Buddy (Michael Herbig)

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Was für eine wunderbare Idee, Engeln bei der Arbeit zusehen zu wollen. Wim Wenders hat es schon gemacht mit Bruno Ganz und Otto Sander in „Himmel über Berlin“, lange vor ihm Henry Koster mit Cary Grant in „The Bishop’s Wife“ und und und… Nun hat sich Michael Herbig in einen Himmelsboten verwandelt – und man ist versucht, ihn in die Hölle zu wünschen. Denn er verschenkt allen möglichen Charme an eine dünne Story voller mittelmäßiger Gags.

Im Zentrum der Story: Sprudelwasser-Konzern-Erbe Eddie (Alexander Fehling). Der vergeudet sein Leben als Bruder Leichtfuß. Der Konzern gerät ins Schlingern, er selbst ebenfalls. Da taucht Buddy (Michael Herbig) auf. Nur Eddie kann ihn sehen und hören. Denn Buddy ist sein ihm zugeteilter Engel. buddy_320Dummerweise ist der noch Anfänger im himmlischen Handwerk. Also geht einiges schief. Doch man ahnt von Anfang an: Eddie wird geläutert werden. Und kaum ist eine Anti-Love-Story etabliert, ahnt man auch, dass daraus eine Love-Story mit zuckersüßem Happy End werden wird. – Gähn!

Herbig verantwortet den Film als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Darsteller der Titelrolle, die eine Nebenrolle ist. Statt cleveren Klamauk wie in „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise“ gibt’s dieses Mal Romantik plus Fantasy plus Comedy-Routine. Ärgerlich: Herbig will offenbar noch die denkfaulsten Kinobesucher kriegen. Jeder Gag wird bis zum Geht-Nicht-Mehr ausgewalzt und erklärt. Beispiel: Ein Gauner flieht. Dabei rennt er über ein Baugerüst, das hinter ihm zusammenkracht. Dem Gerüst abgewandt kehrt ein Arbeiter die Straße, trägt Kopfhörer und kriegt nichts mit von dem Tohuwabohu. Klar, dass so eine Szene erklärt werden muss. Der Arbeiter wird also ins Bild gerückt und uns die laute Musik vorgespielt, die ihn alles um sich herum ignorieren lässt. Das ist schlicht Beleidigung intelligenter Kinobesucher. Wie auch das Finale des Finales, in dem der Figur des Engels aller Zauber genommen wird! Bei all dem erstirbt das kleinste Kichern. Das bleibt einem auch im Halse stecken, weil der Film in fast schon unsittlicher Manier den Alltag von Betagten in einem Pflegeheim ausbeutet. Eddies Angebetete Lisa (Mina Tander) ist nämlich Altenpflegerin. Die hat auch noch einen Knuddel-Sohnemann (Jann-Piet Puddu). Da wird’s dann so richtig triefig.

Wo Til Schweiger mit seinen Komödien oft kleine, feine Wohlfühl-Unterhaltung gelingt, verläppert sich Herbig in angestrengter Großmannssucht. Charme? Nix da. Eddie ist einfach nur ein Widerling. Und er ist mit Alexander Fehling, dem man den Widerling nicht abnimmt, fehlbesetzt. Richtig lächerlich wird’s, wenn er den „Singin’ in the Rain“-Tanz Gene Kellys kopiert. Zum Weglaufen! Er ist absolut kein ebenbürtiger Partner für Mina Tander in der Rolle der Lisa. Man ahnt, dass die Schauspielerin mehr kann als eine Reißbrett-Figur zu verkörpern. Doch dieses Mehr wurde ihr nicht abverlangt.

Und Michael „Bully“ Herbig als Engel? Für sich genommen ist er hinreißend! Die Figur ist in sich stimmig und Schauspieler Herbig verleiht ihr die Aura des liebeswerten Tollpatschs mit dem Gesicht eines großen Jungen. Leider ist Drehbuchautor Herbig aber nicht genug eingefallen, so dass die Engel-Einlagen wie eingestreute Nummern wirken, vor allem dann, wenn Herbig Showstars wie Karel Gott und andere parodiert. – Fazit: Einige gute Zutaten, doch kein gelungenes Ganzes. Leider langweilig.

Peter Claus

Buddy, von Michael „Bully“ Herbig (Deutschland 2013)

Bilder: Warner

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