Der Titel ist dusslig, die Story dünn und das Thema abgedroschen. Klar also: „Contry Song“ nicht angucken. – Denkste! Hauptdarstellerin Gwyneth Paltrow, die sich in den letzten Jahren ein wenig rar gemacht hat, entschädigt für alle Mängel. Wer schauspielerische Leidenschaft schätzt, muss sich diese Schmonzette ihretwegen unbedingt ansehen! Nicht allein wegen ihres Spiels, auch weil sie hervorragend singt. Immerhin hat ihr dieser Film – der bei US-Kritik und -Publikum ziemlich durchgerasselt ist – das Angebot eines Plattenvertrags als Country-Lady eingebracht.

Die Story in Stichworten: Nachwuchs-Sänger Beau Hutton (Garrett Hedlund), Country-Star Kelly Canter (Gwyneth Paltrow), ihr Gatte James (Tim McGraw) und dessen Liebschaft (Leighton Meester) geraten in ein kompliziertes Geflecht aus Liebe, Alkoholsucht und der Albtraumwelt des Showgeschäfts.

Das liest sich nicht nur nach Kitsch, das ist Kitsch. Das Drehbuch von Shana Feste, die auch Regie führte, trieft nur so von Klischees und Psycho-Quark. Ernster zu nehmende Spielfilme zum Thema Alkoholmissbrauch gab es bereits zuhauf, auch aus Hollywood, etwa Billy Wilders legendärer Spielfilm „The Lost Weekend“, das schon mehrfach verfilmte Show-Biz-Drama „A Star is Born“ oder, jüngst erst, „Crazy Heart“. Wieso es das schwache Drehbuch ins Produktionsstadium geschafft hat, ist nicht zu verstehen.

Aber, sei’s drum: Was Gwyneth Paltrow aus ihrer Rolle macht, was auch mit, neben ihr und um sie herum an Schauspiel geboten wird, das ist erstklassig. Vor allem Tim McGraw und Garrett Hedlund wirken neben der Hauptdarstellerin souverän und glaubwürdig. Damit tragen sie Gwyneth Paltrow, die in einigen exzessiven Szenen bis an die Grenze des Erträglichen geht, diese Grenze aber nie überschreitet.

Peter Claus

Country Strong, Shana Feste (USA 2010)

Bilder: Sony Pictures

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