Was soll man über den erneuten Auftritt von Robert Downey jr. als „Iron Man“ schon groß schreiben können? Ist ja klar, dass die Story auf Spannung setzt, raffinierte Tricktechnik zum Einsatz kommt, jede Menge Action geliefert wird und sowieso und außerdem, dass die Schauspieler genregemäß perfekt agieren. Aber: der Film lässt einen auch staunen, weil Unerwartetes geboten wird. Überraschenderweise wird nämlich die Titelfigur als Mensch erkundet. Nicht Iron Man steht im Zentrum, sondern der Mann, der Iron Man spielt, der Erfinder Tony Stark (Robert Downey jr.), Milliardär, Playboy und Ex-Waffenproduzent. Es ist ein technisch genialer Anzug, der ihn zu Iron Man werden lässt. Und der Film zeigt, was Tony kann und wer er ist, wenn der Anzug nicht rund um die Uhr funktioniert. Die Technik streikt. Der starke Mann aus der Welt der Comic-Factory Marvel ist also auf den Einsatz seiner persönliche Kraft und Intelligenz angewiesen. Sein Kampf gilt einem Bösewicht namens Mandarin (Ben Kingsley). Der terrorisiert die Welt mit mörderischen Attacken. Iron Mans Feldzug gegen den Unhold wird bildgewaltig in 3D-Format vorgeführt. Regisseur Shane Black, bisher vor allem als Drehbuchautor erfolgreich, hat sich jedoch nicht dazu verführen lassen, die Tricktechnik in den Vordergrund zu rücken. Mit durchaus feinsinnigem Witz und dazu einer gehörigen Portion Emotionalität erzählt er vor allem die Geschichte eines Mannes, der seine eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten begreifen lernt, um sie dann für den Sieg des Guten einzusetzen. Dabei erscheint Tony Stark nicht als selbstloser Menschenfreund mit Heiligenschein. Seine ganz und gar eigennützigen Motive fallen nicht unter den Tisch. Natürlich sind auch die edel, denn es gilt für Tony, ihm persönlich nah stehende Leute zu schützen.

Hauptdarsteller Robert Downey jr. strahlt eine selbstverständliche Virilität fern von dümmlichem Machogehabe aus. Gerade, zeigt Verletzlichkeit und Selbstironie. Drum glaubt man ihm den über sich hinaus wachsenden Tony Stark. Die Fantasy-Comic-Figur wird dank des Schauspielers zu einem wirklichen Charakter, dem man als Zuschauer gern die Daumen drückt. Don Cheadle in der Rolle von Tonys Freund Rhodey besteht mit Charme und Kraft neben dem Hauptdarsteller. Die Zwei ergänzen einander aufs Beste. Gwyneth Paltrow als Tonys große Liebe Virginia „Pepper“ Potts darf erfreulicherweise mehr als schöne Augenweide sein. In einer besonders gelungenen Szene tritt sie sogar als Iron Woman auf und sorgt damit für ein Höchstmaß an Spannung. Aber auch für die von ihr mit Sex Appeal und viel Humor verkörperte Sirene gilt: die menschlichen Qualitäten sind das A und O, es ist nicht die Technik. Am Ende zählt allein die innere Stärke. Die gewichtige Botschaft wird übrigens recht früh verkündet, wenn, bezogen auf die Waffenproduktion, der Satz fällt „Wir schaffen unsere eigenen Dämonen“. Doch keine Sorge! Pseudophilosophisch dröge geht es nicht zu. Der Spaß an Fantasy und Thrill ist enorm. Regie und Drehbuch lassen ihren Anspruch der Reflexion von durchaus Ernsthaftem zwar deutlich erkennen, doch bedienen sie vor allem das Bedürfnis nach ausgeklügelter Unterhaltung. Dennoch reicht’s sogar für ein paar kritische Gedanken zu Themen wie einer fatalen Macht gewisser Medien und den Grenzen der internationalen Terrorbekämpfung. Für einen Blockbuster ist das überaus erstaunlich. Ein schauspielerisches Glanzstück liefert Guy Pearce, der als Aldrich Killian neben dem bestechenden Ben Kingsley einen weiteren Schurken und damit eine Schlüsselfigur mimt. Pearce erweist sich gleichsam als Mann mit unzähligen Gesichtern. Vielen dürfte sich allerdings besonders Ty Simpkins einprägen. Er verkörpert den achtjährigen Harley, einen Iron-Man-Fan, der für entscheidende Entwicklungen der Erzählung sorgt. Neben dem kindlichen Nachwuchsgenie sieht Tony Stark für einen Moment echt alt aus. Wie auch schon zu Beginn der Geschichte. Da wirkt er arg gebeutelt von seinem vorjährigen Einsatz samt Nahtoderfahrung in „The Avengers“. Der Schrecken darüber, keineswegs unsterblich zu sein, und die Konfrontation mit anderen Superheldinnen und -helden, wie zum Beispiel Black Wido, Hulk und Thor, haben ihm das Überlegenheitsgefühl der Einmaligkeit genommen. Der beinahe schon depressiv anmutende Tony weiß: Helden gibt’s im Dutzend billiger. Sie drohen zur Ramschware zu werden. Auch dagegen setzt er sich mit seinem erneuten Einsatz als Retter der Welt erfolgreich zur Wehr. Dabei hat er es diesmal mit einigen überaus gruseligen Widersachern zu tun. Für den Mandarin treten nämlich Typen einer „Die zehn Ringe“ genannten Organisation an, die innerlich derart glühen, dass sie alles, was sie anfassen, ob Stahlträger oder eben den Iron-Man-Anzug, zum Brennen bringen und damit zerstören können. Diese Wesen können sogar explodieren und dann im Handumdrehen scheinbar unversehrt im Flammenmeer wieder auferstehen.

Die besondere Qualität des Films wird übrigens gleich zu Beginn mit einer Rückblende auf Silvester 1999 deutlich, in der die Ursachen für den aktuellen Clinch aufleuchten. Der Soundtrack dazu besticht mit dem damals populären Hit „Blue (Da Ba Dee)“ des italienischen Trios Eiffel 65. So wird auch noch musikalisch signalisiert, dass Scherz, Ironie und tiefere Bedeutung einträchtig zusammenwirken. Und das mit vielen überraschenden Einfällen, die vorab nicht verraten werden dürfen. Nur ein Tipp für alle, die bisher keine eisernen Fans der Marvel-Comic-Verfilmungen sind: Auf keinen Fall schon während des Abspanns aus dem Kino gehen. Danach geht’s nämlich noch a bisserl weiter!

Peter Claus

Iron Man 3, von Shane Black (USA 2013)

Bilder: Concorde Film

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