Oscars (2004)

Die Mitte liegt in Mittelerde

Clint Eastwood wird nicht bester Regisseur, weil das auch noch Jackson ist

Nein, Der Herr der Ringe ist so wenig einer der drei besten Filme aller Zeiten, wie Ben Hur und Titanic es waren, als sie ebenfalls elf Oscars
erhielten. Aber sie alle haben  gezeigt, was Hollywood  kann. Und dafür vergibt die Academy Preise.

So gesehen hat die Flut der Preise für diesen Film auch eine Art von erklärender, erhellender Funktion. Sie unterstreicht, dass der heute in hoher Geltung stehende Satz Nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg kaum irgendwo so uneingeschränkt gilt wie in Hollywood. Da fällt kaum ins Gewicht, dass Die Rückkehr des Königs der am wenigsten überzeugendste Teil der Trilogie ist  das war einfach der Abschluss des großen Werkes und da wird die Summe aller drei Filme gezogen. Da wird schlicht ignoriert, dass Peter Jackson in der Summe hier tatsächlich ein bedeutsame Leistung erbracht hat, doch nie ist das eine  Regie, die sich auf Augenhöhe bewegt etwa mit Sofia Coppola oder gar Clint Eastwood. Es ist wohl ein Segen, dass es in dieser Saison einige sehr gute, doch keine herausragenden Arbeiten gab, sonst wäre, was so im Bereich der Normalität verbleibt, zum Skandal geworden.

Denn wenn man einmal alles nimmt in allem,  dann ist dieses Werk  betrachtet als die Summe dreier Filme , die Regie einmal nicht gerechnet, tatsächlich ein herausragendes Ereignis und als solches zu Recht gewürdigt. Der Herr der Ringe ist ein Augenfest, dessen Kraft aus seiner visuellen Suggestion erwächst  und das Ausrichten von globalen Festen dieser Art ist schließlich das Selbstverständnis der Branche. Eine Arbeit, die das Genre Fantasy im Kino, nach den Sternenkriegen, auch für ein erwachsenes, nicht postpubertäres Publikum behauptet. Eine Arbeit, dies vielleicht vor allem, die wenigstens einen Teil der geistigen Anmutung ihrer Vorlage in die Atmosphäre ihrer Bilder zu übersetzen vermochte  was eine nicht unbeträchtliche Leistung ist, wenn der Autor der Originalgeschichte Tolkien heißt. Anders als in Harry Potters Zauberschule wird hier eine vollkommen neue, fremde Welt entworfen  und diesen drei Filmen ist es gelungen, diesem geistigen Entwurf visuell wenigstens in Teilen Stand zu halten.

Es war wohl der Glanz dieser Arbeit, in deren Mitte Peter Jackson als der große Animator steht, der zwei anderen Regisseuren einen Preis verwehrte, den sie beide verdient hätten: Sofia Coppola für Lost in Translation und, vor allem, Clint Eastwood mit Mystic River. Die Mitglieder der Academy haben das wohl selbst empfunden und einen Kompromiss gesucht: Die Tochter des großen alten Coppola wurde, vollkommen zu Recht, für das beste Originalbuch geehrt. Und gegenüber Mystic River und seinem Regisseur machten die Juroren eine tiefe Verbeugung: Denn beide Preise für Schauspieler an einen Film zu vergeben, dass bedeutet schon die Erklärung, es handele sich um eine künstlerisch herausragende Arbeit. Und Sean Penn, der den Preis auch für 21 Gramm verdient hätte  ein Film, der sich unnötig verrätselt , ist auf dem Wege, ein Nachfolger von Al Paccino zu werden, einer der großen dieses Berufes.

Während sich über Charlize Theron und Monster in Deutschland noch nichts sagen lässt, darf Rene Zellweger als das tatsächlich einzig Sehenswerte gelten, was dem Zuschauer begegnet, wenn er Unterwegs nach Cold Mountain ist. In Bezug auf Peter Weirs Master and Commander erwies sich die schließliche Entscheidung durchdachter als die Nominierung für Regie und Film. Die Tonspur ist exzellent würdigte diese Zeitung zur Premiere, aber ein bester Film war dies in der Tat nicht.

Das war, unter Beobachtung des Umstandes, dass es hier um amerikanische, nicht europäische Juroren geht, wohl tatsächlich Der Herr der Ringe. Die beste Regie allerdings und diese Preis  ist weniger interpretationsfähig als der für den  besten Film, es meint zweifelsfrei Kunst im eigentlichen Sinne, die gab gab es am Mystischen Fluss. Doch der liegt nicht in Mittelerde, das ist sein Fehler. Denn dort lag in dieser Saison die Mitte.

Autor: Henryk Goldberg

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