Invincible (Werner Herzog)

Ein Desaster

Es hat sie alle gegeben. Zische Breitbart, den stärksten Mann der Welt, der polnische Jude starb 1925. Erik Jan Hanussen, den okkultesten Hellseher der Welt, der österreichische Jude wurde 1933 von der SA ermordet. Und Werner Herzog, einen der berühmtesten deutschen Filmregisseure. Der Mann, der den Mut hatte, mit Klaus Kinski zu arbeiten, und Filme wie Aguirre und Fitzcarraldo konnte. Ob dieser Regisseur, der auf den Erfurter Domstufen den Holländer inszenieren wird, noch lebt, ist unbekannt. Seine letzte Arbeit, der Film Invincible, was etwas schlichter unbesiegbar heißt, scheint das Verscheiden des Regisseurs anzuzeigen. Denn dieser Film ist ohne einen Hauch von Kraft, ohne einen Anflug geistiger Energie. Es ist ein Kino, so wie man sich ein Bauerntheater denkt. Dabei, die Geschichte, Herzog hat auch das Buch geschrieben, könnte schon gehen: Zische Breitbart, der jüdische Schmied kommt nach Berlin und macht Karierre als starker Mann im Variete des, ebenfalls historischen, Hellsehers und Magiers Hanussen. Doch dieses Berlin, 1932, gefällt ihn nicht, so geht er zurück nach Hause. Doch dort, Polen, macht ihn Herzog zum Seher seines Volkes, zum sich selbst ausrufenden Samson, der, als Gegenpart zu Hanussen, das Leid seines Volkes sieht und zum Kampfe ruft. Das erklimmt eine so schwer beschreib- wie erklärbare Ebene von Betretenheit, als Inszenierung wie als gedanklicher Vorgang. Die Peinlichkeit entsteht aus der Differenz der Höhe des allegorischen Anspruches und der Banalität der ästhetischen Erscheinung. Die Bilder erscheinen vollkommen uninspiriert, sie wirken so hilflos wie das Denken, das sie stiftete. So verstörend war lang kein Debakel.

Autor: Henryk Goldberg

Text geschrieben 2002

Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine

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