in diesem Canyon sind ziemlich hoch. Denn die Leute müssen sich mit Drehbuchlektoraten für die Förderung durchschlagen, Ablehnungen für andere Retrorealisten schreiben, und der Haufen des Ungesendeten ist groß; man spricht von vier Jahren, weil immer weniger Zuschauer die retrorealistischen Fiktionen sehen wollen.

Im Erzählbereich dieser testweise ausgeschmückten Metapher nähere ich mich  einer Hoffnung, die Alexander Kluge einmal anhand des Barockdichters Georg Lichtenberg in einer seiner Fernsehsendungen regelrecht gefeiert hat: ‚die Metapher weiß mehr als der, der sie benutzt’. Und die Metapher ist, wenn man in der jetzigen Situation einen Blick in die Zukunft werfen soll, die einzige zuverlässige Verbündete. Insofern kann ich mich nur vorab entschuldigen und gebe die Fragen von Conny Klauß an mich an die Metapher weiter.

Mögliche Entwicklungen der Kinolandschaft

Eine erste Frage lautete: „Meine Hoffnung geht dahin, dass Du einen Blick in die Zukunft wirfst, wohin sich die Kinolandschaft entwickeln wird.“ Die klare Antwort lautet: Das entscheidet sich direkt an diesem Canyon. Wenn er weiter alle Ressourcen ableitet, wird die Mangelsituation zum Austrocknen der umgebenden Kinolandschaft führen. Aber im Canyon steigt, wie gesagt, der Druck der Ausweglosigkeit, die Kinolandschaft wird sich also verändern, sobald der Canyon einstürzt. Die zentrale und ganz reale Frage ist aber, ob das in 5 oder in 20 Jahren geschieht. Zweitens, „Wie könnte ein Blick in die Zukunft auf das Schaffen der Filmemacher aussehen“? Das wird sich auf die ganze, dünn besiedelte Landschaft von eigentlich vorhandenen Möglichkeiten beziehen. Es ist die besondere Qualität der Filmemacher, dass sie da aktiv sind, und sie fordern zu Recht, den Canyon zuzuschütten, damit ein Stausee entsteht mit interessanten Ufern, mit Nebenarmen und Bewässerung im Hinterland, ein bisschen wie in meinem Film um den Seesportklub, vielleicht entsteht auch eine Landbrücke.

Was zur nächsten Frage führt: „Wie wird der unabhängige Film grundsätzlich, also in der Zukunft dastehen? Wo bahnen sich neue Wege an?“ Ganz klar: Die digitalen Vertriebswege können vielleicht im Sinne von Tröpfchenbewässerung etwas Wasser aus dem Canyon herauspumpen, sie können global wirken, das heißt auch bis hinter den Horizont dieses zunächst deutschsprachig perspektivierten Szenarios. Aber ich glaube, die ersten neuen Wege werden beschritten, wenn die betrogenen Assistent Junior Script Consultants irgendwie aus diesem Canyon emporsteigen und man ihnen idealerweise die Hand reicht.

„Wo bahnen sich neue Nischen an?“

Da wäre die Antwort der Metapher ganz klar: Gar keine neuen Nischen! Vielleicht sitzen einige von den geschätzten Kollegen der Berliner Schule, ähnlich wie Geronimo, der Apache in der White River Apache Reservation, auf halber Höhe in Höhlen an der Steilwand des Canyon und haben von dort einen typisch distanzierten Blick, aber sie müssen sich wegen der kippenden Wände entscheiden, ob sie dramaturgische Nähe zum linear erzählenden Retrorealismus beibehalten wollen – wobei ich optimistisch bin, dass alle diese Nischen auch einen versteckten Hinterausgang haben, auf das höher liegende Land. „Fantasievoll gewagt oder kühn darf es auch sein.“ Ich habe mich schon dafür entschuldigt, aber die Metapher ihrerseits halte ich für brauchbar, und die darf sich durchaus geduldig, nach eigener Logik im Kulturtext weiter entwickeln.

Knut Ebeling hat schon warnend darauf hingewiesen, dass man am Rand dieses Canyons in nietzscheanische Stimmungslagen geraten kann, was sicherlich gefährlich ist. Man kann aber auch sagen, wir fangen mal an und lassen da ein Seil runter und gewinnen so die besten Mitarbeiter.

Die Abhängigkeit des Kinos vom Fernsehen

In der täglichen Praxis ist dieser etwas blumig beschriebene Retrorealismus schlicht und ergreifend eine Machttechnik und wird als die eine vernünftige Art gehandelt, eine ‚richtige Geschichte’ zu erzählen, allemal im Fernsehen. Die Folgen davon führen mich zu der zweiten Perspektive, die ich bereits angedeutet habe und aus eigener Erfahrung beisteuern kann: die Abhängigkeit des Kinos vom Fernsehen. So gut wie jede deutsche Kinoproduktion wird zu Beginn in einer Fernsehredaktion entschieden – das sollte man sich noch einmal in voller Härte vor Augen führen. Mit dem Fernseh-Koproduktionsanteil hat man dann den Startschuss der Finanzierung, und den ebenfalls vom Fernsehen kommenden Lizenzanteil kann man als Eigenanteil einsetzen. Das ist das einzige Produktionskapital oder Eigenkapital von Produzenten, das in der deutschen Filmkinobranche überhaupt unterwegs ist. Mit diesem Eigenkapital, das man vom Fernsehen bekommen hat, kann man dann losgehen und in verschiedenen Gremien weitere Gelder sammeln.

In diesen Gremien trifft man vielfach auch Vertreter der Fernsehsender, weil diese Geld mit in die Filmförderung einbringen und deswegen natürlicherweise über die Vergabe dieser Mittel mit bestimmen wollen. Die Fernsehsender setzen dort natürlich auch ihre ureigenen Senderinteressen durch. Es gibt de facto nur ganz seltene Ausnahmen, nämlich ein, zwei Firmen, die mit Referenzmitteln arbeiten. Ansonsten gilt: Keine bundesdeutsche Kinoproduktion ohne vorgängige Entscheidung in Redaktionen, teilweise auch durch einzelne Redakteure, die die entsprechende Macht haben. Die Folge davon ist, verkürzt gesagt: retrorealistische Fernsehproduktionen, etwas gepimpt und teurer gemacht, verstopfen die Kinos. Fernsehproduktionen werden, wenn auch nur für ein oder zwei Wochen, ins Kino gedrückt. Das Kino dient so als Repräsentationsnische für die Fernsehmacher.

Im Grunde sind diese Probleme in der Branche bekannt. Sie werden auch manchmal diskutiert, aber die Branche müsste in einen qualifizierten Diskurs einsteigen, um Lösungen zu formulieren und hat offenbar Gründe, und zwar nicht nur den vorgeschobenen Quotendruck, das nicht zu tun. Der Retrorealismus hat im Ergebnis mit der realen Komplexität unserer Gegenwart und ihren Möglichkeiten, oder auch ihren Überforderungen überhaupt nichts zu tun, er ist einfach nicht hilfreich. So hat man es plötzlich mit einem Erfahrungsbericht – aus der Erinnerung meine ich – von Filmkritiker Rainer Gansera vom Saarbrücker Filmfestival Max Ophüls Preis 2007 zu tun, in dem er schockiert über die einheitlich schlichte, retrorealistische Ausrichtung eines ganzen Filmjahrgangs geschrieben hat. Gemeint waren alle Absolventen von sämtlichen deutschen Filmhochschulen, die dort Filme zeigten.

Der filmische Nachwuchs

Für die Ausbildung müsste es natürlich ein Ziel sein, Optionen für ein aktuelles Publikum zu erfinden. Damit sind wir an der Generationen-Schwelle, die Herr Staatsrat Dr. Hill bereits angesprochen hat. Es geht um Kombinationen zwischen A) Fernsehen, B) Online-Diensten oder interaktiven Szenarien und C) Kino, die einem jüngeren Zeitmanagement und einem jüngeren Medienverständnis entsprechen. Das durchaus brauchbare Zauberwort in diesem Jahr ist ‚crossmedial’ und ich bin sicher, wir werden von anderen Referenten dazu sehr aktuelle und vielversprechende Dinge hören. ‚Crossmedial’ in dem Sinn, dass Verbindungen aus einer inhaltlichen Reihe, aus Filmen, die gestreamt werden, aus einem Diskurs, der im Internet stattfindet und dann plötzlich mit Veranstaltungen korrespondiert, die passend getaktet in einem Kino stattfinden, dass diese medienübergreifenden Kombinationen eine wunderbare und, wie ich glaube, sehr zukunftsfähige Form der Zusammenarbeit sind.

Zukunftszenarien

Aber dennoch bin ich überzeugt: Bevor man über all diese Zukunftsszenarien spricht, sollte man weiterhin die gegebene Situation im Blick behalten, also den großen Einfluss des öffentlich-rechtlichen Fernsehens – das eine wichtige historische Funktion in der Bundesrepublik hatte – auf die Zukunft des Kinos. Ich will gar nicht alle Fernsehleute ‚dissen’. Im Gegenteil: Es gibt viele sehr klar und weit denkende Leute bei den verschiedenen Sendern. Sie sind teilweise in einer schwierigen, extrem anstrengenden, manchmal schizophrenen Lage. Deshalb haben wir die Aufgabe, einen externen Diskurs zu produzieren, der Spielbälle oder Metaphern oder irgendetwas Neues ins Spiel bringt, das diesen Leuten überhaupt eine Handlungsmöglichkeit verschafft. Es gibt ebenso viele Einzelpersonen in der Filmförderung, und auch einige wenige Gremien, wie beispielsweise das Gremium 2 der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, die fernsehfern entscheiden können und ihre Unabhängigkeit nutzen.

Das kleine Fernsehspiel

Als ewigen Hoffnungsträger gibt es das Kleine Fernsehspiel, das in sich selbst ein bisschen gespalten ist, und das sich immerhin hin und wieder neu aufstellt und neu orientiert. Das ZDF leistet sich damit als einziger Sender eine konstante Nachwuchsförderung für eine Zukunft des Kinos. Trotzdem steht auch das Kleine Fernsehspiel bildlich gesprochen in der Brandung im retrorealistischen Canyon. Denn nach dem ersten ist der zweite lange Film für einen Filmemacher oder eine Filmemacherin zusehends problematisch, und der dritte sollte schon zur ‚Vernunft’ führen, soll schon eine ‚richtige Geschichte’ erzählen, soll bereits die Eintrittskarte sein in dieses retrorealistische Fernseherzählen. Ungeachtet der Tatsache, dass die Situation in diesem Bereich schon völlig überfüllt ist. Es gibt bereits jetzt ein extremes Überangebot an ausgebildeten RegisseurInnen.

Man sieht daran, wie stark, wie zwangsläufig, wie automatisch innerhalb des ZDF, selbst beim Kleinen Fernsehspiel, die Normierung Wirkung zeigt. Ebenso automatisch werden die wenigen, die früher sogenannte Nischen verteidigten, belächelt.

Aber wenn wir dazu die Metapher befragen, teilt sie mit, dass es sich bei diesen ‚Nischen’ im Canyon real um Türen in der Wand handelt, getarnte Aufzüge nach oben, unscheinbare Portale zu Feuerleitern. Steine, die vor Bohrtunnel gelegt wurden, die in den Canyon führen wie zu den chilenischen Kumpeln, Geheimtüren im Fels. Die außen vor diesen ehemaligen Nischen vermutlich am härtesten arbeitenden Leute, die überlebenswichtige Notausgänge verteidigen, werden erkennbar als „Gatekeeper“, Hüter der Schwelle und insofern achtungsgebietende Figuren, die auch den Retrorealisten aus ihren Handbüchern zur „Heldenreise“ gut bekannt sind. Das berechtigt für die Zukunft zu einem gewissen Optimismus.

Ist das Fernsehen reformierbar?

Wenn man sich ernstlich überlegt, was könnte denn an wirklich zukunftsorientiertem Kino mit einer gewissen Größe möglich sein, mit einem gewissen Produktionsvolumen, also etwas, das nur im Kino stattfinden kann, nicht im Fernsehen, das deswegen auch ein jüngeres Publikum unbedingt mit Alleinstellungsmerkmalen erreichen kann? Welche Chancen hat denn so etwas in der näheren Zukunft? Dazu hat Reinhold Elschot, der neue Fernsehspielchef und stellvertretende Programmdirektor des ZDF, auf einer Diskussionsveranstaltung im Jahr 2008 gesagt: „Wenn das ZDF noch fünf Jahre so weitermacht, dann können wir den Laden zumachen.“ Es lässt sich in der Zwischenzeit aber keine Kursänderung erkennen. Gut informierte Kreise sagen, zumindest unter der Hand: Das ZDF in dieser Form ist nicht mehr reformierbar. Deswegen werden neue Sender aufgemacht für Leute unter 40, die das Internet kennen. So ungefähr lautet eine interne Sprachregelung und – wir sind wieder beim Thema – der neue Sender heißt ZDF Neo. Diese Sender suchen die Kooperation mit einer anderen Altersgruppe sehr wohl, und ebenso die Kombination von „online-Erzählen“ mit einer größeren Erzählwelt, mit Dingen, die später im Kino folgen, oder das Kinoabspiel vorbereiten und begleiten.

Das große Problem ist nur: Von den Ressourcen, die eine Innovation benötigen würde, kommt dort rein gar nichts an. Brancheninsider sagen, dass sich allerfrühestens in 5 Jahren etwas verändern könnte. Wir haben es also mit einem großen Block zu tun, der sich auch deshalb nicht ändern kann, weil er an erdrückende Pensionsforderungen und an diese eine gewisse 55+-retrorealistische Erzählkultur gebunden ist. Denn inzwischen fließen ungefähr 30 Prozent der Gebühren in Pensionen. Da will sich nichts mehr ändern. Dieser Block bewegt sich sehr langsam in sein eigenes Ausklingen. Wer es durch den Canyon und die letzte Biegung bis ans Meer geschafft hat, sieht dort immerzu den großen Pensionsdampfer gerade ablegen. Auf seiner unendlichen letzten Reise schluckt das Super-Traumschiff alle Ressourcen, die das Kino dringend brauchen würde; vorausgesetzt wir wollen, dass es etwas Innovatives, Interessantes auf seinen Leinwänden zu sehen gib, damit sich das Bewegtbild anders, demokratisch, künstlerisch und hinsichtlich der ästhetischen Funktion entwickeln kann.

Ich glaube, es ist wirklich ein demokratisches Problem, das sich durch diesen Ressourcenentzug stellt. In der Branche gibt es verschiedene Anstrengungen, dieses Problem immer wieder zu thematisieren. Doch diese eine richtige Art, eine Geschichte zu erzählen, ist erfunden worden, um endlich eine ungeliebte Vorgeschichte, die ‚Probleme’ mit zu viel Autorenstimmen loszuwerden. Und für eine Weile ist dabei eine gut funktionierende Industrie entstanden, die manche Leute sehr befriedigt. Aber aus sich selbst heraus kann sich da nicht viel ändern. Deswegen muss man sich wahrscheinlich darauf einstellen, dass in den nächsten Jahren genuin für das Kino interessante, innovative Produktionen tatsächlich nur unter extremen Mangelbedingungen entstehen. Das ist per se gar nicht so schlimm. Es wäre natürlich viel besser, wenn man mehr machen könnte als nur Skizzen oder Entwürfe oder Versprechen, wenn also in Innovatives einfach auch ein paar Ressourcen fließen würden, weil begriffen wird, wie wichtig das ist, auch gesellschaftlich. Es gibt sicherlich Hoffnung durch das Internet und durch die Vertriebswege des Web 2.0. Ich habe gar nicht vor, ein ‚revisionistisches’ Bild zu zeichnen, sondern ich hebe aus einem ganz bestimmten Grund auf diese retrorealistische Kontrolle von 95 Prozent aller Mittel ab, einfach, weil ich finde, dass man das öffentlich-rechtliche System nicht derart aus der Verantwortung entlassen kann. Das ist ein großer Apparat mit einer gesellschaftlichen Funktion, der kann sich nicht einfach abschotten, mit allen Ressourcen von der Bühne schleichen, und das auf sehr lange Zeit hinaus.

Vorschlag an die Kommunalen Kinos

Weil aber, wie Godard sagte, eigentlich nur Filme Filmproduktionen kritisieren können, komme ich nun zu meinem konkreten Vorschlag an die Kommunalen Kinos. Die Kommunalen Kinos könnten ihre Macht im Bund entdecken, und sie könnten beginnen, die Produktion mit zu bestimmen. Sie spielen dann nicht mehr wohl oder übel das Angebot nach, sondern sorgen selbst für Abwechslung, und zwar, indem sie ihre Macht als Abspielplattform wohldosiert bündeln und im bestehenden bundesdeutschen Filmfinanzierungssystem artikulieren.

Die Kommunalen Kinos sind aufgrund ihres Beharrungsvermögens so etwas wie eine kontinuierliche Chance für ein zeitgenössisches, virulentes Kino in Deutschland, das nicht einfach nur ein verlängerter roter Teppich für die Fernsehproduktionen ist. Sie könnten als Verbund auftreten und sagen: Wir möchten 10 Kinofilme pro Jahr initiieren, die eine entschiedene Form von Zukunftskino wagen und ebenso entschieden den Abschied vom Retrorealismus vollziehen. Und diese Filme werden mindestens vier Wochen im Kino gehalten und erreichen eine garantierte Anzahl von Städten. Diese Filme stellen sich dem Anspruch, innovativ im Kino etwas anzubieten, das nur dort möglich ist. Und sie bilden auf diese Weise ein Label. Und dieses Label unterscheidet sich so deutlich vom Retrorealismus, dass wir uns den Abschied vielleicht sogar mit verblüffender Geschwindigkeit vorstellen können.

Vermutlich müsste das noch nicht einmal viel kosten. Das Pfund, das die Kommunalen Kinos als Verbund in die Waagschale werfen könnten, wäre ihre Kinoabspielfläche. Ebenso gut wie das Fernsehen im jetzigen Filmfinanzierungssystem immer am Anfang steht, könnten auch sie Zugang zu einer Öffentlichkeit in erkennbarer Breite garantieren. Also mit einer koordinierten Freiheit – ein bisschen wie die freien Reichsstädte, die an den Länder-Sender-Fürsten vorbei direkt mit dem Kaiser sprechen, also mit dem Bund. Mit der koordinierten Freiheit der Städte käme man vorbei an den Herzögen, die sich selbst höhere Saläre gewähren als dem Bundespräsidenten, direkt in eine Situation, die durch Bernd Neumann, den Kulturstaatsminister im Bund, geschaffen wurde: im Deutschen Filmförderfonds gibt es nämlich eine automatische Förderung.

Mein praktischer Vorschlag setzt bei diesen Vergaberegeln des Deutschen Filmförderfonds der Bundesregierung an. Sobald im Augenblick ein Spielfilm mit mindestens 15 garantierten Filmkopien ins Kino kommt und ein Mindestbudget von 1 Million Euro aufweist, steuert der Filmförderfonds automatisch 20 Prozent, also 200.000 Euro bei. Das ist die Summe, die nach der letzten Kürzungswelle das Kleine Fernsehspiel  ebenfalls standardmäßig vergibt. Der Budgetanteil ist absolut kompatibel, er kommt nur aus einer ganz anderen Ecke. Intelligent produziert durch Kooperation von Produzent und Verleiher und den Kommunalen Kinos, die diese 10 Filme wollen, nämliche 10 Filme pro Jahr, die nach eigener Logik entstanden sind, könnten diese 200.000 Euro an die Stelle des erwähnten Fernsehbudgets treten. Es gibt erleichternde Sonderregeln für Erstlingswerke bei diesem Fonds, und als Verbund könnten die Kommunalen Kinos sicher auch Änderungsvorschläge machen.

Die Frage ist natürlich, passt so ein Vorschlag zur Praxis der Kommunalen Kinos? Da kann ich mir viele Einwände vorstellen und die werden in jeder Stadt anders sein. Die Kommunalen Kinos haben unendlich viel anderes zu tun und höchst individuelle Strategien der lokalen Absicherung und Zuschauerbindung – das ist klar und das ist auch ihre Basis. Aber darüber hinaus, mit vielleicht 20 Prozent ihrer Abspielzeiten, könnten die Kommunalen Kinos als Verbund auftreten und einem zukünftigen Kino, das ständig neu als mögliche Zukunft erfunden und getestet werden muss, jeden Monat einem Film, den man in einem gemeinsamen Diskurs erlebt, eine langfristige Plattform und einen konstant offenen Möglichkeitsraum bieten.

Da aus den erwähnten Gründen zum jetzigen System kaum Alternativen formuliert werden oder werden können, ist es übrigens durchaus möglich, politische Unterstützer und Verbündete in der Filmbranche für so einen Vorschlag zu finden, die für das Label der Kommunalen Kinos vermutlich Partei ergreifen würden. Für die vorgeschlagenen 10 Filme könnten überraschend freie Produktionsbedingungen entstehen und in der Folge auch der fällige Diskurs.

Abschließend  die Frage: Wie könnten diese Projekte ausgewählt werden? Bitte nicht durch ein paritätisch nach gesellschaftlichen Nischen besetztes Gremium! Sondern durch ein Team einzelner Entscheider-/innen. Mein konkreter Vorschlag: Fünf Entscheider-/innen ernennt das Kuratorium des BkF, fünf benennen die Betreiber der Kommunalen Kinos. Die Entscheider rotieren alle drei Jahre, jede Person darf einen Film pro Jahr setzen, der nach ihrer Meinung Zukunfts-Kino sein kann. Also insgesamt drei, und das ist eine gute Zahl. Eins folgt Automatik, zwei weiß man nicht, und drei ist dann das, was einzig auf diese Weise möglich wird. Was mich betrifft, bin ich gerne bereit, bei der entsprechenden Arbeitsgruppe mitzuarbeiten und ich könnte, ich meine das ganz praktisch, mir als idealtypischen Branchenpartner auch das in Hamburg gegründete Institut Forschender Film Hamburg GmbH vorstellen.

Ich danke Dir, Conny, für die Carte Blanche und Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, und wünsche uns allen einen spannenden Kongress.

Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.