Ein Chamäleon als Held eines Animationsfilms. Darauf muss man erst einmal kommen. Dieses Chamäleon muss zum Wild-West-Helden werden. Wird es auch. Ende. Schluss. – Nicht ganz. Denn diesen Animationsfilm verlässt man überaus angeregt und denkt noch ziemlich lange über vieles nach. Das Team um Regisseur Gore Verbinski („Fluch der Karibik“) bietet nämlich neben viel Klamauk erstaunlich Ernsthaftes, nämlich Gesellschaftskritik. Nicht mehr und nicht weniger als das Grundgesetz des Kapitalismus („Der Stärkere frisst die Schwächeren!“) wird in Frage gestellt.

Das macht den Film staunenswert. Auch erstaunlich: Er ist in Deutschland schon für Zuschauer ab 6 Jahren frei gegeben worden. Ob die auch nur einen Bruchteil des philosophischen Gehalts begreifen können, ist doch sehr zu bezweifeln. Auch der Witz, der sich beispielsweise aus dem schön-schrägen Einsatz klassischer Musik ergibt, dürfte von so jungen Menschen nicht erfasst werden können. Begleitung der Eltern ist also angeraten.

Der Film überzeugt sowohl mit seiner Gestaltung als auch mit der Story. Schade nur: Die deutsche Synchronfassung ist miserabel. Wirft ein Theater-Star wie Otto Mellies als einer der Schurken all sein Können in die Waagschale, so schmieren sich andere durch die Rollen, dass es ein Graus ist. Extra-Tipp also für alle, deren Englisch passabel und besser ist: Das Original ansehen. Da sorgen Könner wie Johnny Depp und Alfred Molina auch akustisch für einen Hochgenuss.

Peter Claus

Rango, Gore Verbinski (USA 2011)

Bilder: Paramount

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