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Kein sehr attraktiver Titel, und die Story in Stichworten lockt auch nicht grad heftig: todkranke Frau um die 50 trainiert verbissen, um von Dover nach Calais zu schwimmen. Aber: unbedingt ansehen!

Die Geschichte, die erzählt wird, erweist sich als angenehm kompakt: Natürlich wird der Kraftakt dieser Beate (Steffi Kühnert) gezeigt, doch viel wichtiger als das sind die Szenen, die um die Veränderungen ihrer Persönlichkeit und damit ihrer Freundschaften und Familienbeziehungen frau_320kreisen. Ja, am Ende geht’s in den Ärmelkanal. Doch das ist so gut gefilmt, und die Erzählung vorher so stark, dass selbst Sportmuffel mit Spannung im Kino sitzen.

Beate wird von Steffi Kühnert zunächst als selbstloses Muttertier gezeichnet. Tochter Rike (Christina Hecke), die kurz vor dem Medizin-Examen steht und deren kleine Tochter Lara (Lene Oderich), Sohn Alex (Steve Windolf) und dessen Freundin Katrin (Anna Blomeier), die bei Beate im kleinen Haus wohnen, nehmen die ihnen angebotene und oft auch aufgedrängte Hilfe mit Freuden an. Als die Über-Mutter plötzlich aussteigt aus dem Gewohnten, sind sie fassungslos. Sie verstehen die Welt nicht mehr. Was auch daran liegt, dass Beate nichts von der Krebs-Diagnose erzählt. Nur ihre Freundin Henni (Jenny Schily) weiß Bescheid. Doch sie muss versprechen, niemandem etwas zu sagen. Was Henni natürlich bald überfordert. Zwischenzeitlich droht Beate die totale Einsamkeit. Doch sie scheint nichts als den Sport zu brauchen. Klar, dass so etwas auf Dauer nicht funktioniert. – Und da darf dann gestaunt werden, wie der Film die Konflikte nicht auflöst, aber doch begreifbar macht und allen Beteiligten eine Chance zu so etwas wie einem Neustart gibt.

Steffi Kühnert und Jenny Schily führen das exzellente Darsteller-Ensemble an. Der meist lakonische Ton der Erzählung wird von den Akteuren bestens getragen. Kühnert und Schily bewältigen dabei einige Momente mit Bravour, die bei weniger guten Schauspielerinnen und einer weniger sensiblen Regie in den Kitsch kippen könnten. Davon jedoch keine Spur! Nur die gelegentlich etwas aufdringliche Musik setzt hier und da zu sehr auf Untermalung der Gefühle. Das wäre nicht notwendig gewesen. Aber es stört auch nicht wirklich. Die bravourösen Akteure und die alles Grelle vermeidende Inszenierung nehmen einen restlos gefangen.

Peter Claus

Die Frau, die sich traut, von Marc Rensing (Deutschland 2013)

Bilder: X-Verleih

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