Conrad Ekhof, Der Vater der deutschen Schauspielkunst (Porträt von Anton Graff, 1774)

Traditionen

Was bleibt von einem Schauspieler, der sich Ruhm erwarb vor der Erfindung der audio-visuellen Medien? Von seiner Kunst nur die Legende. Doch bestimmt sich der Rang eines Künstlers nicht nur nach dem, was er ausführend schuf, mitunter ist bedeutender, was er anregend ermöglichte. Conrad Ekhof (1720 – 1778) ist einer der ersten, die die Schauspielerei aus dem Bezirk des Jahrmarktes in den der Kunst zu führen. Dass ein Komödiant neben der Gunst seines Publikums auch den Charakter seiner Figur bedachte, das war keineswegs selbstverständlich in einer Zeit, da ein Feuerschlucker und ein Komödienspieler für Angehörige einer Zunft galten. So signalisiert Ekhofs Gründung der ersten deutschen Akademie für Schauspieler 1753 in Schwerin den Aufbruch des Standes in die Zukunft. Und während sich die Gaukler vom Marktplatz emanzipierten, da emanzipierte sich die deutsche Literatur von der französischen, so gingen Lessing und Ekhof, der Minnas erster Tellheim war, eine glückliche Verbindung ein. Der „Hamburger Entreprise“ (1767/69), dem ersten Versuch eines deutschen Nationaltheaters, verdankt sich Lessings „Hamburgische Dramaturgie“, ohne einen ernsthaften Schauspieler und Anreger wie Ekhof wäre das damalige Theater nie zum Gegenstand ernsthafter Erörterungen avanciert.

Mit der Truppe von Abel Seyler wurde Ekhof 1771 von Anna Amalia nach Weimar engagiert, nach dem Brand von 1774 ermöglichte ihre Empfehlung den Einzug in Gotha. Als Seyler nach einem Jahr mit einem Teil der Truppe weiter zog entstand hier unter der Protektion des Herzogs und Ekhofs Direktion, das erste stehende Theater Deutschlands, das allerdings ein Jahr nach Ekhofs Tod gleichfalls starb. So wurde das erste stehende Theater nicht nur in Thüringen gegründet, es wurde hier auch erstmals ein solches Haus geschlossen. Man mag auch das eine Tradition nennen.

Text: Henryk Goldberg

Text erschienen zum 225. Todestag von Conrad Ekhof, am 06.06. 2003 in TA

Conrad Ekhof starb am 6. Juni 1778 in Gotha

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