Was das Herz begehrt (Nancy Meyers)

Was das Herz begehrt – manchmal nur Diane Keaton und Jack Nicholson

„Wie sieht’s mit Verhütung aus?“, fragt Harry. „Menopause“, entgegnet Erica. Und fügt, noch immer lachend, hinzu „Wir sollten Deinen Blutdruck messen“. Und am Morgen, am nächsten Morgen, erkennen sie nicht, wie spät es ist, weil, die Brillen liegen noch neben dem Bett.

Solche Titel wollen Nachricht sein. Wie es euch gefällt. Was ihr wollt. Was das Herz begehrt. Nachrichten nicht über Geschichten, sondern über Absichten. Der Absicht, zu unterhalten. Tatsächlich trägt dieser Film wenig bei zum Verständnis der Welt und sehr viel dazu, sich einige Stunden auf dieser Welt sehr, sehr wohl zu fühlen. Einfach so. Nancy Meyers hat das geschrieben und inszeniert, Michael Ballhaus fotografiert. Und das Beste, was er zu zeigen hat, sind Diane Keaton und Jack Nicholson.
Dieser ist ein Musikproduzent mit 63 Jahren und Freundinnen, die kaum über dreißig sind. Jene ist die Mutter seiner derzeitigen Freundin, 55 und eine erfolgreiche Dramatikerin. Als Harry einen Herzinfarkt erlebt, da muss er einige Zeit bei Mutter und Tochter im Haus verbringen, und das wird in der Tat dramatisch. So sieht er erstmals eine unbekleidete Frau über 50. “Wir können schließlich nicht alle Arzt sein”, erklärt er dem jungen Arzt (Keanu Reeves), der sich heftig zu der reifen Frau hingezogen fühlt. Und auch Harry entdeckt, wie schön, wie spannend so eine Frau sein kann.
Der Film ist mittelmäßig geschrieben und über beinahe alle Maßen gespielt. Nicholsons Gesicht kann machen, dass einer verzweifeln möchte vor all dem Ekel und einen Augenblick später möchte man weinen vor dem Glück. Ein Lachen, breit und aufdringlich, wie ein Goldkettchen unter einem Hawaihemd und einen Augenblick später zart und warm, wie die bergende Hand einer Mutter.
Und Diane Keaton. Wie sie die Avancen des jungen Mannes entgegennimmt, belustigt und berührt zugleich, wie ihr Gesicht fragt, ob das nur ziemlich komisch ist oder ob es nicht auch ein wenig wahr sein könnte. Wie sie schreit und weint und lacht ohne Interpunktion, als wolle sie alle Frauen dieser Welt ironisieren und erklären in einem. Diese Schauspieler, von denen jeder die Kraft des anderen spürt, sind einander wert und sie genießen es sichtlich entspannt. Wenn sie einander erkannt haben, ist die Geschichte im Grunde zu Ende, und die beiden überspielen ein dann schwächendes Buch.
Wäre dies ein Film auf der Höhe seiner Schauspieler, dann hätte es einer für die Ewigkeit sein können.

 

Autor: Henryk Goldberg

Text geschrieben: 2003

Text: veröffentlicht in filmspiegel

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