Chrieg, das ist Schweizerdeutsch und heißt schlicht „Krieg“.

Im Zentrum stehen rabiate, ja, faschistoide Methoden, mit denen unbequeme Jugendliche gezüchtigt werden, damit sie „vollwertige Mitglieder“ der bürgerlichen Gesellschaft von bravem Stammtischzuschnitt werden.

In Schweizer Mundart gedreht, wird die Geschichte des Teenagers Matteo (Benjamin Lutzke) beleuchtet. 15 ist er, als er plötzlich von zuhause abgeholt, regelrecht verschlepptwird, und in einem Erziehungscamp landet. Weit weg von aller Zivilisation, auf einer abgelegenen Alm, soll ihm alle Individualität genommen werden. Anton (Ste), Dion (Sascha Gisler) und Ali (Ella Rumpf) geben hier den Ton an. Das Trio der Rabauken hat die Macht auf dem Bauernhof übernommen. Sinnlose Gewalt, zunächst auch und insbesondere gegen Matteo, hält sie aufrecht. Matteo hat nur eine Chance, um zu überleben. Er muss mitmachen. Dabei stellt er, dessen Aufmüpfigkeit bisher nur auf kleiner Flamme züngelte, fest, dass es offenbar ideal ist, sich brutal über alle Erwartungen der Erwachsenen hinwegzusetzen. Im Camp wird der wirklich zum faschistoiden Monster.

Erfreulicherweise hat der Film keinen Trost parat, keine verlogenen „Wir kriegen das schon hin“-Sprechblasen. Das verstört. Doch noch verstörender sind die Fragen, die man sich nach dem Kinobesuch stellt. Denn die führen einen zwangsläufig zu den Wolfsgesetzen des Kapitalismus‘. Die sind längst nicht ad acta gelegt oder überwunden. Im Gegenteil. Ihre Wirkung nimmt zu.

Der Film bekam 2015 völlig zu Recht den wichtigsten Preis des Saarbrücker Filmfestivals um den Max Ophüls Preis.

Peter Claus

Bilder:

Chrieg, von Simon Jaquemet (Schweiz 2014)