Elser – Er hätte die Welt verändert (Oliver Hirschbiegel)

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Nach dem arg missglückten BioPic um Lady Di, „Diana“, galt Regisseur Oliver Hirschbiegel vielen als erledigt. Dabei hatte er einst mit „Das Experiment“ für ziemliches Aufsehen gesorgt, und mit „Der Untergang“ Filmkritik und Publikum in ein höchst kreatives Pro und Contra um die Möglichkeiten der filmischen Auseinandersetzung mit der braunen Vergangenheit geschickt.

Hirschbiegel aber gibt nicht auf. Mit seinem aktuellen Spielfilm zeigt er sich als guter Handwerker. Und als Mann der leisen Töne. Auf der diesjährigen Berlinale gab es dafür viel Zustammung, insbesondere aus dem Ausland. Was auch damit zu tun hat, dass die Geschichte Georg Elsers dort kaum bekannt ist. Hirschbiegel, und das ist gut, leistet also auch Bildungsarbeit. Die durchaus aktuelle Aspekte hat. Schließlich geht es in hohem Maße darum, wie sehr stilles Mitläufertum die Verbrechen im Dritten Reich mitgetragen hat.

Der Schreiner Georg Elser (Christian Friedel) war kein Mitläufer. Er brachte 1939 im Münchner Bürgerbräukeller eine Bombe an, die Adolf Hitler töten sollte. Das Attentat misslang. Elser wurde schnell gefasst und von den Nazis umgebracht. Zuvor aber muss er endlose Verhöre über sich ergehen lassen. Reichskriminaldirektor Arthur Nebe (Burghart Klaußner) und Gestapo-Chef Heinrich Müller (Johann von Bülow) peinigen ihn ohne Unterlass. Sie können einfach nicht glauben, dass Elser alleine gehandelt hat, wollen Namen wissen. Natürlich schrecken sie auch nicht davor zurück, seine Geliebte (Katharina Schüttler) zu verhaften, um Elser so zu Geständnissen zu zwingen, die er gar nicht abgeben kann, weil er nichts zu gestehen hat, was die Nazis nicht schon wüssten.

Die Verhörszenen stehen im Mittelpunkt des Films. Hirschbiegel zeigt klar, mit welch brutalen Methoden die Nazischergen vorgingen. Wichtiger und wirkungsvoller aber sind all jene Rückblenden, die das „Davor“ zeigen, in denen deutlich wird, wieso Georg Elser zur Tat schritt, was sein Motive waren. Dabei nämlich zeichnet der Film sehr genau eine Gesellschaft der Duckmäuser, Stillhalter und Karrieristen, entlarvt all die bekannten „Wir haben doch von nichts gewusst“-Ausrufe als leeres Gerede. Die Szenen dörflichen Alltags, geprägt von Tanz und Musik, regen zudem dazu an, über den Missbrauch von Begriffen wie „Heimat“, „Brauchtum“ und „Tradition“ nachzudenken, Begriffe, mit denen wir uns hier und heute auf Grund des von Hitler und Konsortien hinterlassenen Erbes immer noch schwer tun. Da gelingt dem Film, was Historiendramen immer versuchen sollten, es aber oft genug nicht schaffen: er lässt den aufmerksamen Zuschauer über die Gegenwart nachdenken.

Peter Claus

Bilder: NFP

Elser, von Oliver Hirschbiegel (Deutschland 2015)

 

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