Klingt durchgedreht: Ein Witwer entdeckt in einer Kuh die Seele seiner verstorbenen Frau. – Ist auch durchgedreht – auf schönste Art.

Trauer nicht in Schwarz, sondern in grellbunt. – So ließe sich diese herrliche Farce überschreiben. Die Geschichte des Pianisten Bogdan, der auf dem Land nur mühsam über den Tod seiner Frau hinwegkommt, bis er dann mit einer Kuh eine höchst merkwürdige „Lovestory“ erlebt, überrascht nicht nur durch das, was erzählt wird, sondern auch dadurch, wie. Der Ton der Erzählung trumpft nämlich klugerweise nicht mit „Verrücktem“ auf, sondern mit fast konventioneller Schlichtheit. Und genau deshalb, nimmt man den Film im Handumdrehen an.

Der polnische Regisseur Radek Wegrzyn, der an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg studiert hat, verbindet Elemente des Dramas, des Schwanks, der Komödie und Satire zu einer wirklich originellen Anleitung, wie man selbst in schwersten Momenten dem Leben Gutes abgewinnen kann. Da wird’s auch mal derb und deftig, bleibt jedoch durchweg hintergründig.

Mich hat der Film an turbulente Dorf- und Sitten-Komödien aus dem Italien der 1950er Jahre erinnert. Wie in ihnen, wird hier unbekümmert, auch mal frech, immer mit Liebe zum Menschlich-Allzumenschlichen die Lust am Leben gefeiert. Das haut die Filmgeschichte nicht um. Aber diese Lust überträgt sich eins-zu-eins auf den Zuschauer. Ein Geschenk in diesen wahrlich nicht sehr lustigen Zeiten!

Peter Claus

Sommer auf dem Land, von Radek Wegrzyn (Deutschland, Polen, Finnland 2011)

Bilder: Farbfilm (24 Bilder)

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