Monsieur Chocolat (Regie: Roschdy Zem)

Aufstieg und Fall: Das Leben des ersten schwarzen Clowns der französischen Zirkushistorie. Der ehemalige Sklave Raphaël Padilla (Omar Sy) verdient sich seinen Lebensunterhalt in den späten 80er Jahren des 19. Jahrhunderts zunächst mit Auftritten als wilder Kannibale in einem Wanderzirkus. Dann steigt er zum Partner des Clowns George Footit (James Thierrée) auf. Raphaël, der ab jetzt „Chocolat“ genannt wird, gibt eine Variante des dummen Augusts, bekommt von seinem weißen Partner Schläge und Tritte in den Hintern. Der Erfolg ist enorm. Selbst im größten Varieté von Paris ist das Publikum begeistert. Doch Raphaël möchte sich emanzipieren, will nicht länger die Klischees bedienen. Die Konflikte sind programmiert.

Der optisch ausgefeilte Rückblick auf die Zeit der Belle Époque schaut natürlich aufs Heute. Die Frage, warum es nach wie vor Fremdenhass gibt, liegt über allem. Dadurch wird mancher Witz von Bitterkeit grundiert. Hauptdarsteller Omar Sy, weit über Frankreich hinaus bekannt seit seiner Rolle als Krankenpfleger wider Willen in „Ziemlich beste Freunde“, setzt insbesondere auf die Komik einer aussagekräftigen Körpersprache. Noch bei den gröbsten Gags meint man, die seelischen Schmerzen einer gepeinigten Kreatur zu spüren. Das gibt dem von der Story her recht voraussehbaren Bio-Pic, das sehr frei mit den Fakten umgeht, Stärke und Spannung. Manchmal sieht es nämlich so aus, als müsse Raphaël zwangsläufig zum Tier werden, um seine Menschlichkeit zu beweisen. Man verlässt das Kino bei allem Wohlgefühl, dass einem gute Unterhaltung schenkt, mit dem beunruhigenden Gefühl, dass sich in Sachen Akzeptanz von Menschen, die anders sind als der Durchschnitt, in der so genannten westlichen Welt in den letzten mehr als hundert Jahren nicht viel geändert hat.

Peter Claus

Bilder: © DCM Film Distribution

Monsieur Chocolat, von Roschdy Zem (Frankreich 2015)

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