Eine Perle des Unterhaltungskinos! – Schon kurz nach dem Auftakt ist klar, dass dies keine Liebeskomödie nach üblichen Strickmustern ist. Dabei beginnt die Geschichte wie so viele: Boy meets Girl. Er heißt Nicolas (Pio Marmai), sie Barbara (Louise Bourgoin). Die Zwei schweben auf rosaroten Wolken. Sie sind glücklich, als sich Nachwuchs ankündigt. Doch dann wird’s schwierig. Denn Barbara hat mehr und mehr das Gefühl, in ihr wachse „etwas“, dass sie vielleicht gar nicht mag. Und das ist nicht das einzige Problem…

Tucholsky schrieb ja mal, dass im Kino beim Happy End „jewöhnlich abjeblend“ werden würde. ’S ist wohl so. Hier jedoch wird danach überhaupt erst aufgeblendet. Und das mit Lust an Wahrhaftigkeit. Endlich einmal werden eine Schwangerschaft und Elternschaft nicht verklärt, sondern gezeigt als das, was sie immer sind: eine recht komplizierte Angelegenheit, die nicht nur Freude schenken kann, sondern manchmal eben auch Kummer bedeutet.

Regisseur Rémi Bezançons hat den autobiographischen Roman von Eliette Abécassis mit Gespür für Zwischentöne inszeniert. Nichts da mit den insbesondere in Hollywood-Filmen üblichen Schöner-Wohnen-Wonnen. Oft sehr komisch, dabei immer gefühlvoll, wird die Erzählung vor allem aus dem Blickwinkel von Nicolas durchgeblättert. Dabei wird der junge Mann mit seinem Staunen und seiner Hilflosigkeit nie denunziert, sondern als Partner ernst genommen. Das ist behutsam und berührt gerade darum. Unterhaltung für Leute, die das Gehirn im Kino gern eingeschaltet lassen.

Peter Claus

Ein freudiges Ereignis, von Rémi Bezançons (Frankreich 2011)

Bilder: Camino (Filmagentinnen)

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