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Fellini lässt grüßen. Angesichts des neuen Films von Paolo Sorrentino muss man einfach an „La Dolce Vita“ denken. Überraschenderweise hält Sorrentinos Rom-Alptraum den Vergleich nicht nur gut aus. Der Film besteht als moderne Variante der alten Saga.

Die Story in Stichworten: Jep (Toni Servillo), vor Jahrzehnten als Romanautor gefeiert, inzwischen als Journalist arbeitend, strolcht durch Rom. Manchmal flaniert er auch. Immer hält er Ausschau nach dem besonderen Kick. Er findet ihn kaum. Denn die Oberflächlichkeit der ewigen Stadt ödet ihn an. Als er an seinem 65. Geburtstag so sorrentino_320etwas wie einen Rückblick auf all die verschwendeten Jahre wagt, muss er begreifen, dass er selbst genauso oberflächlich ist, wie die Stadt, an die ihn nichts als Hassliebe kettet.

Sorrentino gelingt es tatsächlich, so etwas wie die Seele Roms zu finden. Dabei ist der Titel wörtlich zu nehmen: die große Schönheit. Da große Schönheit immer auch etwas Morbides hat, ist von vornherein für ein facettenreiches Porträt gesorgt. Das schmückt Sorrentino mit vielen kleinen Geschichten, mit Randbemerkungen, mit Beobachtungen, in Stimmungen. Alles Moll wird dabei stets von auch durchaus schrillem Humor begleitet. Wie im wahren Leben, so ist auch hier das Tragische stets von Witz flankiert. Die High Society Roms als Spiegel der bürgerlichen Gesellschaft? Das funktionierte vor mehr als einem halben Jahrhundert bei Fellini, und das funktioniert auch jetzt. Damals war es Marcello Mastroianni, der das Publikum durch das Panoptikum leitete. Diesmal ist es Toni Servillo. Ihm ist die flirrende Erotik eines Mastroianni nicht zueigen. Dafür wirkt er bei allem elitären Gehabe doch sehr wie der gutsituierte Mann von nebenan und taugt damit prachtvoll zur Identifikation. Wenn sich da in einer Schlüsselszene Flamingos auf eine Reise ins Ungewisse machen, ahnt man, wie nah man diesem Römer selbst ist, egal, ob man in einer Metropole wie Rom oder in Kleinkleckersdorf zuhause ist.

Peter Claus

La Grande Bellezza, von Paolo Sorrentino (Italien 2013)

Bilder: DCM

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