Bekannt wurde Mike Mills als Grafikdesigner und durch Musikvideos. Schon Yoko Ono lobte sein Können. Mit der Romanadaption „Thumbsuckers“ gab er 2005/06 sein Debüt als Spielfilmregisseur – und überzeugte mit schönster Eigenwilligkeit. Insbesondere sein Gespür fürs Skurrile und Satirische beeindruckte. 2007 überraschte er dann mit einer Dokumentation zum Thema Depression.

„Beginners“ nun ist eine, was den Stil angeht, konventionelle Komödie. Formale Besonderheiten fallen kaum ins Auge. Aber auch hier sind großartige Schauspieler zu bewundern: Ewan McGregor, Mélanie Laurent, Christopher Plummer. Das Beste: Mills und seine Akteure erzählen mit einer Herzenswärme, die einen tatsächlich überrumpelt und im Handumdrehen gefangen nimmt. Gut möglich, dass es für den Autor und Regisseur entscheidend war, wie persönlich er dem Film verbunden ist. Die komplexe Geschichte um einen Vater-Sohn-Konflikt soll weitestgehend auf eigenen Erfahrungen von Mills beruhen, auch was die sexuelle Neuorientierung des Vaters angeht.

Vordergründig wird die vertrackte Lovestory des Grafikdesigner Oliver (Ewan McGregor) und der Schauspielerin Anna (Mélanie Laurent) erzählt. Doch entscheidend – und da wird’s wirklich hintergründig – sind die Erkundungen des Seelenlebens der Beiden. Und das wird bei Oliver insbesondere vom Tod der Eltern geprägt. Der der Mutter liegt schon etwas länger zurück, der des Vaters noch nicht. Und zu seinem Vater hatte Oliver erst nach dem Tod der Mutter ein wirklich herzliches Verhältnis. Eine besondere Rolle spielte, dass der alte Herr sich als Witwer zu seiner Homosexualität bekannte, für den kurzen Rest seines Lebens völlig neu durchstartete und vielleicht zum ersten Mal wirklich glücklich war.

Mike Mills hält geschickt die Balance von Komik und Tragik. Durchgehend leise im Ton, kann er selbst Trauriges mit einem Lächeln im Knopfloch servieren. Die sensible Inszenierung unterstützt das selbstverständlich. Und das tun die Schauspieler. Bei Ewan McGregor und Mélanie Laurent meint man es wirklich knistern zu spüren; und Alt-Star Christopher Plummer als Senior, der sich endlich traut, zu sich selbst zu stehen, ist einfach hinreißend. Nicht ein Moment gerät auch nur in die Nähe von Kitsch!

Wer mag, kann den Film schlicht als lässige Vater-Sohn-Komödie mit verhaltenen Momenten genießen. Mit Lust am Nachdenken lässt sich jedoch mehr entdecken. Mike Mills denkt hier nämlich sehr klug über ein Problem nach, das wohl viele Menschen kennen: Wie nur soll man sich eine Zukunft aufbauen, wenn die eigene Vergangenheit eine Last ist? Die Antworten, die Mike Mills gibt, sind so originell wie bedenkenswert.

Peter Claus

Beginners, Mike Mills (USA 2010)

Bilder: Universal Pictures

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