Anonymus (Roland Emmerich)

Roland Emmerich liebt Katastrophen und Klamauk. Große Unterhaltungserfolge, wie „Independence Day“ und „The Day after Tomorrow“ stehen dafür. Diesmal bleibt’s beim Klamauk – und ist derart unterhaltsam, wie kein Emmerich-Film zuvor.

Eine uralte Verschwörungstheorie wird verwurschtelt – die, dass Shakespeare sonst was war, nur kein genialer Dichter. Experten sagen, alles Quatsch. Das Kino zeigt nun: Ob Quatsch oder nicht, lustig ist’s und macht einen Höllenspaß.

Also: Ab nach good old England, damals, zur Zeit von Queen Elizabeth I., verkörpert in jung von Joely Richardson, in späteren Jahren von Vanessa Redgrave. Die Königin hat jede Menge Zoff mit Intrigen und anderen Misslichkeiten, verantwortet in der Regel von miesen Mannsbildern. Ex-Schauspieler William Shakespeare (Rafe Spall) mausert sich derweil zum Erfolgsautor. Den will die Königin an ihrer Seite wissen. Denn ihr ist klar: Kunst ist eine prima Propagandawaffe. Selbst das gekrönte Haupt ahnt nicht, dass der Dichter gar kein Dichter ist. Er ist ein Strohmann. Der Graf von Oxford (Rhys Ifans), der sich als Adliger nicht zu seiner Theaterleidenschaft bekennen darf, ist das Genie. Kommt’s raus? Wen wird er in all den Ränken unterstützen? Und was wird, ganz nebenbei, aus Shakespeare?

Nach einer im New York der Gegenwart spielenden Eingangsszene geht’s flott in die Historie, wobei es in der Rückblende gleich noch eine gibt und noch eine. Klingt kompliziert? Ja, ist es aber nicht. Emmerich inszenierte stringent und klar. Man findet sich leicht zurecht. Vor allem: Das Amüsement ist groß. Denn Emmerich hat mit Lust am Komödiantischen inszeniert, genau wie es sich für Shakespeare gehört. War der nun ein Dichter oder nicht? Der Film wird die Legende stärken, dass er nichts als ein Scharlatan gewesen ist. Nur eins wird mit Sicherheit bleiben: die Schönheit, die Größe, ja, das Genie seiner Stücke.

Rhys Ifans gibt hier die beste Vorstellung seiner bisherigen Laufbahn. Bei allem Spaß, geht der Ernst des Stoffes Dank seiner Charakterisierungskunst nicht verloren. Und dann die Redgrave! So schnell sollte sich jetzt keine Schauspielerin wieder an die Verkörperung der in die Jahre gekommenen Elisabeth I. wagen!

Viel Anlass also für Vergnügen. Wer üppige Historienschinken voller Lust und Liebe und Leid und Herz-Schmerz mag, wird bestens bedient.

Peter Claus

Anonymus, Roland Emmerich (Großbritannien/ Deutschland 2011)

Bilder: Sony Pictures

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