KAMERAAUGE Texte von Guido Rohm

Bild: Dziga Vertov, »Der Mann mit der Kamera«, 1929; Auge und Linse überblendet | © Dziga Vertov

Über dem Haus: das Meer

Die Kamera ist an einem Seil befestigt, dient so als Lot, als Tiefenmesser, den wir in den Hof hinablassen, in dieses Becken, das von einem blauen Himmel gedeckelt wird, der uns Angst macht, der wie ein Meer über unseren Köpfen schaukelt, und wir flüstern, weil wir nicht gehört werden wollen, auch, weil wir die Götter nicht auf uns aufmerksam machen wollen, wenn wir jetzt, so flüstern wir, auf den Zehenspitzen zum Stehen kommen und uns abdrücken, dann können wir in dieses Meer über unseren Köpfen eintauchen, während die Kamera an die Hauswand stößt, an diese an alte Haut gemahnende Fassade, der nichts mehr helfen wird, keine Creme der Welt wird dem Putz Erleichterung verschaffen, wird das gespannte Gesicht glätten; ein altes Haus, denken wir; über dem Haus: das Meer; zwischen den Häusern ein Dschungel, ein undurchdringliches Dickicht, zwischen dem Platz zu nehmen und zu rauchen ist, denn inmitten des Dickichts stehen zwei von der Sonne ausgebleichte Stühle und ein Tisch, Mahnmale der Abwesenheit, während Kindergeschrei durch den Hoftopf schallt und von der Hitze aufgekocht wird, ein Schrei, der von einem Musikstück gebrochen, gefangen, in die Tasche gesteckt wird; das Musikstück stampft los, in der Tasche das Kindergeschrei, während die Kamera die Tiefe des Topfes vermisst, des Häusertopfes, in dessen Innerem Schreie und Musik und nun Gestöhne gekocht werden, Zum Rest des Beitrags »

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Störung

Er könnte auf dem Klo sitzen, vielleicht auch am Kaffeetisch, der Ausschnitt gibt keine Auskunft darüber, ob er nun gerade, Sie wissen schon, wir wollen das nicht ausführen, das gehört sich nicht, denn wenn man schon Leute heimlich filmt, dann sollte man sie wenigstens bei ihren intimsten Geschäften alleine lassen, obwohl, so wie der jetzt das Gesicht verzerrt, könnte es sein, dass er ..., der wird den Geschmack der Marmelade nicht mögen, reden wir uns ein, denn in einem der anderen Dachfenster, die wie schräg angebrachte lebende Bilder wirken, taucht nun seine Frau oder Freundin auf, die sich entkleidet, die Brüste gewagt klein, können wir gar nicht verstehen, und dies bei den heutigen Operationsmöglichkeiten, die keine Frage offen und keine Brust klein lassen, der müsste mal jemand einen Hinweis geben, ihr Freund, der scheint ja nur mit dem Geschmack seine Brotes beschäftigt, die Kamera gleitet über die grauen Dachziegel hin zu ihr, ja wo ist sie denn jetzt?, ach dort, sie steht unter der Dusche, das ist also das Bad, was noch nicht gegen die Theorie spricht, dass er gerade auf dem Klo sitzt, Zum Rest des Beitrags »

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Vorübergehende Erschütterung

Ein komplizierter Vorgang, die Kamera wird seitlich aus dem Badezimmerfenster gehalten, wir zischen und flüstern, müssen vorsichtig sein, denn so wird man leicht beim heimlichen Filmen überrascht, hast du sie?, ja, da sind sie!, ihre Gesichter, die sich im Nichts verlieren, auf der gegenüberliegenden Hauswand, die ihnen etwas zeigen muss, was wir nicht sehen, Bilder aus der Vergangenheit, die Geburt ihrer Tochter, die im ersten Stock ihres Hauses wohnt, noch kinderlos, was da wohl los ist?, könnten sie sich fragen, ihre Blicke wippen von der Hauswand auf ein Buch und eine Zeitschrift, denn sie sind ja nicht blöd, man will ja beim Starren auf das Nichts nicht auffallen, das sind Kleinstädter, Profis, die genau wissen, was man sich auf den Schoß legen muss, setzt man sich einmal vor die eigene Haustür, bis plötzlich eine Frau vorüber stöckelt, ein Wind, eine kühle Brise, sie betritt den Laufsteg vor ihren Augen, sie blicken auf, ihre Augen blitzen, endlich!, scheinen ihre Pupillen zu schreien und weiten sich, Zum Rest des Beitrags »

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Geheimnis

Da ist eine Frau, die den Kopf hebt, die lauscht, die einem flirrenden Wort folgt, einer Wolke, die sich an ihr vorüber schiebt, wir können es nicht sagen, wir haben die Kamera auf sie gerichtet, die Frau steht weit entfernt in einem Garten, sie bückt sich nach dem nächsten Wäschestück, sie greift nach den Wäscheklammern, hält abermals inne, sieht sich um, so als ob sie uns bemerkt hätte, wir bücken uns, wir verschwinden hinter dem Geländer, wir spähen durch die schmalen Ritzen des Geländers zu ihr hin, während die Kamera unbarmherzig ihre Bewegungen frisst, ihren Stillstand, ihr Aufsehen, ihr Wegblicken, ihren Kopf, der sich zur Seite neigt, sie muss etwas hören, was wir nicht vernehmen können, das Flüstern der Ameisen, die gurrenden Gespräche der Tauben, den in weiter Ferne grollenden Donner, der sich inmitten einer dunklen Wolkenschar versteckt, die noch über das Meer hinweg hetzt, die noch nicht zu sehen oder zu hören ist, zumindest nicht für unsere Augen und Ohren, die sich auf die Frau konzentrieren, die nun ins Haus läuft, eilig, sie verliert einen Schuh dabei, ganz so wie Aschenputtel, Zum Rest des Beitrags »

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In diesem Sommer

Wir hätten doch nicht unsere Kamera aufgebaut, wenn wir geahnt hätten, dass hier nichts zu holen ist, keine Gesichter, keine Oberkörper, die raus und rein schweben, er, der hin zum Grill schlurft, denn im letzten Sommer war es so, nur in diesem Sommer ist es anders, da kann unsere Kamera nichts fangen, nur eine Taube, die auf dem Geländer wie ein grübelnder Napoleon marschiert, hin und her, die Leute, also dieses Paar, die müssen ausgezogen sein, wir schalten für Sekunden die Kamera aus und lehnen uns über das Geländer, sehen ihren blauen Van, erinnern uns, ein Kind haben sie ja auch, das sah man nur nie auf dem Balkon, vielleicht weil die Mutter Angst um das Kind hatte, sie müssen also noch dort wohnen, denn der Van, dieser blaue Van steht ja auch noch dort unten, aber sie sind in diesem Sommer nicht zu sehen, nicht zu filmen, der Tisch bleibt unter einer Plastikplane, wir machen uns so unsere Gedanken, vielleicht haben sie sich getrennt, vielleicht hat sich eine Krankheit in die Wohnung geschlichen und an ihn oder sie gehängt, Zum Rest des Beitrags »

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Auf der Feier

Und wenn dann der Alkohol in Strömen in die Körper und in die Köpfe und Seelen geflossen ist, und die Männer sich für unwiderstehliche Liebhaber halten, wenn sie Politiker bald an jenen Ast, bald an diesen Baum gehängt haben, wenn man Rassist und Barbar schon war und rotgesichtig Speichel über die Haare der Frauen fliegen ließ, weil man Magier ist, auch Fußballprofi, ein Fachmann für alle Fragen des Lebens eh, dann fängt plötzlich die Stimme des Sohnes an, sie überfällt den von Rauch gedämpften Raum, ein Außenstehender und ungeschulter Betrachter würde von einem Kitschüberfallkommando reden, die Stimme legt sich augenblicklich wie der Gesang der Sirenen über all die Gespräche, die nun versiegen, die Worte fallen zu Boden, man tritt sie wie Zigarettenstumpen aus, und in diesem Moment schalten wir die Kamera ein, wir fangen die Gesichter ein, die sich über die Lippen lecken, die Augen, die sich in einem unsichtbaren Loch in der Decke verirren, Zum Rest des Beitrags »

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Am Rastplatz

Die Kamera filmt über eine Straße hinweg, die Kamera filmt eine Familie, die eine Rast eingelegt hat, Autos zischen durch das Bild, immer wieder Autos, die Frau steht an einem Holztisch, sie holt Brote hervor, sie zaubert sie seitlich des Tisches aus dem Gras oder einer Kühltasche, wir können es nicht mit Gewissheit sagen, wir ergehen uns in Vermutungen, der Mann steht einige Meter entfernt, er raucht eine Zigarette, er beobachtet seine Kinder, die im Gebüsch verschwunden sind, die sich dort wohl erleichtern wollen, die Mutter füllt derweil Becher mit einem heißen Getränk, wir würden Tee vermuten, wir können sie nicht alle mit der Kamera im Blick behalten, wir müssen hin und her filmen, immer wieder, der Vater raucht noch, er ruft seiner Frau etwas zu, wir vermuten auch dies, denn wir können sie ja nicht beide mit unserer Kamera bannen, also schwenken wir wieder zurück, die Frau scheint erstaunt, worüber auch immer, ein kleiner Schwenk zurück genügt, der Mann spricht auf sie ein, nicht drängend, er erzählt ihr etwas, es könnte ein Geständnis sein, sein Körper wird von Autodächern zerschnitten, Zum Rest des Beitrags »

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Beim Arzt

Sie scheint etwas erzählt zu bekommen, wir können es nicht hören, die Kamera ist in der gegenüberliegenden Wohnung aufgebaut, wir filmen aus dem Fenster, wir haben die Praxisräume nicht mit Mikrofonen ausgestattet, nein, das sah unser Auftrag nicht vor, wir filmen nur ihr Gesicht ab, das nun die Nachricht erhält, dieses wunderschöne Gesicht, das nickt und nickt, und nun, passen Sie auf, damit Sie auch ja nichts verpassen, wir zoomen heran, jetzt nickt sie nicht mehr, sie verharrt, das Kinn zeigt in Richtung Stirn des Arztes, es muss eine überraschende Nachricht sein, sie bewegt den Kopf noch immer nicht, wir haben das Bild nicht eingefroren, das ist sie, die sich noch immer nicht bewegt, die Worte des Arztes haben zu einer Lähmung geführt, erst jetzt kommt Bewegung in ihr Gesicht, sie öffnet den Mund, das Kinn ist immer noch auf Stirnhöhe, sie versucht sich mit dem geöffneten Mund an einem Satz, es könnte eine Frage werden, aber nein, sie schließt den Mund wieder, ihr Kinn senkt sich, sie blickt nun zu ihrem Schoß hinunter, wir können nur ahnen, was sie gesagt bekommen hat, wir werden hier keine Vermutungen äußern, der Arzt scheint noch zu sprechen, sie sieht wieder zu ihm hin, sie schluckt, man kann es an den wellenartigen Ausbeulungen des Halses sehen, diese Wellen, die nach unten in ihren Körper schwappen, diese Wellen, die uns helfen sollen, Unangenehmes in den Körper zu spülen, sie nickt nun wieder, nur leicht, der Arzt greift nach einem Papiertaschentuch, er zieht es aus einer Box auf seinem Schreibtisch, er reicht ihr das Tuch, sie greift danach, dieses kleine Wort könnte ein Danke gewesen sein, sie schnäuzt sich, sie faltet das Tuch bedächtig und reibt sich das so entstandene Papierquadrat über die Augen, da müssen Tränen sein, die wir übersehen haben, wir gehen an ihre Augen heran und tatsächlich, da kann man sie sehen, die Tränen, sie laufen nun als Schlieren über ihre Wange, sie nickt und nickt, der Arzt spricht auf sie ein, jetzt steht sie auf, sie reicht dem Arzt die Hand, er begleitet sie zur Tür, er führt sie hinaus, dann geht er in sein Behandlungszimmer zurück, er schüttelt den Kopf, er geht zum Fenster hin, öffnet es, greift nach seinen Zigaretten, er zündet sich eine Zigarette an, er zieht daran, sieht zur Straße hinab, er hebt das Gesicht und sieht zu unserem Fenster hin, er mustert das Fenster, weg, weg, weg, wir wollen nicht entdeckt werden, und außerdem haben wir ja die Bilder, die wir wollten.

Guido Rohm

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An den Ringseilen

Ein Kopf taucht auf, mit Sonnenbrille und einem Hut auf dem Kopf, direkt zwischen zwei Ringseilen, Popcorn purzelt aus dem Mund, der sich zum Schreien öffnet und schließt, wir werden später alle Geräusche aus dem Film schneiden, wir wollen nur dieses statische Bild, nur diese Aufnahme, die hier zwischen den Ringseilen entsteht, wir werden mit der Zeit arbeiten, wir werden die Zeit verlangsamen, damit wir die Schweißtropfen, die nun wie Patronenkugeln horizontal Richtung Publikum schießen, zum Schweben bringen können, wir werden sie bremsen, anhalten, damit man sich die Salzwasserlösung betrachten kann, um dann die Zeit, plötzlich und ohne weitere Vorankündigung, fließen zu lassen, schon sind die Schweißtropfen auf den Stirn eines Zuschauers gelandet, sie haben sich dort mit seinem Schweiß vermengt, ohne dass er es bemerkt hätte, diese kleinen, mit Blut versetzten Schweißtropfen, die er mit der Hand von seiner Stirn wischen wird, um sie dann in der Handinnenfläche nach Hause zu tragen und seiner Frau über die Wange zu streichen, beruhigt und befriedigt, sich so sehr verausgabt zu haben, denn die Schreierei hat ihn erschöpft, aber all das liegt außerhalb des Bildes, all das müssen wir der Fantasie des Zuschauers überlassen, während wir noch in den Raum hinein filmen, in den inzwischen leeren Saal, immer noch mit jenem statischen Bild, das uns nun einen Mann mit Besen zeigt, der entlang der Zuschauerreihen kehrt, der sich bückt, wir können es sehen, der sich umblickt, leicht nervös, denn er scheint etwas entdeckt zu haben, wir holen ihn uns mit der Kamera heran, können aber nicht entdecken, was er dort am Boden gefunden hat, es ist schon längst in seiner Hosentasche verschwunden, ein letzter Blick, auch zu uns hin, denn nun hat er uns gesehen, er lächelt verunsichert, schwingt wieder den Besen und verschwindet aus unserem Bild, nicht mehr lange dann wird das Licht erlöschen, dann werden wir ins Dunkel der Halle filmen, wir werden das Dunkel mit der Kamera fangen, denn was könnte revolutionärer für einen Film sein, als ein Bild, das einzig nur mit einer schwarzen Fläche operiert, die im Kopf des Zuschauers gefüllt werden muss, mit Farbe oder mit Trauer, das werden wir dem Zuschauer überlassen, wir werden einzig nur filmen und warten und auf den Ausschnitt vertrauen.

Guido Rohm

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Am Schreibtisch

Talmann sitzt an seinem Schreibtisch, er lächelt kurz in die Kamera, ein Moment der Unsicherheit, der Schutzlosigkeit, seine Hände gleiten über den Schreibtisch, sie streicheln die Schreibtischunterlage, er scheint den Tisch zu liebkosen, wir zoomen heran, da sind seine Hände, alte, verbrauchte Hände, sehen Schriftstellerhände denn so aus, werden sich die Zuschauer fragen, so sehen doch keine Schriftstellerhände aus, wir können das Kameraauge nicht abwenden von diesen Händen, die nun ruhen, die sich übereinander legen wie zwei liebende Körper, die einen Hügel bilden, einen kleinen Berg in der Schreibtischlandschaft, zurück, zurück, denken wir, wir zeigen also wieder Talmann, voll und ganz, Großaufnahme, Talmann, der sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht streicht, der in die Kamera blickt und sagt, wann fangen wir an, jetzt, wir antworten ihm nicht, wir wollen ihn so, einen Moment entwaffnender Ehrlichkeit, der Schriftsteller und seine Hände, die sich vom Schreibtisch erheben, die unter dem Tisch verschwinden, die in den Untergrund abgewandert sind, diese Hände, die keinem Schriftsteller gehören können, die er sich geklaut haben muss, vielleicht bei einem Bergarbeiter, Talmann räuspert sich, nichts für ungut, meine Herren, sagt Talmann, aber wir müssen jetzt wirklich anfangen, wir schalten die Kamera aus, denn wir haben alles über Talmann, was wir haben wollten.

Guido Rohm

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Im Restaurant

Die Füße, die bringen mich irgendwann noch um, sagt die Bedienung, sie saugt eilig an ihrer Zigarette, sie legt die Zigarette in den Aschenbecher, sie wird die Zigarette dort vergessen, sie schlägt die Beine übereinander, sie lächelt hilflos in unser Kameraauge, ich mach das hier doch nur vorrübergehend, sagt sie, ich will nach London, ich will Schauspielerin werden, vielleicht auch eine Dichterin, ich mag Sylvia Plath, die kennen Sie doch, oder, das Kameraauge nickt leicht, die betrachtete Welt aber erschüttert ein Beben, ein Herr tritt an die Bedienung heran, würden Sie uns bitte die Karte bringen, die Bedienung lächelt ihn an, ja, mein Herr, sofort, sagt sie, ihr seht ja, sagt sie, ich muss arbeiten, ich habe keine Zeit, besucht mich doch mal später in London, jetzt muss ich für den Flug und die ersten Monate dort ackern, man braucht Geld, viel Geld, wieder tritt ein Herr heran, ein anderer Herr, der sich als Chef des Restaurants zu erkennen gibt, wir haben Sie nicht zum Rumsitzen eingestellt, ich komme ja schon, sagt die Bedienung, der Chef erblickt unser Kameraauge, was soll das überhaupt, fragt er, was tun Sie da, Sie können hier doch nicht einfach filmen, kennen sie diese Leute, fragt der Chef die Bedienung, die sind vom Fernsehen, erklärt die Bedienung, ach, lächelt der Chef, er bittet uns nach hinten in sein Büro, vom Fernsehen also, flötet er, wir gehen mit ihm, das Kameraauge blickt noch einmal kurz zurück, die Bedienung hoppst um einen Tisch herum, wir werden sie besuchen, wir werden nach ihr sehen, wie wird es ihr wohl in London ergehen, wir folgen dem Chef in sein Büro, setzen Sie sich doch, sagt er, könnten wir vielleicht, der Chef räuspert sich, die Kamera kurz, Sie wissen schon, ich würde da gerne etwas mit Ihnen unter, äh, sechs Augen besprechen, wir lassen das Kameraauge erblinden, wir sprechen mit dem Chef über sein Restaurant, das Fernsehen ist groß, das Fernsehen ist mächtig, der Chef zahlt einen kleinen Betrag, wir werden ihn filmen, sein Restaurant, Kamera ein, los, aus dem Hintergrund blickt die Bedienung, der Chef zieht uns zu sich heran, nicht die, flüstert er, mich.

Guido Rohm

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