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Anti-Drogen-Filme gibt es viele. Die meisten setzen auf äußerste Brutalität. Wirklich originell sind die wenigsten der letzten Jahre gewesen. Der italienische Schauspieler Andrea Di Stefano überrascht nun in seinem Regiedebüt mit einer sensiblen Mischung aus Spannung, Action und sogar Romantik. Verblüffend.

Die Titelfigur gab es wirklich: Pablo Escobar, Kolumbianer, nahezu die gesamte Zeit seines Lebens, 1949 bis 1993, ein Schwerverbrecher. Ihm gebührt der zweifelhafte Ruhm, den industrialisierten Drogenschmuggel erfunden zu haben. Zudem soll er einer der brutalsten Drogenhändler gewesen sein, die es je gab. Was wie ein dunkles Mahnen über dem ganzen Film liegt, insbesondere über die darin aufgeblätterte Liebesgeschichte. Die beginnt Mitte der 1980er Jahre. Pablo Escobar (Benicio Del Toro) schwimmt im Geld. Dass es blutverschmiert ist, stört ihn nicht. Außerdem ist der Gangsterboss privat meist ein überaus charmanter Mann. Großzügig unterstützt er beispielsweise seine Nichte Maria. Die hat sich nämlich, was nicht alle in der Familie freut, in einen Ausländer verguckt, in den Kanadier Nick. Pablo richtet die Hochzeit aus und dem jungen Glück alles ein. Dafür fordert er allerdings auch bald eine Gegenleistung …

Dramatik, Action, Romantik und Sozialkritik: Tatsächliches und Fiktives sind geschickt ineinander verwoben. Dreh- und Angelpunkt der Story: Nick soll einen Mord für Pablo Escobar begehen und hat Skrupel. Was für einigen Thrill sorgt.

Benicio Del Toro dominiert den Film als Pablo Escobar. Er zeigt ihn als Monster und als Mensch. Das ist flirrend, das ist auch auf kluge Art verwirrend. Schwarz-Weiß-Malerei bleibt aus. Farbe kommt insbesondere durch die Geschichte um Maria und Nick in den Film, eine handfeste Romanze. Die Spanierin Claudia Traisac und der US-Amerikaner Josh Hutcherson überzeugen als Paar. Die Chemie stimmt.

Am Ende gibt es – erfreulicherweise – keine moralinsaure Standpauke. Statt dessen verweist der Film berechtigterweise ganz kühl darauf, dass Leute wie Pablo Escobar nichts anderes tun, als dass sie die Spielregeln des Kapitalismus‘ befolgen.

Peter Claus

Bilder: Alamode

Escobar – Paradise-Lost, von Andrea Di Stefano  (Frankreich/ Spanien/ Belgien/ Panama/ 2015)

 

 

 

 

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