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Einer der Hits des Filmfestivals Venedig 2011. Dort und auf anderen Festivals wurde der bittersüße Film mit Ehrungen geradezu überschüttet.

Erzählt wird eine einfache Geschichte: Ah Tao (Deanie Ip) hat sechs Jahrzehnte als Haushälterin bei einer, bei „ihrer“, Familie verbracht. Ein Schlaganfall wirft sie aus der Bahn. Filmproduzent Roger (Andy Lau), der letzte aus „ihrer“ Familie, der noch in Hongkong lebt, schiebt sie in ein Altenheim ab. Es fragt sich sehr schnell, ob das für die alte Dame so gut ist, wie er es durchaus meint.

tao_320Regisseurin Ann Hui hat sich für einen unterhaltsamen Erzählton entschieden. Mal Moll, dann wieder Dur, hält sie es wie in einem guten Chanson: sie zeigt das Schlimme in eher leichter Art seriöser Anmutung. Dabei konzentriert sie sich insbesondere auf die Annäherung der zwei Hauptfiguren. Denn Roger ist kein Ignorant, der Ah Tao herzlos abschiebt. Er ertrinkt nur einfach in Arbeit. Doch mehr und mehr nimmt er sich Zeit für die Gefährtin – und es entsteht so etwas wie eine ganz zarte Liebesgeschichte, die nichts mit den Banalitäten des Üblichen zu tun hat.

Ganz nebenbei zeichnet der Film ein realistisches Bild vom Leben in Hongkong. Nichts da mit „Suzy Wong“-Romantik. Wobei: Die Geschichte, eines in die Jahre gekommenen Menschen, der sich entscheiden muss, ob er die ihm verbleibende Zeit voller herzerwärmender Lust oder in kalter Zurückgezogenheit verbringt, und die Geschichte eines noch relativ jungen Menschen, der sich der Verantwortung für andere an seiner Seite bewusst wird, ist nicht an Hongkong oder sonst irgendeinen Ort gebunden.

Peter Claus

Tao Jij – Ein einfaches Leben, von Ann Hui (Hongkong 2011)

Bilder: Fugu

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