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Es hat „Oscar“-Nominierungen für diesen Film geradezu geschüttet – und das völlig zu Recht!

Dem aus Norwegen stammenden Regisseur Morden Tyldum und Drehbuchautor Graham Moore ist ein wirklich hervorragender, ein packender Film gelungen. Übezeugend als Ehrung der Hauptfigur Alan Turing, packend als Historiendrama und beeindruckend als kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlich sanktionierter Intoleranz.

Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch) gehörte zum Team jener, die im Zweiten Weltkrieg den Code der deutschen Verschlüsselungsmaschine „Enigma“ knacken konnten. Daneben ist der Mathematiker und Kybernetiker unzweifelhaft einer der wichtigsten Väter des Computers. Der Film blickt auf seine Entwicklung von der Kindheit bis zu seinem Tod in den frühen 1950er Jahren. Turing wird als Genie gezeichnet, als introvertierte Persönlichkeit, als Grübler und als Mann, der sich verstecken musste, denn er liebte Männer, was in England bei Bekanntwerden bis weit in die 1980er Jahre nahezu automatisch ins gesellschaftliche Aus führte, zu Turins Zeit gar zur Kriminalisierung durch den Staat. Wie Tausende, so hat er sich einer Hormonbehandlung unterworfen. Psychisches Zerbrechen war die erste Folge. Der Tod die nächste.

Turings Leben und Sterben wird auf drei kunstvoll miteinander verwobenen Zeitebenen gespiegelt. Die in Großbritannien bis in die zweite Hälfte der 1960er Jahre unter Strafe gestellte Homosexualität wird dabei deutlich benannt, aber mit Diskretion. Nichts da an Sensationsgier. Angenehm!

Großartig: die Akteure, von Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle und Keira Knightley als Turings zeitweiser Ehefrau angeführt. Knightley war nie zuvor so gut! Sie erinnert an die junge Meryl Streep. Sehr nuanciert und feinsinnig meistert sie den schwierigen Part der „Frau an seiner Seite“, ohne die Figur klein zu halten. Cumberbatch ist schlichtweg grandios. Es wäre ein Leichtes gewesen Turing als Freak auszustellen. Doch Cumberbatch zeichnet mit vielen feinen Strichen das komplexe Porträt einer hoch komplizierten Persönlichkeit. Beide Schauspieler hätten nach der Nominierung nun auch die Auszeichnung mit dem „Oscar“ verdient.

Freilich: Für Action-Fan ist das nichts. Der Krieg beispielsweise kommt (erfreulicherweise) nur im Hintergrund vor. Auch sonst: keine krachenden Momente. Dafür aber große Schauspielkunst in einem Spielfilm von klassischem Format.

Peter Claus

Bilder: SquareOne (DCM)

The Imitation Game, von Morten Tyldum (USA / Großbritannien 2014)

 

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