Petzi und die Seinen

Wann kommt die historisch-kritische Ausgabe?

Jerry Spring bringt es auf fünf und Leutnant Blueberry auf 18 Bände; Lucky Luke auf 25, Prinz Eisenherz auf 86 und Donald Duck – zusammen mit Dagobert, Daisy und Düsentrieb, allein in der Barks-Inkarnation – auf 133 Bände: Eine gewissenhafte und chronologisch erscheinende Werkausgabe wäre auch Petzi und seinen Freunden zu wünschen, zumal inzwischen fast alle – selbst Turi und Tolk, Die Gifticks und Kai Falke – eine haben.

Wer seine Hoffnung in den Kinderbuchverlag Esslinger setzt, der mit Mecki und Lurchi zwei nahe Petzi-Verwandte im Angebot hat (wobei es der Igel bisher auf sechs und der Salamander auf acht Bände gebracht hat), kann diese gleich wieder begraben: Die dort gestartete Petzi-Edition bringt nur Nachdrucke der querformatigen Hardcoverbände aus den fünfziger Jahren, danach ist, wie man hört, Schluss.

„Petzi trifft Ursula“, einer der sechs Hardcoverbände aus den frühen Fünfzigern, die Esslinger nachdruckt.
„Petzi trifft Ursula“, einer der sechs Hardcoverbände aus den frühen Fünfzigern, die Esslinger nachdruckt.

Was eine Werkausgabe zu bieten hätte, davon vermittelt das digitale Petzi-Archiv eine Ahnung. Hier sind die über 2.000 Strips mit ihren 6.100 Einzelbildern im Detail zu besichtigen. Allerdings benötigt man eine Lupe und gute Nerven, denn die Strips sind rasend schnell animiert.

Wen wundert’s, dass es auch um die Fachliteratur schlecht bestellt ist? Hier wäre die „Reddition“ aufgerufen, die dem Phänomen vor 14 Jahren in drei – in Ziffern: 3 – kargen Seiten nähertrat, sichtlich zaudernd, im Rahmen eines Kinder- und Jugendbuchdossiers. Die „Zeitschrift für graphische Literatur“ – in ihrer letzten Nummer fühlt sie „Onkel Rolf“ auf den Zahn und bereichert die Rolf-Kauka-Literatur um ein weiteres (74seitiges) Kleinod – wird sich freilich sputen müssen, denn Petzi und die Seinen dürften auch ein Fall für „Die Sprechblase“ sein.

„Perry – Unser Mann im All“: Thema in „Die Sprechblase“ Nr. 223 (Dezember 2011)
„Perry – Unser Mann im All“: Thema in „Die Sprechblase“ Nr. 223 (Dezember 2011)

„Die Sprechblase“, jahrzehntelang ein besserer Waschzettel des Norbert-Hethke-Verlages, hat sich, fünf Jahre nach Hethkes Tod und dem damit verbundenen Herausgeberwechsel, zu einer grandios bebilderten Fachpublikation gemausert, die sich neben der „Reddition“ ohne weiteres sehen lassen kann. Die vorletzte Ausgabe, die sich dem Comic-Perryversum des Moewig-Verlags („Perry Rhodan im Bild“, „Perry – Unser Mann im All“) widmet, dürfte selbst für Leute interessant sein, die dem Perry-Kosmos eher lau gegenüberstehen. Dort bereitet man, so war der Nummer 222 zu entnehmen, eine Serie über Petzi und die Wechselfälle seines Lebens vor, die die seit längerem laufende „Lurchi-Chronik“ ablösen soll.

Und wer weiß? Vielleicht erscheint eines Tages ja tatsächlich die historisch-kritische Petzi-Ausgabe? Auf dickem, abwaschbarem Bilderbuchpapier, und flankiert von der großen Carla- & Vilhelm-Hansen-Biographie. In welchem Verlag auch immer …

Freuen sich auf die historisch-kritische Ausgabe: Petzi und sein Freund Tintenfisch.
Freuen sich auf die historisch-kritische Ausgabe: Petzi und sein Freund Tintenfisch.

 

Wenzel Storch

 

Reddition 56: Dossier Rolf Kauka, 76 Seiten, 10 Euro

Die Sprechblase 225: „I’ll be back!“ Dan Cooper. Großes Albert-Weinberg-Special, 80 Seiten, 9,90 Euro

Carla & Vilhelm Hansen: Petzi trifft Mutter Barsch. Esslinger Verlag J. F. Schreiber, Esslingen 2012, 40 Seiten, 12, 90 Euro

Traurige Nachricht zum Schluss: Wie der neuen „Sprechblase“ zu entnehmen ist, hat Esslinger inzwischen die Mecki-Werkausgabe eingestellt.

 

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