Hin und weg (Christian Zübert)

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Filme wie „Und morgen Mittag bin ich tot“ oder „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ haben sich sehr publikumswirksam mit dem Themenkreis tödliche Erkrankung und Sterben auf eigenen Wunsch auseinandergesetzt. Emotionale Wucht und Schonungslosigkeit im Blick auf das Unausweichliche waren Garanten des Erfolgs.

Regisseur und Drehbuch-Koautor Christian Zübert setzt auf leicht verdauliche Komödiantik – und bringt seinen Film damit um die wünschenswerte Größe. An die genannten kann er nicht anknüpfen.

hin_weg_320Die Story: Eine junger Mann (Florian David Fitz) will sterben. Außer ihm wissen es nur seine Frau (Julia Koschitz) und seine Mutter (Hannelore Elsner). Die Freundesschar erfährt es auf einer letzten gemeinsamen Radtour. Und sie erfahren auch erst unterwegs, dass die Tour deshalb nach Belgien geht, weil es dort möglich ist, sich auf Verlangen zum Sterben verhelfen zu lassen.

Florian David Fitz („Vincent will Meer“) spielt Hannes, den Mann auf seiner letzten Reise. Das macht er mit Charme und führt damit ein prominentes Ensemble an, zu dem beispielsweise Hannelore Elsner und Jürgen Vogel gehören. Jeder der Akteure hat mindestens einen großen Moment. Immer ist das ein Moment des Innehaltens, der Stille, ein Moment, in dem sich schlicht und ergreifend auch mal die Angst, vor dem, was kommt, zeigen darf. Falsches Pathos bleibt dabei aus. Da wird oft unter Tränen gelächelt. Zu oft, leider, driftet der Film aber in einen aufgesetzt anmutenden Humor ab, stören auf lustig getrimmte Nummern. Meist erwachsen die aus einer Regel der Radfahr-Crew: Jede und jeder muss irgendwann eine Scherzaufgabe erfüllen. Da darf dann etwa ein Paar in einem Sexklub die Lust an sich selbst wiederfinden, ein Machotyp seine weibliche Seite entdecken. Das ist dann immer sehr albern und sehr störend. Zum Schluss kippt der Film dann ins Oberflächlich-Gefühlige: In einem Epilog wird die Erinnerung an Hannes beschworen, gemeinsam von Freunden und Familien, und alle haben sich lieb. Gelingt vorher mehrfach ein schönes Miteinander von Tragik und Komik, so wird hier plump auf Harmonie gemacht. Trotzdem: angucken! Denn vorher hat der Film häufig einen komödiantischen Ton, der im deutschen Kino selten zu entdecken ist. Und die Schauspieler sind toll, allen voran Julia Koschitz als Ehefrau von Hannes. Wer ihr in die Augen schaut, kommt weit in die Tiefen dieser Geschichte von Leben und Tod.

Peter Claus

Hin und weg, von Christian Zübert (Deutschland 2014)

Bilder: Majestic-Filmverleih

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