Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne (Regie: Xavier Giannoli)

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Eine singende Millionärin trifft keinen Ton – aber sie hält sich für eine begnadete Sopranistin. Das ist die Ausgangssituation dieser in jeder Hinsicht prachtvollen Kostüm-Klamotte, die zu einer veritablen Tragikomödie reift.

Catherine Frot setzt als Hauptdarstellerin die entscheidenden Akzente. Vor drei Jahren riss sie das Publikum in „Die Köchin und der Präsident“ zu Lachstürmen hin. Das gelingt ihr erneut. Doch sie darf auch leise Momente anbieten. Und zeigt gerade dann ihr großes Können.

Marguerite Dumont, die Heldin der Geschichte, erinnert an Frances Foster Jenkins. Die gab es wirklich. Sie lebte von 1868 bis 1944. Legendär ist deren viel belachter Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall kurz vor ihrem Tod. Ihr werden wir bald auf der Leinwand begegnen. Regisseur Stephen Frears bannt sie gerade mit Meryl Streep in der Hauptrolle auf Film.

Xavier Giannoli führt das Publium ins Frankreich der frühen 1920er Jahre. Das gibt ihm reichlich Gelegenheit, ganz leicht damalige Entwicklungen in Kunst und Gesellschaft zu reflektieren. Damit gibt er dem Film eine satte Eleganz. Entscheidender ist, dass er und Frot ernsthaft darüber nachdenken, welchen Wert es haben kann, geradezu verbissen an einem unmöglich erfüllbaren Lebenstraum fest zu halten.

Man verlässt das Kino bei allem lauten Lachen und langen Schmunzeln vor allem mit einigen Fragen dazu, wie man es selbst so hält mit der Lebenslust. Da wird aus dem Spaß dann ein Vergnügen.

Peter Claus

Bilder: Concorde

Madame Marguerite, von Xavier Giannoli   (Frankreich 2015)

 

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