Grad erst hat „The Artist“ alle Filmverrückten in Verzückung geraten lassen. Und nun „Hugo Cabret“. Auch Martin Scorsese beschwört die Kraft des Kinos von einst. Allerdings auf sehr, sehr anderem Weg, und das nicht nur, weil der Regie-Star auf 3D-Technik setzt.

Martin Scorsese, bekennender Kino-Narr, setzt Georges Méliès, einem der Pioniere des Kintopp, der zwischen 1896 und 1912 mehr als fünfhundert Filme gedreht haben soll, ein Denkmal. Méliès, der 1902 mit der Jules Verne-Verfilmung „Die Reise zum Mond“ das Science-Fiction Genre begründete, war ein Mann, der schon zu seinen Lebzeiten lange vergessen wurde, ein klägliches Leben fristete, und erst in den letzten Jahren, nachdem sein Werk wiederentdeckt worden war, ein wenig zur Ruhe kam.

Die irrwitzige, verrückte Handlung spielt im Winter 1931 in einem Pariser Bahnhof und drumherum. Kern des Märchens: der 12-jährige Hugo Cabret (Asa Butterfield) lüftet nach einigen Abenteuern das Lebensgeheimnis des betagten Spielzeughändlers Georges (Ben Kingsley) – und führt das Publikum so in die Wunderwelt des frühen Kinos.

Martin Scorsese nimmt sich wunderbar viel Zeit, um die Zuschauer in die Welt seines Märchens das viele Bezüge zur Realität hat zu geleiten. Manchmal grüßen da „Die fabelhafte Welt der Amelie“, der Rausch des Musicals „Can-Can“ und der Charme von Colettes „Gigi“. Die 3D-Technik ermöglicht – fern von krachender Effekthascherei – wirklich magische Tableaus, vor allem der Szenerie des Bahnhofs. Hier macht die Technik mal wieder, selten genug kommt’s vor, wirklich Sinn. Diese Bilder, die Kostüme, der Musikeinsatz, das Schauspiel – kurz: alles – ergeben ein berauschend schönes Kino-Kunstwerk – dessen Finale wohl alle, die die siebte Kunst wirklich lieben, zu Tränen rührt.

Das exzellente Schauspielteam wird vom 13-jährigen Asa Butterfield in der Titelrolle angeführt. Ebenso bravourös: Chloe Moretz, Ben Kingsley und Jude Law. Sie spielen mit ihm und ihm zu. Der Clou: Sacha Baron Cohen. Der Mann, der mit „Borat“ und „Brüno“ wohl einige verschreckt hat, darf auf die Pauke hauen, Slapstick vom Feinsten hinlegen und – Überraschung – völlig unerwartet auch auf der Klaviatur der Gefühle spielen, und das sehr fein. Rundum also ein Vergnügen – für alle, die’s märchenhaft schön mögen, und die einem Schlüsselsatz des Films gern misstrauen: „Ein Happy End gibt’s nur im Kino.“

Peter Claus

Hugo Cabret, von Martin Scorsese (USA 2011)

Bilder: Paramount

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