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Die berühmte Waisenkind-Geschichte neu erzählt: auf einer Insel wird ein Wesen gefunden, vielleicht Mädchen, vielleicht Junge. Das „etwas“ wird vom Ordnungshüter in einen Käfig gesperrt. Die/der Fremde wird als Bedrohung empfunden. Gefahr zieht auf…

hauser_320Regisseur Davide Manuli erzählt mit Gespür für Überraschungen. Dazu gehört, dass er auf die Kino-Kraft von Rätseln, von Unausgesprochenem, von Nicht-Gezeigtem vertraut, also auf die Phantasie des Publikums. Im Zentrum steht Vincent Gallo in einer Doppelrolle, als Gesetzeshüter und als Verbrecher. Der charismatische Star ist in diesem Film so etwas wie die Verkörperung der Techno-Klänge des Musikers Vitalic, der den Sound kreiert hat: bizarr, sanftmütig und zornig zugleich, seltsam schön, voller Kraft und Lust. Wie auch die Landschaft Sardinien, wo die scharf kontrastierten Schwarz-Weiß-Bilder gedreht worden sind.

Der Film erschließt sich nicht über die Geschichte. Die ist nichts als die Andeutung einer Erinnerung an den wirklichen Kaspar Hauser. Man muss sich als Zuschauer den visuellen und akustischen Reizen voller Entdeckerfreude hingeben. Nicht alles ist zu verstehen oder zu entschlüsseln, immer sind wohl viele Deutungen möglich. Der Film erweist sich als variantenreiches Puzzle – und damit als regelrechte Erholung vom Gleichmaß des derzeit doch recht uniformiert anmutenden Kino-Angebots.

Peter Claus

The Legend of Kaspar Hauser, von Davide Manuli (Italien 2011)

Bilder: Filmperlen

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