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Es gibt die Mär, dass Kritiker besonders gern Verrisse schreiben. Das ist Blödsinn, hält sich aber. Das Gegenteil ist der Fall. Besonders schwer wird’s, wenn es um neue deutsche Filme geht, noch dazu, wenn man weiß, welche Kraft hinter der Verwirklichung eines Projektes steckt.

Leider, leider, leider: die Adaption von Kafkas Erzählung „Der Bau“ überzeugt nicht. Wie sollte aber auch die Sprachgewalt Kafkas, die darauf baut, dass der Leser sich diese zu eigen macht und sie ergänzt, wie sollte das in konkrete Kino-Bilder überführt werden können? Elektronische Klänge, wunderbare Bilder, die bewusst an das expressionistische Kino der Stummfilmzeit gemahnen, die irrwitzige Mär vom Typ, der nicht weiß, wie, wo, was … – es nutzt nichts, wie feinsinnig das gestaltet worden ist, als packende Erzählung funktioniert es nicht.

Die reiche Gedankenwelt des Regisseurs Freydank ist durchweg zu spüren. Er hat mit großer Intelligenz gearbeitet und mit Engagement. Doch liegt über dem ganzen Film eine aufdringlich zu spürende Anstrengung. Böse gesagt: will und kann nicht. Wobei es bestechend ist, dass Freydank sich mit Anspruch aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen stellen möchte, denen nach den Ursachen des weithin zu beobachtenden Rückzugs ins Private, nach den Perversionen der Arbeitswelt, nach den Auswüchsen des Turbokapitalismus‘. Alles sehr klug. Doch leider nicht wirklich wirkungsvoll, wie sehr sich Axel Prahl in der Rolle des Bankangestellten auch abmüht. Trotzdem: Der Mut Freydanks, fern gängiger Unterhaltungspfade zu wandeln, bringt ihm alle Sympathie ein. Man wünscht sich, dass der nächste Film von ihm publikumswirksamer gerät.

Peter Claus

Bilder: Neue Visionen

Kafkas Der Bau, von Jochen Alexander Freiydank  (Deutschland 2015)

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