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Bei der diesjährigen Berlinale gab’s hohe Ehre für diesen Film: Małgorzata Szumowska bekam den Silbernen Bären für die Beste Regie. Der Beifall zur Entscheidung war groß.

Erzählt wird zunächst eine Vater-Tochter-Geschichte. Er nicht mehr jung, sie noch nicht richtig erwachsen. Seit dem Tod der Mutter und Ehefrau können die Zwei nicht mehr gut miteinander. Er, Untersuchungsrichter, ertrinkt in Arbeit, wird immer wieder mit dem Tod konfrontiert. Sie ist magersüchtig, gibt dem Vater die Schuld am Tod der Mutter. Die Kommunikation zwischen den Beiden ist fast auf Null heruntergefahren. Sie hungert, er säuft. Sie ruinieren ihre Körper, weil die Seelen krank sind. Darum wohl auch der Titel des Films.

Małgorzata Szumowska zeigt traurige Menschen in einem Land, das wenig Anlass gibt zum Fröhlich-Sein. Dennoch kommt die Erzählung in einem geradezu heiteren Ton daher. Janusz Gajus trägt wesentlich dazu bei. Die Figur wirkt bei aller Tristesse immer auch verschmitzt. Auch die Inszenierung atmet so etwas wie Heiterkeit, ein trotziges Es-wird-schon-nicht-so-schlimm. Und dann taucht noch eine Figur auf, eine Therapeutin, eine scheinbar körperlose Frau, nicht schlampig, aber doch auch nicht attraktiv – eine Frau, die offenbar selbst Probleme hat. Sie steht auf Urschrei-Therapie. Was die Tochter zunächst nur als inadäquat empfindet. Doch die zwei Frauen kommen sich näher. Und als sich herausstellt, dass die Therapeutin auch als Medium auftritt, um die Lebenden mit den Toten in Kontakt zu bringen, kommt Bewegung ins festgefahrene Dasein von Vater und Tochter.

Sachlichkeit, vertreten durch den Richter, und Spiritualität, dafür stehen die zwei Frauen – dieser Gegensatz darf wohl als grundsätzlich für das Land Polen, so wie die Regisseurin es sieht, verstanden werden. Was unaufdringlich in den Bildern von Warschau aufscheint. Der Cutter Jacek Drosio bekam dafür eine Ehrung bei der Verleihung des Europäischen Filmpreis’. Zu Recht! Er hat mit seiner Montage den genau richtigen Rhythmus zwischen Traue und Trotz gefunden.

Und dann ist da eines der überraschendsten Kinospielfilm-Enden der jüngeren europäischen Filmgeschichte. Da darf dann heftig gelacht werden. Aber das Lachen überdeckt allen Schmerz der Figuren und den Schmerz der Regisseurin angesichts politischer und gesellschaftlicher Fehlentwicklungen nicht.

Peter Claus

Bilder: Peripher Filmverleih

Body, von Małgorzata Szumowska  (Polen 2015)

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