Quartett (Dustin Hoffman)

Schauspiel-Star Dustin Hoffman als Regie-Debütant. Kann er’s? Ja, er kann’s! Für seinen offiziellen Erstling als Regisseur (er hat früher schon einmal „nebenbei“ mitinszeniert) hat er sich den Boulevard-Bühnen-Hit „Quartett“ ausgesucht. Ronald Harwoods launige Komödie über das Älterwerden basiert wiederum auf dem wunderbaren Dokumentarfilm „Il Bacio di Tosca“ („Der Kuss der Tosca“). Darin porträtierte der Schweizer Daniel Schmid 1983/84 Bewohner, vor allem Bewohnerinnen, des einst von Verdi in Mailand gegründeten Seniorenheims für betagte Musiker und Opernsänger. Harwood hat aus dem Stoff eine Konversationskomödie gemacht – Futter für tolle Schauspieler. Die hat sich Hoffman geholt: Maggie Smith, Billy Connolly, Pauline Collins, Michael Gambon und Tom Courtenay.

Die Akteure veredeln die Schmonzette ungemein. Das Stück schwelgt in Sentimentalität, ist recht fern des Alltags durchschnittlicher Seniorinnen und Senioren. Der Film wirkt erstaunlich lebenswahr. Die Story in Stichworten: Stress im Seniorenheim. Eine Gala zu Ehren von Verdi steht an. Alle üben. Auch Cecily (Pauline Collins), Wilfred (Billy Connolly) und Reginald (Tom Courtenay) wollen glänzen. Mit dem Auftauchen von Jean (Maggie Smith) als neuer Mitbewohnerin ergibt sich die tolle Chance, noch einmal mit dem berühmten Quartett aus Verdis „Rigoletto“ zu glänzen. Blöd nur, dass Jean, Ex übrigens von Reginald, zickt und „Nein!“ sagt. Das Trio unternimmt alles, um das Quartett doch noch hinzukriegen – und, klar, ein Chaos entsteht – und nicht nur ein Chaos der Gefühle.

Harnverhaltung, Demenz, Herzschwäche – so mancher Schrecken des Alters wird gezeigt. Doch sanftes Licht und eine über allem liegende Sonnenschein-Mentalität versüßen das Bittere. Die Kunst der Darsteller, Harwoods pointierte Dialoge und Hoffmans sensible Inszenierung (er ist ja nun auch schon 75) sorgen dafür, dass bei allem bösen Witz die Würde der Figuren unangetastet bleibt. Man lacht stets mit ihnen, nie über die Protagonisten. Vor allem Maggie Smith und Tom Courteney begeistern – und lassen mit ihrer großen Kunst der Charakterzeichnung mit kleinsten Mitteln selbst das recht überzogene Happy End absolut glaubwürdig erscheinen.

„Quartett“ bietet im besten Sinn altmodische Unterhaltung – ausgefeilt, gediegen, intelligent, charmant. Schönste Traumfabrik!

Peter Claus

Quartett, von Dustin Hoffman (Großbritannien 2012)

Bilder: Headline Pictures/BBC Films

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