Kino Vergangenheit und Zukunft

Über den Stand der Digitalisierung, die Innovationen und Probleme der Kinobranche (ein Interview mit Andreas Kramer vom Hauptverband deutscher Filmtheater)

Das  Kino hat in seiner weit über 100-jährigen Geschichte bemerkenswert wenig technische Umbrüche erfahren. Doch derzeit steht es vor großen Herausforderungen. Mit dem Verschwinden der Filmrolle und der digitalen Umrüstung der Lichtspieltheater vollziehen sich massive Veränderungen. Diese sind den Zuschauern kaum bewusst.

Über den Stand der Digitalisierung, die Innovationen und Probleme der Kinobranche sprach Daniela Kloock mit dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Hauptverbands deutscher Filmtheater (HDF) Andreas Kramer:

 

Herr Kramer der HDF ist der größte nationale Kinoverband,  wie viele Leinwände sind mittlerweile digital umgerüstet?

Insgesamt kommen wir auf 4.100 stationäre Leinwände in Deutschland, davon sind derzeit 3.700 digital. Aber Ende 2013 sind wir durch.

Und wie viele Kinos sind auf dem Weg zur Digitalisierung verschwunden?

Da kann ich keine endgültige Zahl nennen. Fakt ist, dass in Orten unter 20.000 Einwohnern Kinos für immer verschwinden. Das ist eine dramatische Entwicklung. Doch sie hat ganz verschiedene Gründe. Zum Beispiel, wer übernimmt ein Haus, wenn die ältere Generation ausscheidet? Wie stemmt man insgesamt die Investitionen? Da ist ja nicht nur die digitale Projektion, sondern der Bereich Concession, also Speise- und Getränkeangebote, dann die gesamte Atmosphäre, also das Herstellen eines gehobenen Kinoambientes. Das alles kostet Geld.

Dabei wird gerne behauptet, die Digitalisierung sei eine gute Möglichkeit das Überleben gerade auch der kleineren Kinos an kleineren Standorten zu sichern.

Es gibt ja jede Menge Förderung vom BKM und der FFA, Kinos bekommen dann unter bestimmten Bedingungen Zuschüsse, aber nur für die Digitalisierung und auch nur zur Erstumrüstung.

Wird jetzt die Filmrolle komplett verschwinden?

Viele, die noch nicht digitalisiert haben, merken das jetzt schon massiv. Die Verleiher sparen sich die enormen Kosten, wenn sie einen Film digital und auf 35mm vorhalten müssen. Zum Rest des Beitrags »

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Filmvorführer – Das kann doch heute jeder!

Aber die technologische Logistik im Vorfeld der Projektion ist komplizierter denn je...

Etwa 400 Filme umfasste das diesjährige offizielle Programm der Berlinale, hinzu kamen 700 Titel innerhalb des Europäischen Filmmarktes. Wie diese riesige Anzahl an Filmen im Vorfeld betreut und innerhalb der 2500 Screenings koordiniert wird – das ist eine technisch-logistische Meisterleistung.

Emile Reynaud in seinem Théâtre Optique (Radierung: Poyet)

Emile Reynaud in seinem Théâtre Optique (Radierung: Poyet)

Um die organisatorischen Herausforderungen eines so großen Festivals zu stemmen, muss sich ein fester Mitarbeiterstab der BERLINALE Filmverwaltung das ganze Jahr über technisch auf den neusten Stand bringen. Die Umstellung vom Zelluloid  auf Digitaltechnik hat die Festivals in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Vor zehn Jahren liefen die Filme noch vom Band oder der 35-mm-Rolle. Man verließ sich auf manuelle Eingriffe und einen Kastenwagen zur Beförderung des Filmmaterials. In diesem Jahr sind bereits 60 Prozent der gezeigten Berlinale Filme sogenannte DCPs (Digital Cinema Packages), erklärt André Stever vom Filmbüro auf Nachfrage. Neben den gewohnten Abläufen innerhalb der 35-mm-Schiene, die vor allem bei den Retrospektiven zum Einsatz kommt, erfordert das digitale Kino völlig andere Kontroll- und Vorbereitungsprozesse. Denn – eigentlich kaum zu glauben – fast 30 Prozent der eingereichten DCPs sind fehlerhaft. Dann muss das technische Team häufig innerhalb kürzester Zeit Formatierungsprobleme lösen, Fehler in den Dateistrukturen beheben, Festplatten reparieren oder zuweilen auch handfeste mechanische Probleme beheben. Obwohl die BERLINALE feststehende Standards einfordert kommt es durchaus vor, dass falsche Gehäuse geliefert werden oder Netzteile nicht passen.

Neben 35mm und DCP kommt als drittes Format mit eigenen Schwierigkeiten das Videoformat hinzu. Hier reicht das Spektrum der eingereichten Trägermedien von HDCAM-Bändern über die Mini-DV-Kassette bis hin zur Blue-Ray. Auch diese Beiträge landen, nachdem sie kontrolliert wurden, verschlüsselt auf  den BERLINALE eigenen Servern. Die festivaleigene Technik hat zwar ihren Preis, aber sie hat sich bewährt, erklärt Ove Sander, der für die digitale Logistik des Festivals verantwortlich ist. Server verschiedener Hersteller auf Mietbasis haben sich in der Vergangenheit nicht ausbezahlt. Wichtig sind einheitliche Systeme und riesige Speicher, welche die BERLINALE komplett selbst nutzen kann um die Abläufe sicherer und schneller zu machen. Da in manchen Kinos täglich fünfmal Programmwechsel stattfinden, deren Server vom Speicherplatz her aber nicht ausreichen, wird für jeden Kinosaal ein bis zwei Tage Tag bevor das Programm läuft eine eigene Festplatte zusammengestellt. Tag und Nacht wird dann in zwei Schichten gearbeitet. 100 Gigabyte braucht allein ein Film, zeitlich nimmt dies 20 Minuten in Anspruch, wenn es gut läuft. Doch die Zukunft liegt nicht auf den Festplatten. Kürzlich wurde der Sponsoring Vertrag mit dem britischen Netzbetreiber COLT Technology bis 2015 verlängert. In Zusammenarbeit mit diesem Giganten der IT-Dienstleister sind bereits zwanzig Berlinale Säle per Glasfaser mit dem zentralen  Filmverwaltungs-Server verbunden. Jüngster Coup: das Cubix Kino am Alexanderplatz wurde extra für die BERLINALE mit Glasfasernetzen versorgt. Das ist das digitale Kino eben auch: ein Riesengeschäft! Zum Rest des Beitrags »

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Ein Klick – und der Film ist gewählt

Cinema on Demand

Auf neuen Wegen ins Kino... 

Die Lichtspielhäuser stehen mehr denn je vor großen Umbrüchen. Die technischen Veränderungen durch die Digitalisierung haben starke Konkurrenzmedien hervorgebracht, die das Kino als erstes und bisher kulturell wichtigstes Auswertungsfenster von Filmen zunehmend randständig machen. Hinzu kommt ein verändertes Freizeit- und mediales Nutzungsverhalten vor allem der jungen Generation. Diese will schnell und komfortabel mit Informationen versorgt werden, sich vernetzen und mitbestimmen. Dabei erweisen sich die Vertriebsstrukturen, die das Kino seit Jahrzehnten bestimmen, als zu schwerfällig. Hinzu kommt dass auch die Programme in den Kinos von vielen als zu monoton empfunden werden. Von dem weltweiten riesigen Filmangebot bleibt nur ein vereinheitlichtes, von Verleihern und Kinobetreibern ausgewähltes homöopathisches Extrakt übrig. Damit musste der Kinogänger bisher leben.

Doch die Branche, die sich jahrelang vor allem mit  Finanzierungsfragen und den Problemen der Digitalisierung beschäftigt hat, entdeckt nun Potentiale und fängt langsam an kreativ zu werden. „Der aktive Zuschauer“ heißt das neue Paradigma, das Geschäftmodell nennt sich „Cinema on Demand“. Dieses Konzept geht nicht mehr davon aus, dass es EIN Publikum gibt, das nimmt, was es bekommt, sondern dass Filmvorlieben sehr ausdifferenziert sind, und viel mehr Menschen ins Lichtspieltheater gehen würden, wenn sie dort das fänden, was sie suchen: Filme, die sie wirklich sehen wollen – die sie vielleicht sogar selbst entdeckt haben – und Menschen, die einen ähnlichen Geschmack haben. Kinoinitiativen in Frankreich und den Niederlanden experimentieren bereits mit diesem Geschäftsmodell. „ilikecinema.com“ beispielsweise wurde im März 2011 in Frankreich von einer Gruppe unabhängiger Kinobetreiber gegründet. Auf dieser Internet-Plattform wurde bis heute ein Gesamtkatalog von über 200 Filmtiteln zusammengestellt -  darunter durchaus anspruchsvolle Arthouse-Produktionen, wie etwa Bélla Tarrs „Turiner Pferd“, aber auch Mainstream-Filme  und beliebte Klassiker wie „Ben Hur“. Der Zuschauer, meldet sich über eine E-mail Adresse und ein Passwort an und wählt den Film und das Kino, in welches er gehen möchte. Seine Auswahl wird dann öffentlich, über Facebook können sich Freunde der Option anschließen, bzw. „ilikecinema.com“ sucht die Kontakte. Wenn mindestens 30 Personen Interesse haben, wird der Film im Kino für 7,80 € abgespielt. Die Plattform bietet neben Film-Premieren und Quizrätseln auch die Möglichkeit Kinos für Feierlichkeiten zu buchen. Dass das Centre National du Cinéma „ilikecinema.com“ unterstützt, zeigt wie ernst diese Innovation innerhalb der französischen Kinolandschaft genommen wird. Auch „La Septième Salle“ arbeitet in dieser Richtung. Bis Jahresende haben sich unter diesem Logo bereits 80 französische Kinos zusammengeschlossen, bis 2014 sollen es 250 Lichtspielhäuser werden. „La Septième Salle“ versteht sich allerdings etwas ambitionierter, als eine Art Cineclub 2.0. Filme, die mit zu wenigen Kopien gestartet sind oder zu kurze Laufzeiten hatten, werden hier gefördert. Aber auch Filme aus dem arabischen Raum, Indie-Filme, überhaupt alles, was auf den alten Vertriebswegen keine Chance hatte je in einem Kino gezeigt zu werden kommt in den Film-Pool von „La Septième Salle“. Auch hier ist die Anmeldung kostenlos, ein Klick und der Film ist gewählt. Erhält er innerhalb einer Woche 30 weitere Zustimmungen kommt er ins Kino. Die Macher der Plattform werben mit Partizipation, aber auch mit der Chance neue Communities zu gründen, indem sich bei den Vorführungen Zuschauer mit ähnlichen Vorlieben treffen und miteinander in Kontakt kommen können – zunächst via soziale Medien, dann aber im Kino selbst.

„We Want Cinema“ schließlich ist ein Start-up-Unternehmen aus den Niederlanden und hat 2012 bereits einen „Digital Innovation Award“ erhalten. Die junge engagierte Filmdistributions-Company  bietet bereits über tausend Filme zur freien Wahl an. „The Movie Theatre is Yours“, so der Slogan und ein professionell gemachter Trailer läuft bereits im holländischen Fernsehen.

Doch nicht nur Partizipation, Bildung neuer Communities, und die Chance auf ungezeigte Filme stehen für dieses Konzept. „Cinema on Demand“ bedeutet auch die Hoffnung auf eine bessere Kinoauslastung. Auch werden bereits solche Businessmodelle ausprobiert bei denen Zuschauer schon in die Produktionsphasen eingreifen, indem sie beispielsweise Rollen-Besetzungen mitbestimmen oder Kostümvorschläge machen. In Amerika entstehen derzeit schon ganze Filme, die über solche Modelle finanziert werden.

Gleichzeitig aber sollte bei der ganzen Euphorie nicht vergessen werden, dass hier auch ganz konkrete Marketingdaten gesammelt werden, um ausdifferenzierte Käuferprofile zu entwickeln. Ungewiss ist auch, ob die Mehrzahl der vor allem älteren Zuschauer an so einem System gefallen findet. Denn zumindest das Arthouse-Publikum ist hierzulande weit weniger digital als viele vielleicht denken. So ergab die jüngste Programmkinostudie der bundesdeutschen Filmförderungsanstalt FFA, dass Berichte und Rezensionen aus Printmedien für diese Zielgruppe nach wie vor der wichtigste Anreiz für einen Kinobesuch war. Doch vor allem für ein jüngeres Publikum gilt, dass durch die sozialen  Medien hier einiges in Bewegung kommt. Und: das Internet eröffnet den Blick für die Größe und Vielfalt der Filmproduktionen. Es bleibt also spannend abzuwarten, wann hierzulande die ersten Schleusenwärter aufwachen.

Daniela Kloock

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Über die Europa Cinemas-Konferenz in Paris

Das Kino feiert sich und sucht neue Wege...

17th Conference -22-25 November, Paris (Bild: www.europa-cinemas.org/en/Activities/Annual-conferences)

17th Conference -22-25 November, Paris (Bild: www.europa-cinemas.org/en/Activities/Annual-conferences)

Das internationale Kino-Netzwerk „Europa Cinemas“ feierte Ende November in Paris im Rahmen einer großen Konferenz nicht nur sein 20-jähriges Bestehen, sondern auch seine weltweite Expansion. Denn Mitgliedschaften und Aktivitäten gehen bereits weit über Europa hinaus. Kinos in Asien, Südamerika und Afrika sind in dem von Brüssel großzügig unterstützten Netzwerk beigetreten. In Paris waren dann sage und schreibe 52 Länder mit über 700 Kinomachern, vorzugsweise aus dem Segment der sogenannten Arthouse- und Programmkinos, vertreten. Doch in Freude und Stolz über das, was in der Vergangenheit erreicht wurde – die französische Kulturministerin und die Vertreterin der Europäischen Kommission lobten das europäische Kino als vielfältig und gut vernetzt – mischten sich im Verlauf  der vier Tage auch zahlreiche skeptische Töne was die Zukunft anbetrifft. Denn mehr denn je stehen vor allem die Kinos, welche sich jenseits der großen Ketten der Multiplexe verorten, vor großen Umbrüchen. Die technischen Veränderungen durch die Digitalisierung haben starke Konkurrenzmedien hervorgebracht, die das Kino als erstes Auswertungsfenster in der Verwertungskette von Filmen zunehmend randständig macht. Sage und schreibe nur noch 6% aller neuer Filme werden heutzutage in den Kinos gesehen, so Ian Christie der Präsident von Europa Cinemas. Wie also kann das Lichtspielhaus es schaffen, eine ganz spezielle kulturelle Erfahrung anzubieten?

An diese Frage schlossen dann viele der folgenden Redner und Diskutanten an. Dabei wurde immer wieder das Moment stark gemacht, dass Kino ein sozialer Raum ist, und der Mehrwert der Filmrezeption im kollektiven Genuss liegt. Im Unterschied zu den technisch zwar immer perfekter werdenden häuslichen Abspielgeräten und zu den mobilen hoch individualisierten Kleinstgeräten, die überall verfügbar sind, punkte das Kino mit dem sozialen Moment, mit der Aura des einmaligen Erlebnisses. Doch gerade dieser Mehrwert kommt bei einem jüngeren Publikum, welches zunehmend dem Kino fernbleibt, nicht mehr an. Warum dies so ist machte Saskia Walzel (Consumer Fokus, GB) in ihrem provozierenden Vortrag deutlich. Junge Menschen wollen Filme sehen, die ihren ökonomischen, sozialen und kulturellen Erfahrungen entsprechen. Und: sie wollen schnell und komfortabel bedient werden und ihre eigenen Vorlieben einbringen. Die gängigen Vertriebsstrukturen seien viel zu schwerfällig und wirklich interessante Filme für junge Menschen gäbe es im Kino nicht.

In diese Richtung ging dann auch, was wie ein ungutes Omen über der Tagung lag. Larry Clarks Statement: „Fuck off cinema“. So überschreibt der Regisseur sein Vertriebsmodell für seinen neusten Film „Marfa Girl“, der jüngst auf dem internationalen Filmfest in Rom den Hauptpreis gewonnen hat. Dieser Film läuft ausschließlich auf der Website des Künstlers und kann dort für 5,99 Dollar heruntergeladen werden. „DAS ist die Zukunft des Kinos!“ so Larry Clark. Zumindest in den USA, wo die Digitalisierung zu einer Marktbereinigung der Kinolandschaft geführt hat und Hollywoods Verleihsystem ein weiteres dazu tut um eine Monokultur hervorzubringen. Indie-Filme oder experimentellere Werke haben dort kaum noch eine Chance je auf einer großen Leinwand das Licht der Welt zu erblicken.

Doch ganz so finster sieht es in Europa nicht aus. Siehe oben. Hier wurde/wird die Digitalisierung der Kinos vielfältig mit unterschiedlichsten Fördermitteln unterstützt. Und so konnte man in Paris erfahren, dass in Frankreich bereits 90 Prozent und in Deutschland immerhin schon 50 Prozent der Leinwände digital sind. Also dieses Thema, welches jahrelang jedwede andere Diskussion um die Zukunft des Kinos blockierte, scheint weitestgehend erledigt. Zum Rest des Beitrags »

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Cloud Atlas (Tom Tykwer, Lana und Andrew Wachowski), oder Der Wandel im Film-Erzählen

WOLKENKINO

Bezeichnender Wandel im Film-Erzählen: Filme wie „Wolkenatlas“ verändern derzeit das Popcorn-Kino, vielleicht.

Das Kino, soviel ist sicher, wandelt derzeit (erneut) seine Gestalt. Möglicherweise ist irgendwann die Art, in der der „Spielfilm“ seine Geschichten erzählte, ausgereizt. Es war die Kunst, einen Stoff, der in der Welt der Bücher vielleicht einen Roman abgeben würde, oder auch schon einen abgegeben hat, in anderthalb Stunden zu erzählen, im Format für eine Kurzgeschichte, allenfalls, wie Edgar Reitz sagt. Ein wichtiges Hilfsmittel bei dieser manchmal gelungenen und oft absurden Arbeit der visuellen Komprimierung war das Genre. Ein Erzählrahmen mit einer fixen Ikonographie, mit wiederkehrenden Charakteren und „Regeln“. Die Konventionen des Genres, Western, Gangsterfilm, Melodram usw., nahmen dem Drehbuch Erklärungen und Umwege ab; vieles versteht sich im Genre einfach von selbst.

Die Verlässlichkeit der Genres verlor sich bereits in den Achtzigern; bizarre Mischungen, Überhöhungen oder bewusste Regelverstöße begleiteten die Digitalisierung des Kinomachens: Mit den computergenerierten Tricks konnte das narrative Unterhaltungskino die Verabredungen der Genre-Erzählungen abwerfen. Was sich jemand vorstellen kann, das kann man, die nötige Rechnerkapazität vorausgesetzt, nun auch visualisieren. Die einzige verbliebene Voraussetzung für das mehr oder wilde Kino-Erzählen: Das Publikum muss es mögen. Zum Rest des Beitrags »

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Blicke – Körper – Macht (Frauen, Kino und Medien, gestern und heute)

© Alba D'Urbano

Lauter Babes und keine Frauenpower? 

Eine Tagung in der Akademie der Künste zu Frauen, Kino und Medien, gestern und heute


„Haben Sie heute schon einen Film von einer Frau gesehen?“

Die Blickpilotin e. V. – aeronautische Beratung für feministische Filmgeschichte, 2002
So etwas muss man heute wieder fragen. Im Mai dieses Jahres, kurz vor der Eröffnung des Festivals von Cannes, fragte das Film-Kollektiv La Barbe in einem offenen Brief: „Ist das französische Kino frauenfeindlich?“ Es machte darauf aufmerksam, dass im Wettbewerb des Festivals alle möglichen Frauen zu sehen waren, nur keine einzige, die als Regisseurin hinter der Kamera gestanden hatte. Dieser Protest wurde von 1800 Männern und Frauen aus der Filmindustrie und anderen Kulturbereichen unterzeichnet. Der Leiter des Wettbewerbs, Thierry Frémaux, teilte offiziell mit, auch er finde, dass der Platz der Frauen im Kino erhöht werden müsse, aber Cannes sei nicht der richtige Platz für dieses Problem, das über das ganze Jahr diskutiert werden müsse. So die offizielle Version. Nach einer anderen, kolportierten Version soll er sich so geäußert haben: Wir wählen keinen Film aus, nur weil er von einer Frau gemacht worden ist.

Ich kenne allerdings keine Frau, die das je verlangt hätte. Im Gegenteil:
„Regisseurinnen wollen für ihre Arbeit anerkannt werden, nicht weil sie Frauen sind.

Aber die Wahrheit ist: obwohl Filme von Frauen auf Festivals in aller Welt zu sehen sind und sie in gleicher Anzahl wie ihre männlichen Kollegen die Filmschulen besuchen, haben sie ungleich größere Schwierigkeiten (dies ein Understatement), Jobs im Film Business zu bekommen.“
Melissa Silverstein 2011

Zwischen diesen beiden Aussagen, steckt das Problem. Es ist die Frage von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der Frauen im Kino. Die richtige Antwort auf den kolportierten Satz von Frémaux gab eine Filmhistorikerin, die sagte: „Es ist eine Frage der Kriterien, die man an die Filme anlegt und des Ortes, wo man sie sucht. Die Filme von Frauen haben meist kleinere Budgets und man muss sie außerhalb des Mainstreams suchen.“ Und da wenige Festivalleiter und auch –leiterinnen das tun, die Frauenfilmfestivals ausgenommen, entsteht daraus ein fataler Mechanismus:
Es geht den Jurys nicht darum, bewusst Frauen auszuschließen, das passiert einfach so. Das hat zum Beispiel mit einer beruflichen Nähe zu tun, die viele Männer untereinander haben. Das ist auch kein Klüngel, das sind so clouds, Wolken. Und diese männlichen clouds sind in den Jurys viel größer als die weiblichen, weil Frauen bisher nicht so viele Verbindungen hatten.
Doris Dörrie 2011

Das Problem ist heute nicht mehr nur, wie noch vor 40 Jahren, als die erste Generation von filmenden Frauen auf den Plan trat, ob Frauen das Geld bekommen, ihre Filme zu machen, sondern warum die vielen Filme, die Frauen inzwischen machen, in der Filmindustrie und – kultur nur eine so kleine Rolle spielen. Zum Rest des Beitrags »

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Kino und sein Wert

Über die deutsche Kinolandschaft, ihre Bewohner und deren Konsumverhalten

Den Kinobesitzern geht es anscheinend gut. Allein mit ihrem Ticketverkauf haben sie im vergangenen Jahr 989 Millionen Euro erwirtschaftet - deutlich mehr als zuvor. Und dies bei einem Besucherrückgang um immerhin 10 Prozent. Die Erklärung hierfür ist jedoch einfach: Die Eintrittskarten fürs Kino sind in den letzten Jahren um ein Drittel teurer geworden.

Vor allem der 3D Boom hat diese Entwicklung geschickt begründet und kaschiert. Gleichzeitig ist die massive Preissteigerung für bestimmte Gruppen der Grund dem Kino fern zu bleiben, so das Ergebnis einer Befragung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Vor allem bei den 10 bis 29 Jährigen, der bisher eigentlich relevantesten Besuchergruppe, lässt sich eine deutliche Kinoabstinenz ablesen. Die ungleich billigere DVD, das attraktivere Streaming Angebot aus dem Internet und ein insgesamt veränderter Bilder- und Medienkonsum mögen Gründe hierfür sein. Auch insgesamt nimmt die Wertschätzung fürs Kino permanent ab. Ging aus der Gruppe der kinoaffinen Besucher 1999 noch jeder durchschnittlich sechs bis sieben mal pro Jahr ins Kino, waren es 2011 nur noch vier Besuche jährlich. Gleichzeitig aber zeigt sich, laut GfK-Studie, wer einmal den Weg ins Lichtspielhaus gefunden hat, dem sitzt der Geldbeutel relativ locker. Zum Rest des Beitrags »

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Edgar Reitz über die Zukunft des Kinos und das Gewinnstreben einer Branche, die mit Kunst nichts im Sinn hat…

© Edgar Reitz Filmproduktions GmbH

© Edgar Reitz Filmproduktions GmbH

Herr Reitz, Wahrnehmungskonventionen verändern sich, kulturell und auch  über Generationen. Jüngere Zuschauer wollen etwas anderes im Kino sehen als Ältere, was für Filme braucht das Kino? 

Wir wissen ja was da im Moment geboten wird. Nehmen wir die Computergames: Das ist eine Riesen-Industrie, die perfekt funktioniert! Aber bei diesem Thema halte ich mich nicht für kompetent. Wenn Sie mit mir sprechen, müssen Sie bedenken, dass ich die Dinge vom künstlerischen her sehe. Und das Besondere an jeglicher Kunst ist, dass sie sich den Standards widersetzt.

Was heißt das genau

Kunst will nicht dieses permanente Entwerten und diese permanente Vergänglichkeit aller Gefühle. Sie will dem entgegenwirken – will etwas Beständiges finden. Ich glaube, das wir das auch bei jungen Menschen heute finden, diese Suche nach etwas Beständigem in einer sehr unbeständigen Welt.

Und hat dann genau über diese Sehnsucht oder dieses Bedürfnis Kino als Ort auch eine neue  Chance?

Eine neue Chance, durchaus.

Inwieweit arbeiten Sie mit digitalen Techniken?

Ich arbeite neuerdings teilweise auch mit digitalen Systemen. Im Grunde ist die digitale Kamera ja auch eine Erweiterung  der Filmkamera, und der digitale Schnitt ist eine Weiterentwicklung des Filmschnitts. Aber ich verwende dieses verbesserte Werkzeug dazu, dem Leben auf der Spur zu sein, so wie es immer mein künstlerisches Bekenntnis war.

Warum passiert angesichts dieser vereinfachten und verbilligten Techniken der Bildnahme nicht mehr Positives, Experimentelles? Sie sagen an einer Stelle Ihrer Bücher die Dramaturgien wären so konventionell - die meisten  Filmszenen arbeiten immer auf Höhepunkte hin... oder nehmen wir Peter Greenaway, der das ganze System Kino von Grund auf kritisiert.

Aber diese Kritik von Greenaway richtet sich doch nicht gegen das Filmmaterial oder die Kameras oder die Techniken, die man verwendet, sondern die richtet sich gegen die Branche und gegen die Industrie! Zum Rest des Beitrags »

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Was lockt uns ins Kino?

Über die dunkle Höhle und ihre Geheimnisse...

Nicht nur bei großen Film-Festivals gibt es zu Beginn jeder Vorführung diesen magischen Moment, wenn die Saallichter ausgehen, der Vorhang sich hebt, das aufgeregte Stimmengewirr aufhört und die zappelnden Gliedmaßen zur Ruhe kommen. Entlastet von jeglicher Verpflichtung folgt der Zuschauer einem festgelegten Ritual, einer Art Licht-Liturgie, und er ist bereit sich für eine festgesetzte Zeit der einzigen Lichtquelle hinzugeben, die das Dunkel durchbricht. Kino garantiert den Raum einer unkontrollierten Haltung – unwillkürlich schiebt man sich tiefer in den Sitz – ohne soziale Beobachtung und schafft so die Voraussetzung für eine veränderte Wahrnehmung. Sobald der Film beginnt setzt ein komplizierter psychischer Prozess ein. Der Zuschauer gibt sich ein Stück weit auf und tritt in eine fremde, unbekannte Welt ein. Der Alltag mit all seinen Malaisen und Verpflichtungen wird für die Zeit der Kino-Session zurückgelassen, vergessen, verdrängt. An seine Stelle treten der Kontakt und die Konfrontation mit Geschichten und Gesichtern, die neu und unbekannt sind. Abgrenzung und Identifikation werden quasi therapeutisch-vergnüglich erlebt. Zum Rest des Beitrags »

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Abschied vom Retrorealismus (6. Bundeskongress BkF)


Ein Ausflug zum retrorealistischen Canyon und Vorschlag an die Kommunalen Kinos

6. Bundeskongress des Bundesverbandes für kommunale Filmarbeit

Grenzüberschreitungen - Neue europäische Netzwerke, digitale Vertriebswege und intermediale Communities (19. – 21. November 2010, Hamburg)

Ein Grußwort

von Robert Bramkamp

Sehr geehrter Staatsrat Dr. Hill, liebe Frau Bienenfeld, liebe Kinobetreiber und Kinobetreiberinnen, Filmfreunde, sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte mich vorab bedanken für zwei Hinweise, die Herr Staatsrat Dr. Hill in seinem Grußwort gegeben hat und die ins Zentrum dessen führen, worüber ich in meiner „Carte Blanche“ sprechen möchte.

Da ist zum einen das Problem des Generationswechsels, der für einen Blick auf die möglichen Zukünfte des Kinos ganz entscheidend ist, und zum anderen die Frage, wie man mit dem archivierbaren Erbe umgeht und wie man es digitalisieren kann. Zu diesen Fragestellungen hat es im Jahr 2010 eine erneute Kooperation der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HfbK) und dem Metropoliskino/Kinemathek Hamburg gegeben, bei der wir die fast neuwertig in Hamburg liegende 35mm-Kopie von DER TOD DES EMPEDOKLES auf der Riesenleinwand gesehen und dann mit dem in Hamburg technisch bestmöglich digitalisierten Counterpart verglichen haben. Zum Rest des Beitrags »

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UFA in Farbe – Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945

Macht und Magie der bunten Bilder

Ein Buch über die UFA in Farbe

Hans Albers in "Münchhausen" 1943

Hans Albers in "Münchhausen" 1943

„Münchhausen“ – wer kennt es nicht das Bild von Hans Albers auf der Kanonenkugel? Und die ambivalenten Gefühle, die es auslöst? Denn der trickreiche Ausstattungs- und Abenteuerfilm um den sagenhaften Lügenbaron entstand 1943 als größtes Prestigeobjet der UFA in der NS-Zeit. Joseph Goebbels wollte besonders mit dieser Produktion die Welt von der Leistungsfähigkeit der deutschen Filmindustrie überzeugen. Dabei ging es nicht nur um schauspielerische und tricktechnische Spitzenleistungen, sondern vor allem auch um die Durchsetzung eines eigenen Weltstandards im Farbfilm. Wenige Jahre nach „Vom Winde verweht“ (Victor Fleming, 1939) sollte das deutsche Agfa-Color-Verfahren das Technicolor aus Hollywood ausstechen.

Über dieses verdrängte bzw. tabuisierte Kapitel der deutschen Filmgeschichte ist nun ein ebenso anschaulich-opulenter wie diskussionswürdiger Band erschienen. „UFA in Farbe – Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945“ dokumentiert erstmalig die Produktionsgeschichte und Rezeption der insgesamt 13 Farbfilme, die unterm Hakenkreuz entstanden sind. Dabei gelingt es den Autoren sowohl den richtigen Ton zu treffen als auch den Leser mit neuen Erkenntnissen zu überraschen. Etwa damit, dass diese Filme entgegen der weit verbreiteten Meinung keine Propagandafilme waren. Bis auf eine Ausnahme: „Kolberg“ (Veit Harlan, 1945), ein bis heute sogenannter Vorbehaltsfilm und mit 8,5 Millionen Reichsmark die teuerste UFA-Produktion. Wenngleich er nach Ansicht ausländischer Kritiker alle bis 1945 inszenierten Kriegsfilme aus Hollywood in den Schatten stellte, konnte er doch seine Funktion nicht mehr erfüllen. Der Film hatte die wohl grausigste Premiere, die man sich vorstellen kann. Am 30. Januar 1945 wurden die Filmbüchsen von der deutschen Luftwaffe über der von den Amerikanern besetzten Atlantikfestung La Rochelle abgeworfen.

Interessanterweise hatte sich bereits Ende der 1930er-Jahre die Einsicht durchgesetzt, dass Propagandafilme nicht gut laufen. Und so drehte man vorzugsweise leichte bunte Kost: Zum Rest des Beitrags »

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Das Kino geht neue Wege …

Mach mit, mach's nach, mach's besser

Kino im Aufbruch: Upload Cinema, Salon oder Neighborhood Location 

Die Kulturinteressen der Deutschen wurden jüngst  von der Stiftung für Zukunftsfragen untersucht. 43 Prozent der Befragten gaben dabei dem Besuch des Kinos den Vorrang vor einem Gang ins Theater, Museum oder Konzert. Ein erstaunliches Ergebnis wo man heute doch fast überall Filme anschauen kann. Am Computer, im Fernsehen, unterwegs auf dem Laptop, auf iPads und iPhones. Die Bilder sind wie die Töne längst mobil geworden, flüchtig und schnell. Demgegenüber funktioniert das Kino – wenn man darunter einen Ort versteht an dem gegen Bezahlung zu einer bestimmten Zeit in einer sehr programmatischen und ritualisierten Form Filme abgespielt werden – wie vor 50 Jahren. Zum Rest des Beitrags »

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„Wünsch dir was!“ – das Kino versucht sich als Erlebnisort aufzuwerten…

„Kino – dafür werden Filme gemacht!“ so lautet der Werbespruch der Filmwirtschaft. Doch die Filmangebote aus dem Netz finden immer schneller ihren Weg zum  Fernsehapparat, zum Monitor oder zum iPad. Demgegenüber ist das Kino eine nicht nur schwerfällige Einrichtung, sondern auch eine äußerst reduzierte „Verteilerdose“ der Ware Film. Was also lässt sich die Branche einfallen, um den Besuch der Black Box attraktiver zu machen? Zum Rest des Beitrags »

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Die einstigen Lichtspielhäuser am Berliner Kurfürstendamm

2010 ging im alten Zoo Palast das Projektorlicht aus.

2010 ging im alten Zoo Palast das Projektorlicht aus.

Traumhäuser des Kollektivs
Kinos am Kudamm – Geschichte, Untergang und  Zukunft

Wer heute bei Tommy Hilfinger, Zara oder Benetton am Kurfürstendamm einkauft muss schon genau hinsehen um Details zu entdecken, die auf eine Zeit verweisen als diese Gebäude noch Lichtspielhäuser und veritable Kinopaläste waren. Das „Marmorhaus“, der ehemalige „Gloria-Palast“, die „Filmbühne Wien“ oder das einstige „Universum-Kino“ (heute „Schaubühne“) sind architektonische Überbleibsel eines Erlebens von Kino, welches im krassen Gegensatz zu den anonymen und indifferenten Räumlichkeiten heutiger Multiplex-Kinos steht. Einladene, schön beleuchtete Foyers, großzügige und gepflegte Zuschauerräume, riesige Leinwände, alles sollte darauf hinweisen, dass Kino gesellschaftsfähig geworden war und sich vom einfachen Jahrmarktsrummel und den kleinen Ladenkinos verabschiedet hatte. Die Filmwirtschaft boomte in den 10er und 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Allein in Berlin eröffneten 400 Lichtspieltheater, die Größten und Prunkvollsten am Kurfürstendamm. Zur Eröffnung des „Gloria Palastes“ 1926 – es wurde „Tartuffe“ gezeigt, ein UFA-Film mit Emil Jannings – schrieb die Frankfurter Zeitung: „Die großen Lichtspielhäuser in Berlin sind Paläste, sie schlicht als Kinos zu bezeichnen wäre despektierlich!“ Den wohl treffendsten und schönsten Ausdruck für ihren besonderen Charakter hat Walter Benjamin geprägt. Er sprach 1927 von „Traumhäusern des Kollektivs“, und sein Zeitgenosse Siegfried Kracauer nannte sie – vielleicht eher an die hübschen Platzanweiserinnen denkend – „optische Feenlokale“... Zum Rest des Beitrags »

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Prof. Martin Hagemann über 3D Film (Ein Interview)

Wir arbeiten im offenen Versuchsfeld

Der deutsche Produzent Martin Hagemann glaubt an die Zukunft von 3D

Herr Hagemann, Sie bereiten zur Zeit den ersten deutschen Science Fiction Film „Creeping Zero“ in 3D nach einem Buch von Jeff Noon vor. Der Film war ursprünglich in 2D geplant, wie kam es zu der Entscheidung?

Auf die Idee ein 3D Projekt zu machen sind meine englische Kollegin Julie Baines und ich durch „Avatar“ gekommen. Uns war klar, dass hier etwas entstanden ist, was ästhetisch für das Genre Science Fiction bzw. Thriller interessant sein könnte. Hinzu kam, dass es von finanzieller Seite her eine enorme Nachfrage nach 3D Filmprojekten gab, was sich mittlerweile schon wieder etwas relativiert...

Bleiben wir beim Finanziellen. Wie viel teurer ist denn eine 3D Produktion und woran liegt das?

In der Regel wird ein 3D Film zwischen 25 und 30 Prozent teurer. Das liegt zunächst daran, dass 2D-Drehbücher meistens einfach in 3D gedreht werden. Wenn aber ein von Anfang an für 3D geschriebenes Drehbuch die Grundlage für die Produktion ist, dann betragen die Mehrkosten nach meiner Erfahrung nur noch circa 10-15 Prozent. Zum Rest des Beitrags »

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Hans-Joachim Flebbe im Interview: Wir haben hier einen Event.

„Wenders provoziert vielleicht ganz gerne und 2011 wird ein besseres Kinojahr....“

ein Gespräch mit Hans-Joachim Flebbe über die Zukunft des Kinos

(Hans-Joachim Flebbe ist seit Ende der 70er Jahre Kino-Unternehmensgründer. Der ehemalige Vorstand der CinemaxX AG betreibt Großkinos in Braunschweig und Hannover und baute 2008 den ehemaligen Filmpalast Berlin am Kurfürstendamm zu einer exquisiten Film-Lounge um. Nach diesem Vorbild entstehen ähnliche Kinos in Genf und Hamburg, Mailand und Rom sollen folgen. Flebbe hat jüngst auch den Zuschlag für den Zoo-Palast bekommen, der 2012 wiedereröffnet wird.)

Herr Flebbe  Sie sind ein richtig alter Hase, ja wie sagt man jetzt, der Kinowirtschaft?

Der Kinobranche. Als Student trat ich gegen die Altbranche in West-Deutschland an. Es gab damals einen großen Kinokönig Heinz Riech. Ihm gehörten alle Ufa Theater, und er war berüchtigt für die sogenannten Schachtelkinos. In die ehemaligen wunderschönen aber heruntergekommenen Filmpaläste mit zum Teil 1000 Plätzen ließ er bis zu sieben Schachtel-Kinos einbauen. Diese Entwicklung führte letztendlich dazu, die Besucher aus den Kinos zu vertreiben.

Das war in den 70er und 80er Jahren. Dann kamen die home-entertainement Produkte, die Videokassette und später die DVD als Konkurrenz. Wie kann das Kino, das Lichtspieltheater wie es früher so schön hieß, wieder punkten?

Es ist ja so, daß die Multiplexkinos...

die Sie ja selber mit aufgebaut haben... Zum Rest des Beitrags »

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Robert Nippoldt/Daniel Kothenschulte: Hollywood in den 30er Jahren

„Es ist ein zwiespältiger Lockruf, den die Traumfabrik aussendet: Für jeden Stern, der aufgeht, muss ein anderer untergehen.“ Ein Satz aus dem Buch „Hollywood in den 30er Jahren“, der unmittelbar auf William A. Wellmans A Star is born (1937) gemünzt ist. Hier die Aufstiegsgeschichte einer jungen Provinzlerin, deren kometenartiger Erfolg im Hollywood der großen Studios im krassen Gegensatz zum unaufhaltsamen Abstieg eines alternden Stummfilmstars steht. Doch dieser darwinistische Satz vom Werden und Vergehen großer Namen und Karrieren, von der rastlosen Veränderung in einer prosperierenden Branche lässt sich mit Blick auf die Gegenwart auf den aktuellen Zustand des Kinos übertragen. Das Kino als großer, repräsentativer Ort von Öffentlichkeit stirbt mittlerweile einen langsamen Tod und muss anderen, jüngeren Medien weichen. Zum Rest des Beitrags »

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Rudolf Thomé im Interview: Das rote Zimmer

Ihr neuer Film „Das rote Zimmer“ hat ein grünes Filmplakat.

Ja wir hatten zuerst ein Rotes, aber das ging dann nicht, und „das rote Zimmer“ auf einem grünen Plakat ist doch eigentlich pfiffiger.

Ja schon, aber das rote Plakat war so malerisch, fast wie ein Bild von von Gerhard Richter....

Nur die Schauspielerin wollte nicht nackt abgebildet sein.

Bleiben wir beim Thema „Bild“. Die männliche Hauptfigur lässt sich in Ihrem Film über ein Bild verführen. Ein Bild ist es etwas, was ihn von seiner Wissenschaft abbringt. Diese Miniatur auf der eine Insel abgebildet ist bringt ihn zum träumen, es funktioniert wie eine Eintrittspforte ins Paradies....

Das Bild als Eintrittspforte, das gefällt mir als Formulierung! Was dem Schauspieler da passiert das ist übrigens vor der Berlinale beim Drehbuch schreiben auch mir passiert. Man schöpft ja aus allen Quellen und Vieles hat auch mit mir zu tun. Ich habe zu meinen Hauptdarstellern immer wieder gesagt: Ihr spielt auch mich... Zum Rest des Beitrags »

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3D Film – Hype oder neue Kunstform?

3D ist so alt wie die Filmgeschichte selbst. Neu jedoch ist das Universalmedium Software, welches die komplette Digitalisierung unserer Lebenswelt möglich macht. Dies führt zu erheblichen medialen Verlagerungen und Verschiebungen und nicht zuletzt zu einer gigantischen, global-kapitalistischen Verwertungskette. Zum Rest des Beitrags »

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Zukunft Kino

Am Ende eines Jahres wird Bilanz gezogen. Auch über die Qualität des vergangenen Filmjahres wird nachgedacht. Dabei taucht vielleicht u.a. die Frage auf, wie viele Filme eigentlich jährlich weltweit produziert werden? Offizielle Statistiken gehen von circa 6 Tausend aus, erfasst werden damit jedoch nur die Filme mit einer Kinoauswertung. Wenn man bedenkt, dass die BERLINALE oder ein Kurz-Filmfestival wie INTERFILM jeweils an die 6000 Filmeinreichungen erhalten – und es gibt Hunderte Festivals weltweit – oder dass circa 200 junge Regisseure allein in Deutschland jährlich ihre Abschlussfilme vorlegen, so ahnt man, wie groß das Angebot an Filmen eigentlich ist. Zum Rest des Beitrags »

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