Altes Arschloch Liebe (Bela B.)

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FILMSPIEGEL: Jetzt haben Sie ein Musik-Video gemacht. Wie kam es dazu?

WENZEL STORCH: Ja, Bela B. mit „Altes Arschloch Liebe“. Das war Zufall. Mein letzter Spielfilm „Die Reise ins Glück“ ist ja vor kurzem auf DVD rausgekommen, übrigens mit vier Stunden Bonusmaterial. (Das sind Dokumentarfilme mit Titeln wie „Der Cumshot in den Beichtstuhl“ oder „Wie man aus Düngerstreuern und Güllepumpen ein Schiff baut“, in denen Rocko Schamoni als Off-Erzähler durch die katastrophale Produktionsgeschichte führt). Bela B. hat vor ein paar Wochen einen ganzen Karton davon gekauft, 20 oder 30 Stück, ich glaube zum weiter verschenken… Von daher hatte er mich wohl auf dem Schirm, als die Wahl des Regisseurs für den aktuellen Clip anstand. Na ja, und so kam dann das Ganze ins Rollen…

FILMSPIEGEL: Man sieht, Sie lieben Kasperle-Theater? Schon toll die Figuren.

WENZEL STORCH: Die hat Majken Rehder, die Trickausstatterin von „Reise ins Glück“ gebastelt. Ich gehöre ja einer Generation an, die mit den „Europa“-Märchenplatten von Hans Paetsch und der Augsburger Puppenkiste groß geworden ist. Ich konnte zwar Leute wie Räuber Hotzenplotz oder den Hohensteiner Kasper nie ab, bin aber bis heute Fan von Jim Knopf, Don Blech und Sursulapitschi, von Kater Mikesch, dem Ziegenbock Bobesch, dem Meerkönig Gurumusch und dem sprechenden Sack Schockschock. Das färbt dann wahrscheinlich auf die eigene Arbeit ab. In meinem ersten abendfüllenden Spielfilm – der hieß „Der Glanz dieser Tage“, das war ein „römisch-katholischer Propagandafilm“, den wir für 40.000 DM hinter dem Rücken der Kirche hergestellt haben – haben wir aus Geldmangel alles, was real nicht machbar war, als Stop-Motion umgesetzt. In dem Film ist u.a. die größte Popelsammlung der Welt zu bewundern, die sich in der Schatzkammer des Vatikan befindet: ein Berg aus klebrigen und verschmierten Popeln, tief unten in den Katakomben von Sankt Peter. So was real darzustellen, mit echten Menschen, die da drum herumlaufen, das hätte uns logistisch überfordert.

In „Der Glanz dieser Tage“ (der Film kam 1990 in die Programmkinos) musste der Zuschauer also, zumindest in heiklen Szenen, mit Kasperlefiguren vorlieb nehmen, mit Gestalten wie Don Popelino und Donna Popeletta, zwei Popelschmugglern, die ihre kostbare Fracht unter Gefahr für Leib und Leben zum „Heiligen Hafen“ schleppen. Von da werden die Popel dann mit speziellen „Popeldampfern“ über den großen Teich in die Ewige Stadt transportiert, und unterwegs gibt´s natürlich Stress, zum Beispiel werden die Fährleute vom Fernseh-Delphin Flipper belästigt. Aber das nur am Rande.

Der Film hat den katholischen „Filmdienst“ seinerzeit sehr auf die Palme gebracht, und auch mein zweiter Film „Sommer der Liebe“ fand bei der katholischen Filmkritik wenig Gnade. „Sommer der Liebe“ erzählt, mit Kulissen vom Sperrmüll, die Mär vom Aufstieg und Fall der westdeutschen Blumenkinder. Ein Film, so schrieb Hans Messias im „Filmdienst“, „der einem den Feierabend gründlich vergällt“. Ein größeres Lob kann ich mir aus christlichem Munde kaum vorstellen. Doch zurück zum Musikvideo: Dass der Clip Trickszenen enthält, hat durch die Kinofilme Tradition. Ob „Die Reise ins Glück“, „Sommer der Liebe“ oder „Der Glanz dieser Tage“, alle drei Filme sind mehr oder weniger aus Real- und Stop-Motion-Szenen zusammengeschustert. Von daher war´s klar, für das Video wieder irgendwas mit Puppen zu machen.

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Auszug aus einem Interview mit Wenzel Storch

FILMSPIEGEL 10-2009

Bela B.: „Altes Arschloch Liebe“

Video: Wenzel Storch

September 2009

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