Zeit der Kannibalen (Johannes Naber)

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Regisseur Johannes Naber gilt seit „Der Albaner“ als eine der großen Hoffnungen des deutschen Films. Mit seiner neuen Arbeit erfüllt er die Erwartungen auf hohem Niveau.

Naber offeriert ein überaus stilisiertes Kammerspiel, um die Schattenseiten der kapitalistischen Gegenwart grell zu beleuchten. Dabei gaukelt er keinen Naturalismus vor. Immer ist klar: hier agieren Schauspieler in einer Studiokulisse. Doch gerade das Artifizielle, der Verzicht auf jeglichen Schnickschnack und erst recht versöhnliche Sentimentalität lässt die Schärfe der Parabel auf die „Friss oder Stirb!“-Gesellschaft ätzend wirkungsvoll wirken.

Sebastian Blomberg, Devid Striesow, Katharina Schüttler, alle drei famos, spielen so genannten „Business Consultants“. Sie reisen von Hotel zu Hotel, immer rund um den Globus, um Firmen zu mehr Effizienz zu bringen. Was vor allem heißt: Sie sorgen dafür, dass viele Menschen ihre Jobs verlieren. Ganz nebenbei bekämpfen sie sich auch noch selbst, um weiter und höher zu kommen, was für sie bedeutet, mehr und mehr Geld zu scheffeln. – Man ahnt von Anfang an, dass dieses Trio infernal von den eigenen Missetaten eingeholt und überrollt wird. Doch wie das geschieht, das ist überaus verblüffend und man geht mit kaltem Schweiß auf der Stirn aus dem Kino.

kannibalen-teaserDer Film, dessen Komik oft sehr unterkühlt ist, steigert sich zum Schluss zur famosen Groteske. Der Einbruch der sozialen Realität in die zunächst sehr abgekapselt wirkende Welt der Protagonisten ist brutal. Die Frage, wie sich wahre Menschlichkeit heutzutage behaupten kann, ob sie das überhaupt kann, wird wunderbar überspitzt gestellt.

Groß ist der Film, weil Drehbuch, Regie und Schauspiel die Figuren nicht verraten und von vornherein nur Karikaturen liefern. Die drei wahrlich scheußlichen Gestalten haben auch liebenswerte Seiten, sind im Grunde wirklich „Leute wie Du und ich“. Genau deshalb am Schluss für uns, die wir uns leider auch erkennen, der kalte Angstschweiß.

Peter Claus

Zeit der Kannibalen, von Johannes Naber (Deutschland 2014)

Bilder: farbfilm verleih

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