Midnight in Paris (Woody Allen)

Woody Allen lässt uns staunen. Nein, nicht weil ihm wieder ein überaus charmantes und skurriles Kino-Märchen gelungen ist, sondern weil er aus Owen Wilson einen Schauspieler gemacht hat.

Bisher vor allem als mehr oder weniger munterer Clown bekannt, darf der Blondschopf diesmal wirklich einen Charakter gestalten. Der, ein Drehbuchautor mit wilden Hoffnungen auf die große respektable Karriere als ernst zu nehmender Schriftsteller, stürzt in Paris in noch wildere Träume: Zur Geisterstunde taucht er ab ins Paris der 1920er Jahre. Dort trifft er Ikonen wie Ernest Hemingway, Pablo Picasso, F. Scott Fitzgerald samt Gattin Zelda und Cole Porter, und Gertrude Stein fehlt natürlich auch nicht.

Aha, ein Film für Bücherwürmer und Literaturkenner. Unsinn! Selbst wer von all den berühmten Leuten, die da auftauchen, noch nie etwas gehört hat, kann sich köstlich amüsieren. Einzig nötige Voraussetzung: man muss Spaß an eher leiserem Humor und skurrilem Witz haben!

Woody Allen zeigt keine Wirklichkeit, weder in den Szenen, die in der Gegenwart spielen, noch in denen, die in die Vergangenheit entführen. Stattdessen spielt er lustvoll mit allen sattsam bekannten Klischees. Damit wird der Spaß auch zu einer Liebeserklärung an die französische Hauptstadt, allerdings, an eine Stadt, die es so nie gab und wohl auch nie geben wird.

Owen Wilson liefert als Gil Pender seine bisher beste Darstellung ab. Es wäre leicht gewesen, den naiven Träumer als Trottel zu denunzieren. Doch das bleibt aus. Gil wird, wie der Handlungsort, zum Ideal eines sensiblen Menschen, der seinen ganz persönlichen Idealen kompromisslos zu folgen versucht. Neben und mit ihm agiert ein Star-Ensemble, das sich sehen lassen kann, und das offenkundig voller Lust agiert, mag der Auftritt auch noch so klein sein.

Peter Claus

Midnight in Paris, Woody Allen (USA 2011)

Bilder: Concorde Filmverleih

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