eine Taube-680

In Venedig gab’s den Goldenen Löwen, den Hauptpreis. Kritiker und Publikum beklatschten die Auszeichnung. Ganz klar: Die galt auch und vor allem der Förderung des kunstsinnigen Kinos fern kommerzieller Berechnungen.

Der Autor und Regisseur, in seiner Heimat bekannt als Gesellschaftsanalytiker und -kritiker, setzt ganz auf die Mittel des absurden Theaters. Beckett lässt grüßen. Da ziehen zwei glücklose Scherzartikelverkäufer durchs Land, von Szene zu Szene abgerissener, melancholischer. Sie sind als Prototypen des heutigen bürgerlichen Menschen zu sehen, all jener, die nicht auf der kleinen Sonnenseite der Reichen und Schönen gelandet sind. Die Momentaufnahmen ihrer grauen Existenz, flankiert von Schlaglichtern auf andere arme Würstchen, entwerfen ein satirisch überhöhtes, dabei jedoch erstaunlich nüchtern-realistisches Bild der spätbürgerlichen Moderne.

Wer auf’s Wuchtbrummen-Kino, auf Action, steht, hat nichts davon. Hier geht es behutsam und in großer Ruhe um etwas so Nicht-Actiongemäßes wie schlichte Menschlichkeit. Andersson feiert sie auf sehr skurrile Art. Die verfolgt einen noch Tage nach dem Filmbesuch. Denn nahezu jede Szene enthält Widerhaken, die das Gehirn des Zuschauers auf Trab halten.

Peter Claus

Bilder: Neue Visionen

Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach, von Roy Andersson (Schweden 2014)

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