Polnische Ostern (Jakob Ziemnicki)

Im Januar, beim diesjährigen Festival um den Max Ophüls Preis in Saarbrücken, wurde der Schauspieler Henry Hübchen mit einer Filmreihe geehrt. Da fand sich neben Bekanntem, wie „Alles auf Zucker!“, auch Neues und Noch-Unbekanntes, so „Polnische Ostern“.

Hier spielt Hübchen, legendär als Protagonist bei Frank Castorf an der Volksbühne Berlin, einen Großvater, der seine Enkeltochter über alles liebt. Als deren Mutter, seine Tochter, stirbt, wird das Mädchen von Amts wegen zum Vater nach Polen geschickt. Doch der Opa gibt nicht auf. Er macht sich auf den Weg in die Ferne, weil er glaubt, um das Glück des Kindes kämpfen zu müssen. Henry Hübchen erzählte mir in Saabrücken dazu: „Ich bin selber Großvater, und da kann ich mir vieles von dem vorstellen, was in der Figur vor sich geht. Gerade auch in Bezug auf das Thema Einsamkeit. Ja, ich verstehe den Mann total. Auch diese Traurigkeit, die ihn umgibt, ist mir nicht fremd.“

Henry Hübchen spielt hier sehr verhalten. Dazu sagte er mir: „Worte können alles bedeuten, es kommt auf die Haltung an. Der Text ist erst einmal nicht alles. Ich versuche immer herauszufinden, was dahinter steckt, das Wesen, das Eigentliche zu finden. Wenn das gelingt, dann wird es gut.“ Wichtig für das Spiel Hübchens ist „das Weglassen“, wie er es nannte, „sind die Pausen“. An der Figur des Großvaters, des Bäckermeisters Werner Grabosch, hat ihn die genaue soziale Zeichnung gereizt. Henry Hübchen: „Das ist ein Kleinbürger, einer, der seine Vorurteile pflegt, der über einen bestimmten Horizont nie hinaus gekommen ist. Und so etwas Kleinbürgerliches, das ist doch in uns allen drin. Für mich war es spannend, zu zeigen, dass er trotzdem gar nicht so eng in seinem Denken ist.“ Und das ist auch für die Zuschauer das Spannende an diesem Film, dessen Geschichte einen nach anfänglichen Längen mit überraschenden Wendungen fesselt, aber nicht unbedingt vom Hocker haut. Henry Hübchens Interpretation dieses „Stinkstiefels“ aber tut das durchaus.

Peter Claus

Polnische Ostern, Jakob Ziemnicki (Polen / Deutschland 2010)

Bilder: Zorro Film

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