Die Werbung spricht vom „Neuen ‚Lawrence von Arabien’“ – und verhebt sich damit kräftig. Die Klasse des vor einem Vierteljahrhundert herausgekommenen „Wüstenepos“ von Regisseur David Lean erreicht Jean-Jacques Annaud mit seinem Film nicht. Aber: Fans von saftigen Abenteuerschinken bietet er pralle Unterhaltung. Und das ist ja auch was.

Die Story blickt auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Auf der Arabischen Halbinsel herrschen noch fast ausschließlich die archaischen Regeln kriegerischer Stammesgesellschaften. Doch der Kapitalismus hält Einkehr: Erdöl wird entdeckt – und verändert die Welt. Ein Politdrama also? I wo! Es geht um Liebe, Träume, Hass: Prinz und Prinzessin und der Sturm ihrer Gefühle sind das A und O. Alles andere ist nur Zutat.

Vorlage des Films ist der 1957 erschienene Roman „Der schwarze Durst“ von Hans Ruesch. Das Buch wurde sicher auch deshalb ein ziemlicher Erfolg, weil der Schweizer Autor als Rennfahrer einige Popularität genoss. Er jedoch hatte durchaus einen klaren Blick auf soziale Fragen und spiegelte die in seiner Erzählung. Im Film spielen sie kaum eine Rolle. Hier geht es mehr um ein wohliges „1000 und eine Nacht“-Flair. Die Botschaft von der Notwendigkeit des Zusammenkommens verschiedener Kulturen wirkt lediglich als Zutat.

Der Unterhaltungswert ist aber, wenn man den Film als Märchen betrachtet, nicht klein. Was auch prominenten Schauspielern zu danken ist, vor allem Antonio Banderas und Mark Strong in den (Neben-)Rollen zweier Widersacher. Freida Pinto hingegen, die in „Slumdog Millionaire“ begeisterte, hat als Prinzessin zu wenig Spielraum, um wirklich mehr denn Schönheit zu entfalten. Tahar Rahim, der in „Ein Prophet“ begeisterte, hat als Prinz schon mehr Möglichkeiten. Doch auch seine Figur bleibt mehr Typ als dass sie zum Charakter reifen könnte. Große Ansprüche also werden nicht bedient. Der nach gefälliger Traumfabrik jedoch mit ziemlichem Geschick.

Peter Claus

Black Gold, von Jean-Jacques Annaud (Frankreich, Katar 2011)

Bilder: Universal Pictures

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