Mädchen am Sonntag (RP Kahl)

Plaudereien

Der Dok-Film „Mädchen am Sonntag“

Laura Tonke spielt an der Berliner Volksbühne, weil sie zufällig zur rechten Zeit am falschen Ort war. RP. Kahl hingegen ist meist zur falschen Zeit am rechten Ort.

Will sagen, er hat schöne Bilder im falschen Film, denn sie erzählen nichts, sie spreizen sich nur. RP. (vulgo: Rolf Peter) Kahl gibt vor, mit „Mädchen am Sonntag“ vier Schauspielerinnen zu porträtieren, doch tatsächlich porträtiert er seinen Begriff von Ästhetik. Dieser Film liebt nicht seine Protagonistinnen, er liebt seine eigene Schönheit. Der Titel zitiert einen Stummfilm von 1930, und wie in „Menschen am Sonntag“ mischen sich auch hier Dokument und Inszenierung. Authentisch sind die Texte der, tatsächlich alle sehr mädchenhaften, Schauspielerinnen, inszeniert die Räume. Die haben alle einen Chic, Schnee (weiß), Wiese (grün), Nordsee (melancholisch), Wohnung (kaminfeuerbeleuchtet), sie schaffen Konzentration für – Leere. Denn was Laura Tonke, Inga Birkenfeld, Nicolette Krebitz und Katharina Schüttler hier erzählen, die Fragen sind geschnitten, das klingt wie eine impressionistische Plauderei im Cafe. So entstehen keine Porträts, so bleiben ein paar Sätze über die Zweifel an sich selbst, über die Unlust an Sex vor der Kamera. Wer die Frauen nicht, bei anderer Gelegenheit, beim Arbeiten, beim Spielen, sah, kann kaum für sich bewerten, ob dies Kantinenplausch ist oder ernsthaftes Nachdenken denn der Film gibt ihnen keinen Kontext. Kahl erzeugt eine gekonnte Spannung zwischen der Mondäniät der Orte und der Privatheit der Töne, weshalb man diese 80 Minuten durchaus sehen und hören kann – aber sie rauschen vorbei, und wenn es vorbei ist, ist es: vorbei.

Autor: Henryk Goldberg

Text geschrieben  2006

Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine

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