Das Wetter in geschlossenen Räumen (Regie: Isabelle Stever)

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Eine Frau auf verlorenem Posten: Dorothea, schön, gut situiert, eloquent, haust in Arabien. Der Krieg ist nah. Freilich, in dem Luxushotel, in dem Dorothea herumlungert, ist nur ein Echo davon zu spüren. Dorothea arbeitet als Geldbeschafferin für Flüchtlingsprojekte. Sie will helfen. Doch im Moment ist niemand da, dem geholfen werden kann. Die Flüchtlinge bleiben aus. Was Dorothea – und andere von ihrem Schlage – zum Abwarten zwingt, sie in eine Blase zwischen Wohlstand und Grauen wirft. Was die Frau um die 40 mit Sex und Alkohol und Drogen kompensiert. Der Absturz ist programmiert.

Ein Arthouse-Film, klein, verhalten, nicht mit riesigem Budget protzend. Das Interessante: Maria Furtwängler, Protagonistin vor allem der erfolgreichen kommerziellen TV-Szene hierzulande, spielt die Hauptrolle. Und das mit spürbarem Engagement, offenbar auch mit Lust, schauspielerisch mal was ganz anderes auszuprobieren als „Tatort“ oder Event-Fernsehen. Erst zeigt sie die Dorothea als Schickse, als starke Persönlichkeit, der scheinbar alles gelingt. Dann wird die Brüchigkeit ihrer Persönlichkeit sichtbar, der Selbstbetrug, der sie sich selbst besser erscheinen lässt als sie ist. Furtwängler gelingen einige Szenen von enormer Intensität, und das sind nicht die, in denen es in Sachen Sex oder Suff hart zur Sache geht. Sie zeigt ihr Können vor allem in den leisen Momenten, in denen die Zerbrechlichkeit der Frau deutlich wird, die Mühe, sogar gegenüber sich selbst, den Schein aufrechterhalten, ein nützliches Mitglied der menschlichen Gemeinschaft zu sein. Klar: die Kritik an der Verschleuderung von Geld und Gut.

Die Story hätte am Ende durchaus noch zugespitzter, ja, brutaler sein dürfen. Aber Furtwängler prägt sich ein. Man wünscht ihr – und uns als Publikum – mehr solcher anspruchsvoller Projekte.

Peter Claus

© Movienet Filmverleih

Das Wetter in geschlossenen Räumen, von Isabelle Stever (Deutschland 2015)

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