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Nach „Frances Ha“, der eher melancholischen New-York-Studie, geben sich Regisseur Noah Baumbach und seine Hauptdarstellerin, Drehbuchmitautoren und Lebensgefährtin Greta Gerwig dieses Mal komödiantisch. Wieder geht es um eine junge Frau auf der Suche nach sich selbst. Brook heißt sie. Man begegnet einem Energiebündel. Mit Jobs hält sie sich über Wasser. Der große Traum gilt dem eigenen Restaurant. Nur – man ahnt schnell – vieles, was sie erträumt, was sie erhofft, was sie sich in den schönsten Worten ausmalt, steht auf tönernen Füßen.

Greta Gerwig wirkt als Brook absolut authentisch. Wie auch Lola Kirke als Tracy. Die Freundin von Brooke, eine Studentin, eine Quasi-Verwandte dazu, hat Charme und Charakter, und Dank Kirmes Präsenz soviel Eigenständigkeit, dass sie nicht zur bloßen Randfigur verkümmert. Im Lauf des Geschehens wird der Witz, gerade im Zusammenspiel der beiden Frauen, immer schärfer, manchmal auch laut. Die Mühsal des Ringes um persönlichen Erfolg kommt dabei besonders scharf konturiert zur Geltung. Hinter jedem Gag steckt Tragik. Man glaubt, man schaut dem wahren Leben zu. Dieses Leben ist oft hübsch verpackt. Doch der Inhalt hält nicht immer, was er verspricht. Der Kampf um die eigene Individualität ist von ungemeiner Härte. Der Film zeigt’s, man darf dabei schmunzeln, geht aber durchaus nachdenklich nachhause.

Peter Claus

Bilder: Fox

Mistress America, von Noah Baumbach (USA 2015)

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