Europäischer Filmpreis 2004

Die Krise in der Krise

Der Europäische Filmpreis geht nach Deutschland und ehrt Mulitkuliti-Land

Der deutsche Film Gegen die Wand des Hamburger Türken Fatih Akin wurde in
Barcelona Bester europäischer Film des Jahres. Außerdem gewann Akin den
Publikumspreis als bester Regisseur.

Hinzugenommen den Publikumspreis als bester europäischer Schauspieler für
Daniel Brühl (Was nützt die Liebe in Gedanken), erinnert den letztjährigen
Hauptpreis für Good bye, Lenin! so bleibt vor allem eine Frage: ist nun die
Krise des deutschen Filmes so zu sagen,   in der Krise?

Man wird nun nicht gleich in das andere Extrem verfallen sollen und das
Goldene Zeitalter des deutschen Kinos ausrufen. Indessen, es hat in seinen
Spitzenproduktionen, und nun zum zweiten mal in Folge, eine Qualität
gewonnen, die sonst eher als undeutsch gilt: Nämlich ein Problem zu
verhandeln auf eine Weise, die nicht nur Philosophen und Soziologen von
einigem Interesse ist, sondern überdies auch unterhaltsam für normale
Menschen, für die Menschen also, die über den Erfolg eines Filmes zu
befinden haben. Und beide Filme, der über das Leben der Türken in
Deutschland wie der   über die Ankunft der Ossis im Westen, verdanken ihren
Witz wie ihre Spannung gleichsam dem Mulitkulti-Syndrom, den Irrungen und
Wirrungen der Versuche, ein neues, fremdes Land als Heimat zu gewinnen. Den
Ossis und den Türken verdankt Deutschland die beiden mit Abstand
international erfolgreichsten Film-Geschichten der letzten Jahre. Und der
Umstand, dass Deutschland zweimal in Folge gewann, steht dafür, dass dies
keine diplomatische Entscheidung gewesen sein kann.

Bester Regisseur wurde der Spanier Alejandro Amenbar (Mar Adentro),
beliebteste Schauspielerin Penelope Cruz für Don’t move).
Die Filmakemie hat die Frage, ob die Türkei in die Europäische Union gehört
auf der cineastischen Ebene entschieden.

Autor: Henryk Goldberg

Text geschrieben  2004

Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine

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