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Eine Erzählung vom „dürren Leben“, ein Spiegel „der toten Seele.“ – Albert Camus (1913 bis 1960) hat mit diesen Stichworten die Novellen seines 1957 erschienenen Buches „Das Exil und das Reich“ charakterisiert. Camus, der in Algerien geborene Franzose, selbst zerrissen zwischen den Figuren, hat immer wieder vom Zerrissen-Sein erzählt. Als Existentialist bestand er darauf, dass es die Umstände sind, die den Menschen prägen, und denen er ausgeliefert ist.

Mit seiner Adaption der in dem Buch veröffentlichten Novelle „Der Gast“, einer sehr freien Adaption, tritt Regisseur David Oelhoffen gleichsam in einen Dialog mit Camus. Wobei Oelhoffen darauf beharrt, dass es der Mensch ist, der die Umstände ändern kann.

Zentrum des Films: das Nachdenken über die Möglichkeiten und Grenzen des Miteinanders von Menschen verschiedener Kulturen. Da wird ein französischer Lehrer in Algerien, der einen spanischen Hintergrund hat, gezwungen, einen Araber, der einen Mord begangen hat, der nächsten Präfektur zu überstellen. Zwei Fremde, zwei Außenseiter, zwei Männer, die zwar miteinander reden können, einander aber kaum verstehen. Das alles spielt sich im unwirtlichen Gelände des Atlasgebirges ab. Oelhoffen kommt dabei, natürlich mit dem Blick auch auf heutige Kultur-Kriege, zu dem Schluss, dass es auch gut sein kann, sich dazu zu bekennen, nicht miteinander zu können. Daraus muss ja nicht automatisch ein Gegeneinander werden. Ein respektvolles Nebeneinander ist aller Ehren wert!

Viggo Mortensen und Reda Kateb führen den Dialog in Französisch und Arabisch, was zum Glück keiner Synchronisation zum Opfer gefallen ist. Der Film läuft hierzulande in der Originalfassung mit Untertiteln. Die zwei Hauptdarsteller überzeugen bis in die letzte Faser. Beide setzen nicht auf große, üppige Auftritte, sondern auf ein leises, verhaltenes Spiel. Sehr wirkungsvoll, wie der Film an sich!

Peter Claus

Bilder: Arsenal

Den Menschen so fern, von David Oelhoffen  (Frankreich / Marokko 2014)

 

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