Wir schaffen das schon (Giulio Manfredonia)

In den 1970er Jahren galt Italien als führend in Sachen Betreuung psychisch Kranker. In der Theorie. Die Praxis sah anders aus. Es fehlte allenthalben an Mitteln und Möglichkeiten. Tiefpunkt der Misere: 1978 wurden sämtliche psychiatrischen Anstalten dicht gemacht. Inzwischen hat sich die Lage zwar wieder etwas verändert, aber das entsprechende Gesetz gilt nach wie vor. Folge: Viele finanzschwache Gemeinden müssen auf Deibel komm raus Sorge für ihre kopfkranken Mitbürger tragen.

Das überaus ernste Problem ist Ausgangspunkt dieser Komödie. Regisseur Giulio Manfredonia hat sie mit bezwingender Leichtigkeit inszeniert, ohne je ins Grobschlächtige abzudriften. Der Film, der in Italien einen riesigen Publikumszuspruch hatte und dort als „Oscar“-Favorit galt, kommt jetzt – mit drei Jahren Verspätung! – in die deutschen Kinos. Dem Verleih sei Dank!

Die Story führt in die frühen 1980er Jahre nach Mailand. Nello (Claudio Bisio), ein politisch linker Mann der Gewerkschaft, wird Leiter einer Arbeitsgruppe für elf psychisch Kranke. Es sollte kein Problem sein, denn dank reichlicher Medikamentenzufuhr können die „Irren“ in Schach gehalten werden. Doch Nello will wirklich etwas bewirken. Er schafft es, dass seine Schäfchen nicht nur in sinnloser Beschäftigungstherapie vergammeln, sondern als Parkettleger auf dem freien Markt groß raus kommen.

Das Drehbuch und Hauptdarsteller Claudio Bisio sorgen mit klugen Gags und einiger Gefühlstiefe dafür, dass Nello nicht zur Karikatur eines Heiligen verkommt. Der Mann vertritt durchaus handfeste kapitalistische Interessen. Doch er bleibt immer Mensch. Das macht ihn schließlich zu so etwas wie einem Wohltäter. Da die Geschichte auch Trauriges nicht ausspart, Misserfolge beruflicher und privater Art beispielsweise, bleibt sie durchweg glaubwürdig. Und nicht allein das. Sie entwickelt eine mitreißende Dynamik, der man sich nicht entziehen kann – wenn man Komödien mag, die bei allem Witz sehr genau Wirklichkeit spiegeln.

Peter Claus

Wir schaffen das schon, Giulio Manfredonia (Italien 2008)

Bilder: Kairos Filmverleih 

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