1998 kam die Romanadaption „Solo für Klarinette“ von Regisseur Nico Hofmann in die Kinos und fiel trotz imponierender Besetzung mit Corinna Harfouch und Götz George in den Hauptrollen durch. Der erotische Psychothriller nach dem Buch von Elsa Lewin war ein grandioser Misserfolg. Schade, dass der Film nicht noch einmal gestartet wird. Gut möglich, dass er heute, lange nach dem Ende der so genannten Spaßgesellschaft, besser ankäme. Verdient hätte es der Film!

Hofmann hatte die Handlung aus New York nach Berlin verlegt. Die schon 2011 gedrehte Neuverfilmung des Buches spielt nun in London. Und bleibt in der Qualität weit hinter Hofmanns Thriller zurück. Die Story folgt der Vorlage: reifere Frau und auch nicht mehr ganz junger Mann versuchen, eine unmögliche Liebe zu leben. Charlotte Rampling und Gabriel Byrne sind diesmal die Protagonisten. Beide spielen exzellent. Doch Regisseur Barnaby Southcombe, der Sohn von Charlotte Rampling, hat nicht genug Gespür dafür, eine starke Atmosphäre aufzubauen. Die Story der einsamen Anna und des nicht minder einsamen Kommissars Bernie beginnt mit einem Mord. Im Buch wird davon nicht in Krimi-Manier erzählt. Es geht ganz um die psychologischen Verästelungen. Bei Hofmann sorgte die Suche nach dem Täter für Spannung. Eine konsequente Neubearbeitung des Stoffes. Southcombe mogelt diesbezüglich etwas rum, verrät zwar, wie im Buch, wer die Tat begangen hat, setzt aber dennoch halbherzig auf Krimielemente. Das Eigentliche, das Drama, das aus Einsamkeit erwachsen kann, gerät dabei zu sehr an den Rand der Erzählung. Die Notwendigkeit, eine Handlung abzuspulen, geht zu Lasten der Figurenzeichnung. Da können auch die zwei Weltstars nichts retten. Sie haben schlichtweg zu wenig zu spielen. Das war bei Hofmann anders. Man sehnt sich geradezu nach Harfouch und George. Da ist wohl mal wieder der Gang zum DVD-Verleih angesagt.

Peter Claus

I, Anna, von Barnaby Southcombe (Frankreich/ Großbritannien/ Deutschland 2011)

Bilder: NFP

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